Angesichts der geringeren Kosten und einer höheren Flexibilität investieren immer mehr Dienstanbieter in die Disaggregation ihrer Netze oder ziehen dies zumindest in Erwägung. Richard Brandon von RtBrick wirft deshalb einen kritischen Blick auf die jüngsten Entwicklungen im Bereich der Netzdisaggregation.
Die Disaggregation von Netzwerken, also die Entkopplung von Hard- und Software und die Abkehr von proprietären Lösungen, wird TK-Unternehmen einen enormen Schub verpassen, sagt Richard Brandon von RtBrick.
Trotz der vielen mit der anhaltenden Pandemie verbundenen Schwierigkeiten, stellten die letzten zwei Jahre auch eine Zeit positiven Wandels dar. So sind beispielsweise viele Menschen zu einer permanent hybriden Arbeitsweise übergegangen. Und erstaunlich viele Menschen haben im Rahmen der so genannten „Großen Resignation“ spannende neue Aufgaben gefunden. In der Zwischenzeit haben auch Telekommunikationsunternehmen selbst einige Neuanfänge gewagt und sind von traditionellen Betreibermodellen zu offenen, disaggregierten Netzen übergegangen.
Doch warum warum wird die Netzwerk-Disaggregation die Art und Weise, wie Telekommunikationsanbieter ihre Netze aufbauen, revolutionieren? Ein Annäherungsversuch:
Neue Akteure entdecken die Disaggregation
Kürzlich gab Vodafone bekannt, dass es erfolgreich ein neues, offenes Broadband Network Gateway (BNG) getestet hat, um neue und bestehende Kunden in ganz Europa mit schnelleren Breitbanddiensten zu versorgen. Diese Nachricht knüpft an frühere Entwicklungen an, z.B. an ein gemeinsames Positionspapier, das BT, Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone im Jahr 2020 veröffentlicht haben. Darin wird die Notwendigkeit unterstrichen, „Disaggregation, Softwarisierung und Automatisierung zu nutzen, um Breitbandnetze der nächsten Generation effektiver und effizienter zu entwerfen, aufzubauen und einzusetzen.“ Zusammen mit RtBrick sind alle vier Telekommunikations-Giganten Teil der schnell wachsenden Telecom Infra Project (TIP) Open BNG Initiative. TIP ist eine globale Gemeinschaft von Organisationen, die gemeinsam daran arbeiten, die Entwicklung und den Einsatz von disaggregierten Netzen zu beschleunigen.
Einer dieser Netzbetreiber, die Deutsche Telekom, ist sogar schon einen Schritt weiter auf dem Weg zur Disaggregation und hat ein softwarebasiertes Broadband Network Gateway (BNG) in seinem Live-Produktionsnetz eingesetzt. Angesichts des starken Interesses vieler der weltweit größten Telekommunikationsanbieter kann man mit Sicherheit sagen, dass die Netzdisaggregation einen wichtigen Wendepunkt erreicht zu haben scheint.
Was also ist Netzwerk-Disaggregation?
Seit Jahren dominiert im Telekommunikationssektor eine monolithische Infrastruktur mit Routing-Systemen, die auf proprietären Chips und eigens entwickelter Software basieren. Diese Systeme lassen sich nur langsam skalieren, sind teuer und können sogar Sicherheitsrisiken beinhalten – man denke nur an die jüngsten Entscheidungen vieler Länder, Hardware von chinesischen Anbietern zu ersetzen, die als Bedrohung der nationalen Sicherheit angesehen wurden. Trotzdem mussten sich viele Telekommunikationsunternehmen mit dem Status quo abfinden, da sie von ihren bisherigen Anbietern nur wenig Innovation zu erwarten hatten.
Hier kommt die Disaggregation des Netzes ins Spiel. Vereinfacht ausgedrückt, ermöglicht die Disaggregation den Telekommunikationsunternehmen die unabhängige Auswahl der besten Kombination aus Standardhardware und unabhängiger Software für den Aufbau ihrer Netze. Die Disaggregation wurde durch das Aufkommen des so genannten „Merchant Silicon“ ermöglicht. Hochvolumige, kostengünstige Netzwerkchips von Chipanbietern haben jetzt die gleichen Fähigkeiten, wie die maßgeschneiderten Systeme der traditionellen Anbieter. Die Merchant-Silizium-Chips werden in disaggregierten Netzen verwendet, um eine neue Kategorie von robusten, kostengünstigen „Bare-Metal“-Switches aufzubauen. Sie werden oft auf denselben ausgelagerten Fertigungsstraßen hergestellt wie herkömmliche Routersysteme – allerdings zu einem Bruchteil der Kosten.
Warum sollte mich das interessieren?
Kurz: aus finanziellen Gründen! Die Disaggregation beseitigt Anbietermonopole, indem sie es den Netzbetreibern ermöglicht, Hardware und Software zu mischen und aufeinander abzustimmen, sodass sie von vielen verschiedenen Anbietern zu viel niedrigeren Kosten bezogen werden können. Auch mittel- und langfristig können Telekommunikationsunternehmen durch Disaggregation Geld sparen. Da Hardware und Software damit nicht mehr fest gekoppelt sind, ist es relativ einfach, Software zu ersetzen, ohne die Hardware zu überholen, und umgekehrt – was zuvor ein kostspieliger und zeitaufwändiger Prozess war.
Ein weiterer Vorteil disaggregierter Netze besteht darin, dass sie viel einfacher zu skalieren sind, sodass Telekommunikationsunternehmen flexibler agieren und schnell auf die Kundennachfrage reagieren können. Wenn sie wachsen müssen, können die Anbieter ganz einfach kostengünstige White Boxes zu ihren Netzen hinzufügen und neue Softwarelizenzen freischalten. Bei Betreibern, die eine herkömmliche Infrastruktur nutzen, kann die Skalierung der Kapazität dagegen Wochen oder Monate dauern. Darüber hinaus ist dies in der Regel mit einem hohen Preis verbunden.
Richard Brandon.
(Bild: RtBrick)
Wird 2022 also zum Jahr des offenen Routings? Ich glaube schon! Angesichts der Vorteile, die sich aus den geringeren Kosten und der unbegrenzten Skalierbarkeit ergeben, könnte eine Investition in die Disaggregation von Netzen für Telekommunikationsunternehmen Impuls sein, der die Basis für ganz neue Möglichkeiten schafft.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor
Richard Brandon ist Vice President of Strategy and Business Development beim Router-Software-Pionier RtBrick. Er verfügt über mehr als dreißig Jahre IT- und Netzwerk-Erfahrung.