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IEEE 802.20
Natürlich gibt es mittlerweile auch eine Arbeitsgruppe von IEEE zu dieser Thematik: IEEE 802.20. Die Kernfrage ist: was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem mobilen drahtlosen Breitbandzugriffssystem und bestehenden Systemen, wie dem Mobilfunk der dritten Generation (in den Dokumenten immer als 3GPP bezeichnet) einerseits und den Wireless LANs andererseits? Nun, der letzte Punkt ist schnell zu klären: die WLANs entbehren wie schon dargestellt jeglicher Ordnungsinstanz und sind für VoIP kaum geeignet. WLANs arbeiten mit einem Verfahren auf der MAC, um den Zugriff der Stationen zu synchronisieren. Systeme für drahtlosen Breitbandzugriff arbeiten immer mit einem deterministischen Scheduling-Verfahren, welches in Grundfunktionen der physikalischen Schicht verankert ist. Sie unterstützen daher also immer Anforderungen, wie sie im Sprachverkehr gestellt werden.
Zu Beginn der Standardisierungsbestrebungen hat man das Projekt auch „IP-based mobile data service“ genannt. Mittlerweile heißt es MBWA (Mobile Broadband Wireless Access). Der Unterschied zu 3GPP liegt hauptsächlich darin, dass 3GPP ein zellulares Funknetz primär für den Sprachverkehr ist, dem der Datenverkehr „obenauf“ gelegt wird, wenn genügend Platz vorhanden ist. 802.20 möchte dagegen ein zellulares Funknetz für den integrierten Sprach/Datenverkehr definieren, bei dem der Datenverkehr primär ist und der Sprachverkehr „obenauf“ gelegt wird – allerdings nicht unter der Prämisse, dass das nur gemacht wird, wenn Platz vorhanden ist, sondern mit Einführung von QoS über eine immer verfügbare Bandbreite.
Der Unterschied zwischen 3GPP und 802.20 ist also – philosophisch gesehen – genau der zwischen einer modernen Nebenstellenanlage und einer VoIP-Lösung über ein entsprechend ausgestattetes geswitchtes LAN. Nur eben alles „mit ohne“ Drähte. 3GPP arbeitet mit symmetrischen Kanälen, die im Up- und Downlink die gleiche Leistung haben. 802.20 arbeitet mit unterschiedlichen Kapazitäten für Up- und Downlink. Dies ist für die Anwendungen praktisch, wie weiter oben ausgeführt.
Die Arbeitsgruppe hatte aber sehr schnell das Problem, dass auch die Standardisierung des Mobilfunks der dritten Generation mit neuen Revisionen in Bereiche vorstößt, die normalerweise eher WLANs vorbehalten sind.
Die Tabelle in Abbildung 3 listet einen Vergleich von Mobilfunksystemen auf. Der Erlang-Wert gibt an, wie viele Telefonate im Vollduplex-Betrieb gleichzeitig von einer Zelle bewältigt werden können.
Über den Autor
Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit über 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, über 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender. Sein besonderes Augenmerk galt immer der soliden Grundlagenausbildung.
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