Beim modularen Monitoring-Ansatz werden von einem Anbieter einzelne Komponenten zur Verfügung gestellt, die sich in einem Dashboard kombinieren lassen. Beim All-in-one-Ansatz bieten die Tools „ab Werk“ den vollen Funktionsumfang. Welche Variante ist für die eigene Infrastruktur geeignet?
Administrator im Network Operations Center (NOC).
(Bild: Paessler)
Je größer Netzwerke werden, desto wichtiger ist es, einen Überblick zu haben. Dazu setzen Unternehmen auf Monitoring-Lösungen. Doch bei der Auswahl geeigneter Tools stehen IT-Entscheider und -Administratoren oftmals vor der Frage, welche Lösung für ihre Infrastruktur die richtige ist: modular oder doch all-in-one? Da hier viele Faktoren eine wichtige Rolle spielen, lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Vielmehr sollte individuell geprüft werden, welche Informationen ein Monitoring-Tool liefern muss und wie tief die angezeigten Informationen ins Detail gehen sollten. Bei der Evaluierung ist deshalb die Berücksichtigung folgender Fragen und Aspekte empfehlenswert:
1. Welche Funktionen beinhalten die einzelnen Lösungen?
All-in-one-Lösungen kombinieren von Beginn an alle Funktionen, die für ein umfassendes IT-Monitoring benötigt werden. Allerdings gehen sie in den einzelnen Bereichen nicht so sehr in die Tiefe. Modulare Lösungen hingegen bieten – wie der Name schon sagt – einzelne Module, die individuell kombiniert werden können. Hier wird für jede Funktion, z.B. Netzwerk-, Storage-, Server- oder Datenbank-Monitoring, ein separates Tool benötigt, das dann meist tiefgehende Funktionen für Spezialisten liefert.
2. Was ist bei der Lizenzierung zu beachten?
Die Monitoring-Ansätze unterscheiden sich auch hinsichtlich der Lizenzierung. Während in All-in-one-Lösungen direkt alle Features in jeder Lizenz enthalten sind, werden bei modularen Lösungen Gebühren für zusätzliche Funktionen und Features erhoben. Auch das Zusammenstellen eines passenden Software-Bundles ist oftmals nicht gerade einfach – vor allem dann nicht, wenn man sich als Unternehmen unschlüssig ist, was im Arbeitsalltag genau benötigt wird. Ändern sich bestimmte Anforderungen und kommen neue Aufgaben für den Administrator hinzu, muss häufig ein neues Modul erworben werden.
3. Welche Hard- und Softwareanforderungen gibt es?
Dieses Kriterium sollte bei der Auswahl einer geeigneten Monitoring-Lösung nicht vernachlässigt werden. Modulare Tools erfordern normalerweise mehrere Server- und Datenbankinstanzen. Dies erhöht zum einen den Installationsaufwand und die Lizenzkosten, zum anderen den Administrationsaufwand. Im Gegensatz dazu benötigen All-in-one-Tools zur Installation und Ausführung nur einen Server. Darüber hinaus gibt es Lösungen, die eigene, speziell für Netzwerk-Monitoring-Anforderungen entwickelte Datenbanken bieten. Dadurch fallen auch hier langfristig keine weiteren Lizenzkosten an.
4. Wie flexibel sind die Lösungen?
Ändern sich Anforderungen oder Bedingungen der IT-Infrastruktur in einem Unternehmen, wirkt sich dies in der Regel auch auf die Monitoring-Software aus. Bei modularen Lösungen kann es dann natürlich passieren, dass ein neues Modul gekauft werden muss, um diese neuen Anforderungen zu erfüllen. All-in-one-Lösungen sind dagegen von Beginn an breit aufgestellt und verhindern ungeplante Zusatzkosten. Zudem bieten bestimmte Tools auch die Möglichkeit, eigene Skripte als Plug-ins zu verwenden, was ebenfalls für ein hohes Maß an Flexibilität sorgt.
5. Wie steht es um die Benutzerfreundlichkeit und den Einstieg in das Monitoring-Tool?
Um einen ersten Eindruck von einer Lösung zu bekommen, sollte man sich nach Trials und gegebenenfalls kostenlosen Einstiegs-Tools mit vollständigem Funktionsumfang umsehen. Im Test sollte darauf geachtet werden, dass sich das Netzwerk-Monitoring-Tool intuitiv und einfach installieren und administrieren lässt. Generell erleichtern gut strukturierte Oberflächen den Einstieg und vor allem auch die Nutzung im Arbeitsalltag. Die meisten Tools lassen sich innerhalb weniger Minuten installieren, allerdings müssen bei modularen Lösungen natürlich einzelne Module separat und gegebenenfalls nachträglich installiert werden.
Fazit
Modular aufgebaute Produkte bieten die Möglichkeit, sich seine Lösung individuell zusammenzustellen. Sie geben einen tiefen Einblick in einzelne Bereiche und liefern hier ein hohes Maß an Informationen und spezifischen Details. Ein breiter Überblick ist aber meist schwer zu erreichen und in der Regel sehr teuer. Dagegen ist in All-in-one-Lösungen bereits der volle Funktionsumfang enthalten, wodurch kein weiteres Tool mehr benötigt wird. Diese Lösungen ermöglichen einen umfassenden Überblick über die gesamte IT-Infrastruktur eines Unternehmens und decken somit von Beginn an alle relevanten Bereiche ab, liefern aber nicht die ganz tiefen Einblicke, die manche Spezialisten für ihren Bereich benötigen.
Simon Pangerl.
(Bild: Paessler)
Ein Kompromiss kann in der Kombination einer breit aufgestellten Lösung mit spezialisierten Tools für bestimmte Bereiche bestehen. So kann z.B. eine NetFlow-basierte Network-Performance-Monitoring-Lösung eine breit aufgestellte Monitoring-Lösung um tiefgehende Traffic-Analysen ergänzen. Gibt es noch eine technische Integration über beispielsweise ein API, wird daraus ein schlüssiges „Best-of-Breed“-Konzept: Die Monitoring-Lösung alarmiert bei auftretenden Unregelmäßigkeiten oder Störungen, und über eine direkte Verlinkung kann dann eine Root-Cause-Analyse über die NetFlow-Lösung erfolgen.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor
Simon Pangerl ist Team Manager Sales DACH der Paessler AG.