Die Abhängigkeit der DNA-Strangbrüche vom SAR-Wert
Auch die Entstehung von Einzel- oder Doppel-DNA-Strangbrüchen ist abhängig vom SAR-Wert und der Expositionsdauer. Hier passiert aber etwas besonders Interessantes: wird die Probe einem SAR-Wert von 1,3 W/kg ausgesetzt, steigt die Anzahl der Strangbrüche von der 6. Bis zur 24. Stunde an, um anschließend wieder abzufallen. Der Grund für den Abfall wurde gesondert untersucht. Nach einer Expositionsdauer von ungefähr 16 bis 24 Stunden ist das zellulare Reparatursystem so stark aktiviert, dass die Reparatur der DNA der Schädigung der DNA den Rang abläuft!
Auch bei der DNA-Strangbruchrate ist der Unterschied zwischen scheinexponierten und RF-EMF-exponierten HL-60 Zellen signifikant; siehe Abbildung 3.
Ganz besonders überraschend war der Ausgang eines anderen Experimentes. Wie zuvor, hat man HL-60-Zellen in einem Doppelblindtest einer RF-EMF ausgesetzt. Allerdings unter der Zugabe von Vitamin C. RF-EMF konnte nach Zugabe des Vitamin C die Micronuklei-Frequenz nicht mehr erhöhen! Diese Beobachtung spricht dafür, dass durch RF-EMF freie Radikale gebildet werden, die letzten Endes für die beobachtete Genschädigung verantwortlich sein könnten.
Danach konnte man zeigen, dass RF-EMF nach Zugabe von Vitamin C auch die Strangbruchrate nicht mehr erhöhen konnte. Diese Beobachtung steht im Einklang mit der anderen Messung.
Die Wiener Arbeitsgruppe hat untersucht, wie sich unterschiedliche RF-EMF-Signale auf die Strangbruchrate in menschlichen Fibroblasten auswirken. Es wurden kontinuierliche Signale, intermittierende Signale, 217-Hz modulierte Signale und „Talk“-modulierte Signale verwendet. Insgesamt zeigt sich wiederum ein Anstieg der Strangbruchrate, der wiederum von der Expositionsdauer abhängig war. Nach 4 Stunden ist der Anstiegt sehr gering, dies ändert sich aber nach 16 bis 24 Stunden deutlich.
Kritisch für eine Zelle sind die Doppel-DNA-Strangbrüche, weil einfache Brüche von der Zelle immer gut repariert werden können, es bei der Reparatur von Doppelbrüchen aber gelegentlich zu Fehlern kommen kann. Bei einem speziellen Test wurden diese Doppelbrüche daher isoliert betrachtet. Das Ergebnis ist tendenziell mit der Betrachtung der Gesamtbrüche übereinstimmend.
Es gab noch weitere Untersuchungen, bei denen sich z.B. herausgestellt hat, dass es gleichgültig ist, ob die Fibroblasten einem Feld mit einem SAR-Wert von 1 oder 2 W/kg ausgesetzt werden.
Die DNA-Strangbruchrate ist jedoch deutlich geringer, wenn die Fibroblasten statt einem intermittierenden einem kontinuierlichen RF-EMF-Feld ausgesetzt werden.
Eine Dosis/Wirkbeziehung zeigt, dass die Strangbruchrate bei Fibroblasten ab einer SAR-Belastung von 0,3 W/kg ansteigt und ab 1 W/kg bis 2 W/kg auf einem Plateau unverändert bleibt.
Es gibt noch einige weitere Ergebnisse der REFLEX-Studie, die allerdings nicht so eindeutig wie die bis hierhin präsentierten sind. Unter Hinweis auf die Originalliteratur wollen wir dies hier nicht weiter vertiefen, sondern, wie zuvor auch, das Fazit des Abschlußberichtes wörtlich zitieren:
Aus den in vitro Untersuchungen des REFLEX-Projektes ergibt sich, dass RF-EMF unterhalb der geltenden Sicherheitsgrenzen fähig sind, in bestimmten, aber keineswegs allen lebenden Zellen DNA-Strangbrüche zu erzeugen und die Anzahl der Micronuklei sowie der Chromosomenaberrationen zu erhöhen. Auf der Grundlage der Befunde ist anzunehmen, dass RF-EMF auf verschiedene Zellsysteme eine gentoxische Wirkung ausüben. Ob diese gentoxischen Wirkungen auch in vivo nachgewiesen werden können, ist bis jetzt nicht ausreichend erforscht.
In mehreren REFLEX-Laboratorien wurden Ergebnisse erhalten, die belegen, dass RF-EMF unterhalb der geltenden Sicherheitsgrenzen fähig sind, in verschiedenen Zellsystemen die Gen- und Protein-Expression zu modifizieren. Das Ausmaß der Zellantwort ist offensichtlich abhängig vom genetischen Hintergrund. Der gegenwärtige Stand der Forschung erlaubt es nicht vorauszusagen, welche zellulären Prozesse durch RF-EMF als Folge einer modifizierten Gen- und Proteinexpression derart beeinflusst werden, dass die physiologische Bandbreite nach oben oder unten überschritten wird.
Aus den in vitro Untersuchungen im Rahmen des REFLEX-Projektes ergeben sich keine überzeugenden Hinweise dafür, dass RF-EMF unterhalb der geltenden Sicherheitsgrenzen fähig sind, direkten Einfluss auf Proliferation, Differenzierung und Apotopse von Zellen zu nehmen. Da eine Fehlregulation der Zellproliferation, der Zelldifferenzierung und der Apotopse die pathophysiologische Grundlage aller chronischen Erkrankungen wie z.B. Krebs und Alzheimer ist und bis jetzt zumindest eine indirekte Einflussnahme durch RF-EMF nicht sicher ausgeschlossen werden kann, muss die Abklärung dieser Fragestellung im Mittelpunkt zukünftiger Forschung stehen.
Zusammengefasst ist festzustellen, dass die REFLEX-Daten einen kausalen Zusammenhang zwischen einer RF-EMF-Exposition und der Entstehung chronischer Erkrankungen oder auch nur funktioneller Störungen keineswegs belegen. Sie erhöhen jedoch die Plausibilität für eine solche Annahme. Der erreichte Fortschritt besteht im Wesentlichen darin, dass neue Wege aufgezeigt werden, wie die zukünftige Forschung ausgerichtet sein soll. Solange die Erkenntnislage unzulänglich bleibt, sprechen die REFLEX-Daten dafür, dass das Vorsorgeprinzip zum Schutze der Bevölkerung von den Entscheidungsträgern in Industrie und Politik anerkannt werden sollte.
Diese Aussage steht in deutlichem Widerspruch zur „offiziellen“ Meinung der EU-Kommision. Andererseits bieten die erzielten Ergebnisse ganz wesentliche Hinweise zur Planung von WLANs.
Über den Autor
Dr. Franz-Joachim Kauffels ist seit über 25 Jahren als unabhängiger Unternehmensberater, Autor und Referent im Bereich Netzwerke selbständig tätig. Mit über 15 Fachbüchern in ca. 60 Auflagen und Ausgaben, über 1.200 Fachartikeln sowie unzähligen Vorträgen ist er ein fester und oftmals unbequemer Bestandteil der deutschsprachigen Netzwerkszene, immer auf der Suche nach dem größten Nutzen neuer Technologien für die Anwender. Sein besonderes Augenmerk galt immer der soliden Grundlagenausbildung.
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