Die REFLEX-Studie
Die Abkürzung REFLEX steht für „ Risk Evaluation of potential environmental hazards From Low energy Electromagnetic field eXposure using sensitive in vitro methods“ . Das Projekt wurde von der Europäischen Union unter dem Programm „Quality of life and management of living resources“ Key Action 4 „Environment and Health“ QLK4-CT-1999-01574 initiiert.
Die Ergebnisse wurden u.a. beim 7. Workshop „Elektromagnetische Felder in der Umwelt“ des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW im Dezember 2004 in Düsseldorf vorgestellt. Am REFLEX-Projekt waren 12 Forschergruppen aus sieben europäischen Ländern beteiligt. Es gab eine Vielzahl von Ergebnissen. Wir beschränken uns hier auf den für die Telekommunikation wichtigen RF-EMF-Bereich und die Ergebnisse, die auf eine Wirkung von RF-EMF auf das menschliche Genom, also die Erbsubstanz, hinweisen. Das Projekt lief mit einem Budget von ca. 3,2 Mio. Euro von 2000 bis Mitte 2004 ohne Finanzierung aus der Industrie; siehe Abbildung 1.
Die epidemiologische und tierexperimentelle Forschung ist trotz jahrzehntelanger Bemühungen bis heute nicht in der Lage, die fundamentale Frage zu beantworten, ob EMF ein Risiko für die Gesundheit des Menschen darstellen. Ziel des REFLEX-Projektes war es, herauszufinden, ob die Voraussetzungen für eine solche Annahme auf zellulärer oder molekularer Ebene überhaupt erfüllt sind. Sollten diese Voraussetzungen nicht erfüllt sein, könnte man weitere Bemühungen für den Nachweis potenzieller Schädigungen natürlich einstellen.
Die Voraussetzungen bestehen aus einer relativ kleinen Anzahl kritischer zellulärer Ereignisse, wie Genmutationen, Deregulation der Zellproliferation und des programmierten Zelltodes und als Ursache oder Folge dieser Ereignisse Modifikationen der Gen- oder Proteinexpression. All diese Ereignisse müssen zusammenwirken, wenn es zur Krankheitsentstehung kommen soll.
Unter den angewandten Methoden war der sog. Micronuceus-Test. Eine Zunahme der Mikronuklei in sich teilenden Zellen weist darauf hin, dass entweder das Programm der Zellteilung gestört ist oder, dass von Chromosomen, den Trägern der Gene, abgespaltenes Material als kleiner Extrakern erscheint. Wenn man sich teilende HL60-Zellen einem RF-EMF aussetzt, z.B. bei 1.800 MHz 24 Stunden mit SAR 1,3 W/kg, ergeben sich solche Extrakerne.
Ein weiterer Test ist der sog. „Comet Assay“, dessen alkalische Form den Anstieg von Einzel- und Doppel-DNA-Strangbrüchen anzeigt, wenn die DNA, die Grundsubstanz der Gene, geschädigt wird. Auch dieser Test fiel eindeutig aus.
Ein weiterer Test, der auf Genschädigung hinweist, ist die Chromosomenanalyse. Dieser Test ist nicht ohne weitere Vorkenntnisse zu erklären, sodass wir uns hier damit begnügen, zu zitieren, dass auch dieser Test einen Einfluss von RF-EMF auf die genetische Struktur nachweisen konnte.
Die Expositionskammern, in denen die verschiedenen Zellsysteme EMF ausgesetzt werden, hat Prof. Kuster von der ETH Zürich gebaut und allen REFLEX-Arbeitsgruppen zur Verfügung gestellt. Prof. Kuster ist einer der ganz wenigen international anerkannten Experten in diesem Forschungsbereich und war im REFLEX-Projekt sowohl für die technische Qualitätskontrolle als auch für die Dosimetrie verantwortlich. Die Expositionskammer von Prof. Kuster erlaubte Doppelblinduntersuchungen. Durch ein komplexes Verfahren wurde damit der Einfluss subjektiver Erwartungen des Untersuchers von vorneherein ausgeschaltet. Dies ist leider bei sehr vielen anderen EMF-Projekten nicht so.
Die Berliner REFLEX-Arbeitsgruppe von Prof. Tauber hat zum Nachweis einer Gentoxischen Wirkung von RF-EMF den Micronukleus und den Comet-Assay-Test benutzt. Die Zellen, die RF-EMF ausgesetzt wurden, waren menschliche HL-60 Promyelozyten, also eine Vorstufe von Zellen bei der Blutbildung. Der Einfluss der RF-EMF ist abhängig vom SAR-Wert. Die Mikronuklei steigen bei einem SAR-Wert von ca. 1,3 W/kg dramatisch an. Bei einer weiteren Steigerung verbleiben sie auf einem Plateau. Weiterhin ist der Anstieg abhängig von der Dauer der Exposition. Die Zahl der Mikronuklei steigt von der 6. Bis zur 72. Stunde stark an. Bei einem SAR-Wert von 1,3 W/kg ist der Unterschied der Mikronuklei-Frequenz zwischen scheinexponierten und RF-EMF-exponierten HL-60-Zellen hochsignifikant; siehe Abbildung 2.
weiter mit: Die Abhängigkeit der DNA-Strangbrüche vom SAR-Wert
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:2044694)