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Orientierungswerte für den Verbrauch von TDM- und Hybrid-Anlagen
Der VAF-Report sieht bei den TDM- und Hybrid-Berechnungen eine Siemens HiPath 3500 für das kleine Szenario und eine HiPath 4000 für die beiden größeren Szenarien vor. Als Verbrauchswerte werden 180 Watt bzw. 300 Watt und 450 Watt angegeben.
Nach Angaben von Siemens benötigt ein HiPath 3500 Basissystem ohne Endgeräte rund 40 Watt. Da es sich um ein modulares System handelt, kann der Verbrauch durch zusätzliche optionale Komponenten in der Steuerung auch leicht darüber liegen. Für eine HiPath 4000 ohne Endgeräte gibt Siemens einen Verbrauch von etwa 250 Watt an. Auch hier gilt, dass die Steuerung modular ist, d.h. es kommt entscheidend darauf an, welche zusätzlichen optionalen Komponenten in der Steuerung verbaut werden.
Die Speisung der Endgeräte erfolgt bei beiden Anlagen über so genannte SLMO-Teilnehmer-Baugruppen. Je nach verwendetem TDM-Gerät muss hier zusätzlich mit 1 bis 1,5 Watt pro Teilnehmer gerechnet werden.
Wird 1 Watt pro Endgerät angesetzt, so ergeben sich für die TDM-/Hybridszenarien folgende Werte:
- Kleines Szenario (100 MA): 40 Watt + 100 Watt = 140 Watt
- Mittleres Szenario (500 MA): 250 Watt + 500 Watt = 750 Watt
- Großes Szenario (1000 MA): 250 Watt + 1.000 Watt = 1.250 Watt
Während die Differenz zwischen diesen Berechnungen und dem VAF-Report für das kleine Szenario vernachlässigbar ist, sind die Unterschiede in den anderen beiden Fällen deutlich.
VAF meets VoIP
In Gegensatz hierzu fallen die angegebenen Verbrauchswerte der VoIP-Szenarien sowohl für die zentralen Komponenten als auch für die Endgeräte unrealistisch hoch aus. Für den zentralen VoIP-Server wurde bei allen Szenarien mit 550 Watt gerechnet. Dies ist bei den betrachteten Teilnehmerzahlen deutlich zuviel.
Alle Szenarien könnten z.B. ohne weiteres durch innovaphone-Anlagen bedient werden, die per Power over Ethernet (PoE) gespeist werden können. Das Flagschiff, die IP6000, kann bis zu 2.000 Endgeräte verwalten und benötigt gerade einmal 12 Watt (siehe hierzu auch Abbildung 1).
IP-Telefone werden in der Analyse von Cisco 3560G-24PS und 3560G-48PS Switches per PoE versorgt. Für diese Switches wurde vermutlich die maximale Leistungsaufnahme der Netzteile als Verbrauch zugrunde gelegt. Dies wäre gleichbedeutend mit einer permanenten Aufnahme von 15 Watt pro Endgerät. Selbst aktuell verfügbare Premium-Endgeräte schöpfen diesen Rahmen nicht aus und es gibt wenige Unternehmen in Deutschland, die jedem Angestellten ein „Chef-Telefon“ auf den Schreibtisch stellen.
Im Gegenteil: um eine Vergleichbarkeit zwischen den konventionellen und den VoIP-Szenarien bezüglich der Leistungsfähigkeit der Endgeräte herzustellen muss von entsprechend einfachen Hardphones ausgegangen werden. Ein Verbrauch von rund 3 Watt für Low-End-Hardphones mit zwei-zeiligem Display ist hier großzügig bemessen.
Legt man die genannten Zahlen zugrunde, ergibt sich bereits ein anderes Bild – vom „Klimakiller VoIP“ bleibt keine Spur mehr. Bevor jedoch die Berechnungen des VAF-Reports mit den korrigierten Parametern durchgeführt und mit den ursprünglichen Ergebnissen verglichen werden, soll im zweiten Teil dieses Beitrags noch ein weiterer Mythos des VAF-Reports ausgeräumt werden.
Lesen Sie im zweiten Teil der Beitragsserie „Green VoIP – Mythos und Wirklichkeit“ von Dr. Michael Wallbaum und Dr. Frank Imhoff: „Mythos 2: IP-Telefonie erfordert ein separates Netz“
Über die Autoren

Dr. Frank Imhoff ist bei ComConsult als Technischer Direktor (CTO) für den Bereich neue Kommunikationslösungen verantwortlich. Dazu gehören insbesondere Themen wie Voice over IP, Unified Communications, Kollaborationssysteme und Mobility-Lösungen. Er beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Management von heterogenen Kommunikationslösungen und dem Thema Unified Communications. Imhoff berät Unternehmen bei der Konzeption entsprechender Lösungen und hat bereits zahlreiche Projekte in diesem Bereich erfolgreich geleitet. (Kontakt: imhoff@comconsult.com).

Dr. Michael Wallbaum ist seit Jahren als Senior Consultant im Bereich moderner Kommunikationssysteme tätig. Zudem leitet er das ComConsult-eigene Labor, das über nahezu alle gängigen Enterprise-Kommunikationslösungen verfügt und umfangreiche Möglichkeiten bietet, jede Art von Unified Communications & Collaboration genau unter die Lupe zu nehmen. Zu den Spezialgebieten von Dr. Wallbaum gehören daher auch die Integration unterschiedlicher Kommunikationslösungen und die Entwicklung entsprechender Migrationsszenarien. (Kontakt: wallbaum@comconsult.com).
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