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Auf was man beim Cloud Bursting achten sollte IT-Ressourcen temporär in die Cloud auslagern

Ein Gastbeitrag von Dr. Christoph Dietzel 4 min Lesedauer

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Spitzenlasten abfedern, Budgets schonen und IT-Infrastrukturen einfach erweitern, ohne sie komplett auszulagern: Cloud Bursting stellt Rechen- und Speicherressourcen temporär und flexibel bereit. Egal, ob Latenzzeiten, Interoperabilitätsfragen oder Cloud-Egress-Kosten – was Firmen über Cloud Bursting wissen sollten. Und welche Rolle Netzwerkkapazitäten dabei spielen.

Cloud Bursting ist eine Technik, um IT-Ressourcen durch dynamisches Hinzufügen von Cloud-Ressourcen zu erweitern und damit unerwartete Lastspitzen zu bewältigen.(Bild:  starlineart - stock.adobe.com)
Cloud Bursting ist eine Technik, um IT-Ressourcen durch dynamisches Hinzufügen von Cloud-Ressourcen zu erweitern und damit unerwartete Lastspitzen zu bewältigen.
(Bild: starlineart - stock.adobe.com)

Maximal skalierbar in der Public Cloud oder geschützt, Compliance-konform und privat – Cloud-Betriebsmodelle unterscheiden sich je nach Anforderung und Anwendung. Oft gilt nur als sicher, was in den eigenen Rechenzentren liegt. Und das zumeist auf Servern, die sich jahrelang amortisieren sollen. Derart gewachsene Landschaften sind zudem häufig in hybriden Ansätzen verschmolzen, um veraltetes Equipment um einzelne, innovative Cloud-Funktionen zu ergänzen.

Das Problem: Ob saisonale Nachfrage, Marketingkampagnen oder hohes Auftragsaufkommen, was immer den Bedarf treibt, bringt nicht nur eine derart zerstückelte IT an ihre Grenzen, sondern Geschäftsmodelle ins Stottern.

Die Lösung heißt Cloud Bursting. Damit lassen sich Rechen- und Speicherressourcen dynamisch skalieren und passgenau bereitstellen. Aber wer Spitzenlasten temporär und flexibel in Cloud-Applikationen auslagern möchte, muss einen Faktor berücksichtigen: die Netzwerkanbindung. Denn nur wer Kapazitäten vorausschauend plant, reduziert Latenzzeiten, senkt Cloud-Egress-Kosten und betreibt Systeme interoperabel.

Latenz reduzieren: Systeme passgenau vernetzen

Von Big-Data-Analysen über künstliche Intelligenz bis hin zu Business Intelligence – je nach Anwendung bieten sich unterschiedliche Möglichkeiten für das Cloud Bursting an. Wer beispielsweise plötzlich auftretende Lasten rasch und dynamisch abfedern möchte, der provisioniert Public-Cloud-Ressourcen abhängig von Schwellenwerten automatisch. Anders dann, wenn Online-Händler zum Beispiel Kampagnen und damit mehr Nachfrage einplanen. Manuell lassen sich IT-Systeme entsprechend vorbereiten, dazu Webschnittstellen, Softwarelogik und Datenbanken trennen, um Engpässe zu vermeiden und eben nur geschäftskritische Bausteine auszulagern.

Was die Sache herausfordernd macht: Die Performanz der Anwendungen zu gewährleisten. Was das heißt: Applikationen müssen in der Lage sein, mit geringer Latenz auf Daten zuzugreifen, die im eigenen Serverraum zu verbleiben haben – sei es aus Sicherheits-, Datenschutz- oder Compliance-Gründen.

Latenz als entscheidender Faktor für den Software- und damit Geschäftsbetrieb – genau das haben Firmen noch zu oft nicht richtig im Blick, wenn sie die eigene Cloud-Strategie konzipieren. Ein Problem, das sich überall dort zeigt, wo niedrige Latenzzeiten und hohe Bandbreiten notwendig sind, wie auch beim Cloud Bursting.

Netzkapazitäten ausreichend dimensionieren

Um fremd- und eigengemanagte IT-Landschaften zu verbinden, stellen die Cloud-Provider private Konnektivitätslösungen bereit. Lösungen, die gewissermaßen exklusive Expressrouten zwischen Serverraum und Einzelcloud sind. Routen, die überall dort an Grenzen stoßen, wo sie auf die vielschichtige, gewachsene und zerstückelte IT-Architektur kleinerer, mittlerer und mittelständischer Unternehmen treffen.

Um unterschiedliche Clouds mit Legacy-Equipment zu vernetzen, bieten sich Interconnection-Plattformen und sogenannte Cloud Exchanges an. Diese sind nicht nur dafür ausgelegt, Clouds dediziert zu vernetzen, sondern auch Kapazitäten zu garantieren und Sicherheit zu gewährleisten. Und damit zwischen den Netzwerken selbst keine Engpässe entstehen, sind Hardware und Konnektoren so auszulegen, dass sich die Bandbreite bedarfsgerecht bereitstellen lässt.

Cloud-Egress-Gebühren sparen

Störungen, Stillstände oder technische Probleme – Cloud Burstings sind das Mittel der Wahl, falls lokale Systeme ausfallen sollten. Wer Anwendungen, Workloads und Datenbanken automatisiert auslagert, hält IT und Geschäftsmodell im Falle des Falles betriebsbereit. Funktioniert die Landschaft im eigenen Serverraum wieder, lassen sich Applikationen, Transaktionen und Speicherstände zurück übertragen. Aber wer Daten aus der Cloud entnimmt, muss den sogenannten Cloud Egress bezahlen.

Wer Informationen über die privaten Konnektivitätslösungen der Provider überträgt, spart Cloud-Egress-Kosten. Zumeist rentieren sich die Dienste bereits ab einem Durchsatz von mehr als 25 Mbit/s. Wer Daten dagegen über das öffentliche Internet transportiert, zahlt in der Regel deutlich drauf.

Interoperable Systeme realisieren

Egal ob Providerinteressen, proprietäre Systeme und Software – nicht alle Clouds sprechen die gleiche Sprache. Wer Plattformen unterschiedlicher Anbieter übergreifend orchestrieren möchte, braucht dafür außer Konnektivität zudem Interoperabilität. Das Problem: On-Premises-Systeme, Private und Public Clouds lassen sich nicht ohne Weiteres verbinden. Was die Provider vorschlagen: Anbieter-eigene, proprietäre Private Clouds, die sich zwar mit der Public Cloud verzahnen lassen, aber Unternehmen so in unbequeme Lock-ins treiben.

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Alternativ empfehlen sich sogenannte Cloud Router, die flexibel zwischen den verschiedenen Infrastrukturen vermitteln. Cloud Router lassen sich an der Schnittstelle zwischen eigener IT und Cloud installieren. Entsprechende Lösungen stehen als Hardware bereit. Noch eleganter sind softwarebasierte Routing-Dienste, wie sie einige Cloud Exchanges anbieten. Diese gewährleisten Interoperabilität auf Netzwerkebene, um eigene und öffentliche Infrastruktur nahtlos miteinander zu verschmelzen – zentrale Voraussetzung, nicht nur für erfolgreiche Cloud Burstings.

Fazit

Ob IT-Ausfall oder Weihnachtsgeschäft – Cloud Burstings sind das Mittel der Wahl, um temporäre Lastspitzen abzufangen, eigene IT-Systeme zu entlasten und verfügbar zu halten. Gewusst wie lassen sich hybride und gewachsene Landschaften managen – und das kosteneffizient, interoperabel und latenzarm.


Der Autor Dr. Christoph Dietzel ist Global Head of Products & Research bei DE-CIX.

Bildquelle: DE-CIX

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