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JonDo paart Browser und Proxy
Wie bereits im Beitrag "Zwiebelnetz und Mixe verwirren Spione" skizziert versprechen Mix-Kaskaden noch mehr Sicherheit als einzelne VPN-Anbieter. Die JonDos GmbH bietet mit JonDo einen Proxy-Client an, der Anwender mit entsprechenden Mix-Kaskaden verbindet.
Anders bei OkayFreedom muss der Anwender diesen Proxy für alle Internetanwendungen konfigurieren, die anonym kommunizieren sollen. Den Einstieg erleichtert dabei JonDoFox, ein optimiertes Browser-Profil für die OpenSource-Lösung Firefox. Der nutzt nicht nur den Proxy-Client JonDo; als Option kann der Browser auch auf das Tor-Netzwerk zugreifen oder sich wie ein regulärer, nicht-anonymisierender Webbrowser verhalten.
Über Proxys und Open-Source sichere Internetverbindungen aufbauen
Anonym und sicher surfen mit dem TOR-Browser-Paket
Um ein ein möglichst anonymes Surferlebnis zu gewährleisten versucht JonDoFox Sammler von Metadaten oder Browserprofilen weitestgehend zu behindern. Standardmäßig sind daher verschiedene Funktionen ausgeschaltet, darunter Cookies, JavaScript oder Flash. Damit empfiehlt sich der vorkonfigurierte Browser auch für Anwender von VPN-Diensten, wie dem zuvor genannten OkayFreedom.

JonDo setzt einen informierten Anwender voraus, der sich bewusst für Sicherheit und gegen das letzte Quäntchen Nutzerkomfort entscheidet. Das gilt auch für die Performance des Dienstes. Für unseren Benchmark mit speedtest.de haben wir eine innereuropäische Mix-Kaskade über Niederlande, Schweiz und Frankreich genutzt. Ergebnis: Die Download-Geschwindigkeit sank von 16.859 KByte/s auf 551 KByte/s. Damit war immerhin noch ein zufriedenstellendes Surfen im Web möglich.
JonDo und JonDoFox sind für verschiedene Plattformen verfügbar. Für unseren Test nutzten wir die portablen Versionen für Windows 7. Kostenfrei gibt es bei JonDo lediglich mit Bandbreiten zwischen 30 und 50 kbit/s; schnellere Verbindungen sind entgeltpflichtig: Für zwei GByte monatlich werden im Tarif Flat-M rechnerisch 8,33 Euro fällig. Die komplette Preisliste ist beim Anbieter einzusehen.
Geschlossene Gesellschaft für Aussteiger
Mit dem experimentellen freenetproject.org Freenet surfen Nutzer nicht nur weitgehend anonym, sondern können auch Dokumente ebenso anonym veröffentlichen. Damit sagen Freenet-Teilnehmer dem öffentlichen Web allerdings komplett Lebewohl. Eine zentrale Infrastruktur gibt es nicht. Daten werden verschlüsselt auf die Systeme der am Netz teilnehmenden Nutzer verteilt.
Dokumente werden anhand von Content-hash keys (CHK) verwaltet. Statt auf eine URL greifen Nutzer damit auf kryptische Bezeichner der folgenden Form zu:
“http://localhost:8888/freenet:USK@yGvITGZzrY1vUZK-4AaYLgcjZ7ysRqNTMfdcO8gS-LY,-ab5bJVD3Lp-LXEQqBAhJpMKrKJ19RnNaZMIkusU79s,AQACAAE/toad/46/”Das geschieht über den Browser der wiederum auf einen einen lokal installierten Server (localhost:8888) zugreift.
Im Internet vorhandene Server bleiben für Freenet genau so unsichtbar wie Freenet für die Webserver. Das öffentliche Internet wird lediglich als Transportmedium genutzt.
Die experimentelle Software ist noch nicht fertig und finanziert sich über Spenden. Ganz kostenlos ist das Peer-to-Peer-Netzwerk für Anwender dennoch nicht. Um beim Freenet mitzumachen müssen Nutzer einen Teil ihrer Festplatte zur Verfügung stellen. Die Lösung Software fordert hierfür zwischen 512 MiB und 100 GiB. Zusätzlich sind Anwender angehalten, ihren Rechner möglichst durchgehend online zu betreiben und einen Teil ihrer Bandbreite zur Verfügung zu stellen. Immerhin lässt sich der von Freenet beanspruchte Datenverkehr begrenzen.
Während sich die Leistung von VPNs beziehungsweise Mix-Kaskaden noch halbwegs seriös abschätzen lässt, macht ein Benchmarking beim Freenet wenig Sinn. Die Leistung variiert und nimmt mit zunehmender Aktivität und höherem Vernetzungsgrad des Nutzers zu. Einsteiger haben damit die schlechteste Performance. Das bekamen auch wir bei unseren Tests zu spüren: Bevor Dokumente geladen waren, vergingen Minuten bis Stunden. Bis erste Ergebnisse der experimentellen Suchfunktion eintreffen kann man deutlich mehr als die sprichwörtliche Tasse Kaffee trinken.
Aufgrund der verteilten Struktur besteht zudem keine Garantie, dass Seiten im Freenet jederzeit verfügbar. Durch die begrenzten Speichermöglichkeiten des Netzes ist es zudem möglich, dass wenig gefragte Dokumente einfach verschwinden.
Fazit
Anonymität lässt sich auf vielerlei Weise deuten: Während mancher lediglich seine Geo-IP verschleiern möchte, um hierzulande gesperrte YouTube-Videos zu schauen, will der andere tatsächlich unerkannt im Internet surfen oder publizieren. Jede der exemplarisch dargestellten Lösungen deckt eines dieser Szenarien besonders gut ab.
Je höher der Grad der Vertraulichkeit, desto mehr Einschränkungen müssen Anwender jedoch akzeptieren. Das betrifft insbesondere Konfigurationsaufwand und Performance der genutzten Verbindungen.
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