Offenheit und einfache Handhabung: Software von Big Switch Networks

SDN und mehr von Big Switch

| Autor / Redakteur: Ariane Rüdiger / Ulrike Ostler

Big Switch Networks bietet eine kostengünstige Switching- und Monitoring-Alternative, die sich mit VMware, Containern, OpenStack und diverser x86-Hardware verbindet.
Big Switch Networks bietet eine kostengünstige Switching- und Monitoring-Alternative, die sich mit VMware, Containern, OpenStack und diverser x86-Hardware verbindet. (Bild: © ras99 / stock.adobe.com)

Kennen Sie schon „Big Switch Big Cloud Fabric“? Nein? Das aber könnte rein technisch eine ernsthafte Konkurrenz für Cisco oder Arista sein – allerdings ist der Anbieter zwar innovativ, aber noch recht klein. Doch nun kann er auf neue, wichtige Partnerschaften und erweiterte regionale Aktivitäten verweisen.

Trotz aller Konkurrenz sind viele Rechenzentrumsnetze noch immer fest in Cisco-Hand. Big Switch versucht seit einiger Zeit mit seiner Switching-Plattform Big Cloud Fabric (BCF) ein Konzept umzusetzen, das rein softwarebasierend ist und ohne proprietäre Hardware auskommt.

Gerade wurde die Series D-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die nächsten Ziele sind Profitabilität und gegebenenfalls ein Börsengang. 2016 erwirtschaftete Big Switch Networks 30 Millionen Dollar Umsatz.

Das klingt noch recht überschaubar. Allerdings wendet sich Big Switch mit seinen Produkten vor allem an große Unternehmen und Provider, die beim Netzequipment häufig Investitionszyklen von fünf bis sieben Jahren pflegen. Die Umsätze steigen derzeit jährlich um 150 Prozent.

Im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen einen eigenen Vertriebsbeauftragten – ein erster regionaler Provider sei als Kunde bereits mit Big Switch produktiv, will aber noch anonym bleiben, berichtet Marketing-Chef Gregg Holzrichter. Auch in Großbritannien, Italien und dem Mittleren Osten gibt es nun Mitarbeiter.

Die Zusammensetzung des Produkts

BCF nutzt ein softwaredefiniertes Netzkonzept, das redundant ausgelegte softwarebasierte SDN-Controller auf Standard-Hardware mit einem Spine-and-Leaf-Design des Netzes und entsprechenden Standard-Switches mit Big-Switch-Software in den einzelnen Racks einer Implementierung kombiniert. Das System ist so redundant und resilient ausgelegt, dass selbst der Ausfall sämtlicher Controller die bestehende Implementierung nicht an der Arbeit hindert, sondern nur Veränderungen der Architektur, etwa das Hinzufügen neuer Systeme, verhindert, bis wieder ein Controller läuft.

Weil das Gesamtsystem über eine einzige transparente Steuerungsebene administriert wird, deren zentraler Anknüpfungspunkt die auf den Systemen laufenden Applikationen sind, entlastet es Administratoren von allen Konfigurationsarbeiten an der Hardware.

Applikationen werden per Softwarebefehl über Befehlszeile oder grafische Benutzerschnittstelle die nötigen Ressourcen und Regeln zugewiesen, die dann BCF automatisch in die entsprechenden Systemkonfigurationen umsetzt. Neue Systeme binden Administratoren in die Gesamtlösung ein, indem sie diese ins Rack schieben und einschalten. Dann werden sie vom zentralen Controller selbsttätig erkannt und konfiguriert.

Einfache Administration

Wird eine virtuelle Maschine innerhalb des mit Big Switch vernetzten Rechenzentrums verschoben, stellt die Steuersoftware automatisch alle nötigen Verbindungen und Konfigurationen her und löscht die alten. Gerade die steigende horizontale Mobilität von Daten und Anwendungen macht traditionellen Lösungen Probleme, weil die Rechenzentrumsarchitekturen darauf nicht ausgelegt sind.

Neben einfacherer Administration und gesteigerter Agilität spart BCF vor allem Geld bei der Hardwarebeschaffung, weil die Lösung auf Bare-Metal-Systemen beispielsweise von Edgecore läuft. Zudem erlaubt Big Switch die Implementierung von L2- (Switching) und L3-Funktionen (Routing) auf einem Gerät. Der Hersteller verspricht auf diese Weise um 60 Prozent reduzierte Kapitalinvestitionen und ein Ende des Hardware-Lock-In. Allerdings liegt der Bare-Metal-Anteil am Big-Switch-Umsatz derzeit nur bei zehn Prozent.

Kooperationen mit Dell EMC, HPE und VMware

Weil Unternehmen Bare Metal häufig misstrauen, unterhält das Unternehmen seit zweieinhalb Jahren hinsichtlich der Switches auch eine Kooperation mit Dell/EMC. Unterstützt werden Ethernet-Netzwerkgeschwindigkeiten ab 10 Gigabit/s aufwärts. Demnächst wird nun eine weitere große Kooperation aktiv: HPE verkauft ab August Big-Switch-Software auf seinen „Altoline“-Switches fürs Rechenzentrum. Damit unterhält Bigswitch Kooperationen mit zwei wichtigen Netzwerk-Hardwarelieferanten für Unternehmen.

Softwareseitig ist Big-Switch konsequent offen: Es werden alle wichtigen Hypervisorformate, aber auch Openstack und diverse Containeransätze unterstützt.

Zudem soll die ohnehin enge Kooperation mit VMware weiter intensiviert werden, insbesondere mit dem Geschäftsbereich „NSX“, der bisher bei VMware nicht gerade ein Marktrenner war. „Big-Switch ist das ideale Underlay für NSX“, meint Holzrichter. Deshalb wurde der Newcomer von VMware ins Integrationsprogramm VTEP (Virtual Tunnel End Point) eingeladen. Zur Erklärung: Um die virtuellen Datenströme im überlagerten virtuellen Netzwerk auf dem physischen Netzwerk abzubilden, werden sie bei Bestehen einer VTEP-Integration durchs virtuelle Netz getunnelt.

Damit ließen sich automatisierte Netzwerkservices auch im hyperkonvergenten vSAN-Stack zur Verfügung stellen. „Dann könnte man in solchen Umgebungen einen Multicast mit nur einem Klick erledigen“, sagt Holzrichter. Das würde die Konfiguration erheblich vereinfachen und die Lösung als direkte Konkurrenz zu Nutanix und HPE Simplivity positionieren.

Was nun nicht heißt, dass Big-Switch Hyperkonvergenz-Anbieter ausschließlich als Wettbewerb betrachtet. „Wir haben bereits Nutanix-Systeme im Labor und denken über Integrationsmöglichkeiten nach“, sagt Holzrichter. Bei HPE allerdings arbeite man derzeit vor allem mit dem Vertrieb von HPE/VMware-Lösungen zusammen. „HPE/Simplivity kommt vielleicht später“, meint Holzrichter.

Network Functions Virtualization

Auch der neuen VMware-Geschäftseinheit NFV (Network Functions Virtualization), die besonders Provider ansprechen soll, soll eine Bigswitch-Kooperation zu mehr Geschäft verhelfen. „Wir sind hier unter anderem wegen unserer Erfahrungen im Provider-Geschäft interessant“, sagt Holzrichter.

So habe sich Horizon bei seiner neuen NFV-Architektur trotz vieler Wettbewerber für Big Cloud Fabric auf Dell mit Red Hat OpenStack entschieden. 200 Racks in sechs regionalen amerikanischen Rechenzentren wurden so ausgerüstet. Derzeit erarbeiten VMware und Big-Switch eine Referenzarchitektur und einen Deployment Guide für NFV von VMware zusammen mit Big-Switch-Software.

An containerbasierten Lösungen auf Bigswitch-Basis sei, so Holzrichter, unter anderem „ein Elektrofahrzeug-Hersteller mit Zentrale in Kalifornien“ interessiert. Allerdings befinde sich die Vernetzung containerbasierter Infrastrukturen noch in einem sehr frühen Stadium.

Monitoring öffnet Kundentüren

Rund die Hälfte des Big-Switch-Umsatzes generiert das Monitoring-Produkt des Unternehmens. Auch hier nutzt Big-Switch im Gegensatz zu Konkurrenten wie Gigamon, Ixia oder Netscout Bare-Metal-Standardhardware, was die Bigswitch-Lösung laut Holzrichter um rund die Hälfte billiger mache.

Außerdem beschleunigt Big Switch Networks leistungshemmende Sicherheitsprüfungen, indem zu prüfende Pakete gezielt nur an diejenigen Tools geleitet werden, die sie tatsächlich durchlaufen müssen, um die Sicherheit zu garantieren. In vielen Installationen müssen alle Pakete unterschiedslos alle Sicherheitsapplikationen nacheinander durchlaufen, ob dies im Einzelfall nun sinnvoll ist oder nicht.

Die neueste Funktion des Monitoring-Produktes besteht darin, zusätzliche Sicherheitsdienste, beispielsweise für die Abwehr neuer Internet-Bedrohungen, über offene Schnittstellen bei Bedarf und ad hoc direkt in der demilitarisierten Zone von durch Big-Switch-Software überwachten Netzen zu implementieren.

Oft genug wirke das Monitoring-Produkt als Türöffner. „Monitoring-Investitionen sind weniger langfristig und oft von den Fachabteilungen gesteuert. Wenn wir hier überzeugen, vertraut man uns häufig auch die gesamte RZ-Vernetzung an“, sagt Holzrichter.

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