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Energiebedarf von Rechenzentren als Klimarisiko und Kostenfaktor Zombie-Server: Der übersehene Energiefresser

Ein Gastbeitrag von Alois Reitbauer 3 min Lesedauer

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Während die Klimadebatte aktuell vordergründig auf KI konzentriert ist, verschwenden ungenutzte Server und kurze Hardwarezyklen im Verborgenen enorme Mengen Energie. Mit Observability lassen sich diese Ineffizienzen erstmals systematisch aufdecken und reduzieren.

Alois Reitbauer von Dynatrace erläutert in seinem Beitrag den Einfluss von Servern auf die Energie- und CO₂-Bilanz von Unternehmen und Rechenzentren.(Bild:  Dynatrace / Thomsen-Photography Ines Thomsen)
Alois Reitbauer von Dynatrace erläutert in seinem Beitrag den Einfluss von Servern auf die Energie- und CO₂-Bilanz von Unternehmen und Rechenzentren.
(Bild: Dynatrace / Thomsen-Photography Ines Thomsen)

Die Debatte um Nachhaltigkeit in der IT wird derzeit stark von KI dominiert. Doch während die hohen Rechenanforderungen großer Modelle im Rampenlicht stehen, bleibt ein viel gravierenderes Problem im Hintergrund: ungenutzte oder kaum ausgelastete Server. Diese so genannten „Zombie-Server“ laufen scheinbar regulär, erfüllen jedoch keine produktive Aufgabe. Laut eines Berichts des Lawrence Berkeley National Laboratory aus dem Jahr 2024 verbrauchen Server selbst im Leerlauf zwischen 27 und 36 Prozent ihrer maximalen Leistung – ohne dabei nützliche Arbeit zu leisten. Für Betreiber von Rechenzentren bedeutet dies: Ein beträchtlicher Teil der Infrastruktur ist nichts anderes als eine kontinuierliche Quelle verschwendeter Energie.

Unsichtbare Verschwendung im Rechenzentrum

Die Folgen sind weitreichend. Unterauslastung führt nicht nur zu unnötigem Energieverbrauch, sondern auch zu überflüssiger Hardwareproduktion. Denn jeder Server ohne klaren Zweck hätte im Grunde gar nicht produziert werden müssen. Und Studien zeigen, dass ein erheblicher Anteil der weltweit installierten Rechenkapazität kaum genutzt wird.

Für Unternehmen bedeutet das: Sie zahlen nicht nur für Strom und Kühlung, sondern auch für Wartung, Lizenzen und Betriebskosten von Systemen, die keinen Mehrwert liefern. Gleichzeitig erhöht sich der ökologische Fußabdruck erheblich, da der Lebenszyklus dieser Hardware Ressourcen bindet und CO₂-Emissionen verursacht.

Embodied Emissions: Das CO₂ vor der Inbetriebnahme

Ein oft übersehener Aspekt sind die so genannten „embodied emissions“. Dabei handelt es sich um die Emissionen, die bei Herstellung, Transport und Entsorgung von Hardware entstehen. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass diese Emissionen mehr als die Hälfte der gesamten Klimabilanz eines Servers ausmachen können.

Mit anderen Worten: selbst wenn Systeme im Betrieb effizient arbeiten, ist der größte Teil des ökologischen Schadens bereits angerichtet, bevor ein Server überhaupt produktiv genutzt wird. Kurze Erneuerungszyklen, unnötige Upgrades und eine mangelhafte Wiederverwendung verschärfen das Problem zusätzlich.

Observability als Schlüsselfaktor

Die wirksamsten Hebel liegen daher nicht in noch effizienteren Chips oder Rechenzentren, sondern im längeren Betrieb vorhandener Systeme. Ein Server, der fünf statt drei Jahre genutzt wird, verursacht deutlich weniger Gesamtemissionen. Ebenso entscheidend sind Wiederverwendung und sachgerechtes Recycling. Für IT-Entscheider bedeutet das: Investitionen in Transparenz und Steuerung sind wirksamer als ständige Investitionen in neue Hardware. Wer vorhandene Systeme konsequent auslastet, spart sowohl Kosten als auch Emissionen.

Doch wie lassen sich diese Ineffizienzen in komplexen Infrastrukturen aufdecken? Hier kommt Observability ins Spiel. Moderne Observability-Plattformen liefern Echtzeit-Einblicke in Performance, Ressourcenauslastung und Energieverbrauch. Teams können damit identifizieren, welche Systeme produktiv genutzt werden – und welche als Zombie-Server Energie verschwenden. Auf dieser Basis lassen sich Workloads dynamisch verteilen, überflüssige Systeme stilllegen und vorhandene Hardware besser auslasten.

Praktischer Nutzen für Unternehmen

Der praktische Nutzen für Unternehmen ist deutlich spürbar. Wer Zombie-Server konsequent stilllegt und die Auslastung seiner Systeme optimiert, kann Betriebskosten erheblich senken, da unnötiger Stromverbrauch und zusätzliche Aufwände im laufenden Betrieb entfallen. Gleichzeitig verlängert sich die Lebensdauer der bestehenden Hardware, weil sie gezielt und effizient genutzt wird, anstatt durch Überkapazitäten vorzeitig ersetzt werden zu müssen.

Auch die Emissionsbilanz verbessert sich: Weniger Neuanschaffungen bedeuten geringere CO₂-Lasten aus Produktion und Entsorgung, während Recycling-freundliche Prozesse den ökologischen Fußabdruck zusätzlich reduzieren. Darüber hinaus erhöht sich die Resilienz der gesamten Infrastruktur. Denn wer Transparenz über Engpässe und Ineffizienzen besitzt, kann Probleme frühzeitig erkennen und beheben, bevor sie zu kritischen Ausfällen oder unnötigen Kosten führen.

Nachhaltigkeit ist System-Engineering

Die Klimabelastung durch KI ist real, doch die größere Herausforderung liegt in der strukturellen Ineffizienz von Rechenzentren. Zombie-Server und kurze Hardwarezyklen sind die eigentlichen Klimakiller im Serverraum. Observability macht Nachhaltigkeit von einem abstrakten Ziel zu einer konkreten operativen Aufgabe. Wer Transparenz über seine Infrastruktur hat, kann fundierte Entscheidungen treffen, Ressourcen besser nutzen und Emissionen dauerhaft senken. Damit wird Nachhaltigkeit zu einem Thema des System-Engineerings – und zu einer Chance, ökologische Verantwortung und ökonomische Effizienz in Einklang zu bringen.

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Über den Autor

Alois Reitbauer ist Chief Technology Strategist bei Dynatrace, wo er für Open Source und Forschung in den Bereichen Cloud-native Technologien, Sicherheit und Large-Scale Data Management verantwortlich ist.

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