Im Rahmen der DMA-Gesetzgebung der EU war es eigentlich angedacht, dass verschiedene Messenger-Dienste sich für Drittanbieter öffnen müssen. Bisher ist nichts passiert. Die Frage ist: Wird die Interoperabilität noch kommen – und was bringt sie überhaupt?
Viele User wünschen sich eine Interoperabilität zwischen den wichtigen Messenger-Diensten. Doch wie realistisch sind die diesbezüglichen Bestrebungen der IETF wirklich?
Messenger-Dienste gibt es wie Sand am Meer. Und so praktisch sie im Alltag sind, so lästig können sie für einzelne Nutzer werden, die viele Kontakte pflegen. Denn für jedes proprietäre Protokoll ist eine eigene App nötig: Für die Arbeit Slack, für die Familie WhatsApp, für den Freundeskreis Signal, für Social Media Facebook- und Instagram-Messenger, für die Computergruppe Threema und so weiter.
Das ist unübersichtlich. Und je mehr Messenger-Apps installiert sind, desto höher ist die Chance, dass irgendwo eine Sicherheitslücke auftritt. Und so wünschen sich viele User einen anbieterübergreifenden Standard ähnlich SMS oder E-Mail, der alle Messenger in einer App vereinen kann.
MIMI – der Standard für Messenger-Operabilität
Auftritt „More Instant Messaging Interoperability“, kurz MIMI, ein in Arbeit befindlicher Standard für die Interoperabilität von Messenger-Diensten, der derzeit von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt wird. Nach Willen der Macher soll MIMI dafür sorgen, dass verschiedene Messenger-Protokolle untereinander kommunizieren können, ohne dass Anwender dabei auf wichtige Funktionen oder Sicherheitsfeatures wie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – hierzu verwendet MIMI Messaging Layer Security (MLS) – verzichten zu müssen. MIMI ist jedoch kein neues Messenger-Protokoll, sondern ein Protokoll, das es Anbietern erleichtern soll, ihre Dienste interoperabel zu gestalten.
Aufwind bekam die Idee mit dem Digital Markets Act (DMA) der EU, der im März dieses Jahres in Kraft trat. Branchenbeobachter sahen schon das Ende der babylonischen Messenger-Vielfalt gekommen: Die EU verdonnerte den Meta-Konzern als so genannten Gatekeeper – einem Anbieter mit marktbeherrschender Position – dazu, seine Messenger WhatsApp, Facebook-Messenger und Instagram-Messenger für Dritte zu öffnen. MIMI mit MLS könnte hier eine gute Möglichkeit darstellen, diese Öffnungspflicht umzusetzen. Leider ist MIMI bis heute nicht fertig definiert: Die verschiedenen Standardisierungsschritte dauern mindestens noch bis Ende 2025.
Alternative RCS ist längt etabliert
Dummerweise gibt es zudem mehrere Probleme: Der DMA sieht nicht vor, wie die Anbieter sich genau zu öffnen haben. Betroffen ist derzeit ohnehin nur der Meta-Konzern, der sich gegen diese Öffnung sträubt. Und es gibt mit RCS einen weiteren Standard, der längst fertig ist – und das Messenger-Chaos auf seine Weise beenden könnte: RCS steht für Rich Communication Services und ist der designierte Nachfolgestandard für SMS und MMS. Es gibt hier alles, was Anwender an WhatsApp und Co. schätzen: Text- und Sprachnachrichten, Gruppenchats, Versand und Lesestatus sowie den Austausch von Fotos und Videos – und das alles kostenlos über Datenverbindungen. Dank SMS/MMS-Fallback ist RCS de facto mit allen Mobilgeräten kompatibel. RCS funktioniert zudem derzeit schon auf allen aktuellen Android-Smartphones, Apple wird den Standard mit iOS 18 unterstützen; bei den Netzbetreibern wird RCS seit Jahren angeboten.
Dadurch wird RCS zwischen allen Smartphones funktionieren, ohne weiteren Dienst, ohne weitere App. Der Grund für den Erfolg von WhatsApp – und in Folge anderer Dienste dieser Art – war, dass ein Standard wie RCS für das Smartphone-Zeitalter fehlte: SMS und MMS waren nicht mehr zeitgemäß, WhatsApp schloss die Lücke. Umgekehrt könnte RCS dafür sorgen, dass Messenger an Bedeutung verlieren. Zwar hat der RCS-Standard gewisse Mängel wie eine fehlende Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Diese kann aber gegebenenfalls von Anbietern nachgerüstet werden. Das ist etwa beim Google Messenger, der RCS bereits nutzt, der Fall. Ein weiterer Nachteil ist, dass RCS ähnlich SMS und WhatsApp an ein Smartphone gebunden ist: RCS benötigt also eine Rufnummer, und die haben zum Beispiel Windows- und Mac-Rechner nicht. Hier ist eine Lösung wie bei Apples Nachrichten für Mac oder WhatsApp Desktop denkbar, doch das Smartphone muss im Netzwerk (oder per Cloud) vorhanden sein.
Anbieter sind skeptisch
Doch zurück zu MIMI: Derzeit herrscht auf Anbieterseite vor allem Skepsis vor. Interessanterweise sträuben sich aber nicht nur die marktbeherrschenden „Datenkraken“ gegen MIMI und Interoperabilitätsvorschriften: Gerade kleinere, auf hohe Datenschutz- und Sicherheitsstandards bedachte Messenger wie Threema und Signal meldeten sich Anfang des Jahres zu Wort – und zeigten sich skeptisch: Eine Interoperabilität mit WhatsApp sei problematisch, da der Dienst Threemas hohe Datenschutz-Standards unterlaufe. Sprich: Selbst, wenn Meta seine Messenger öffnet, heißt das nicht, dass andere Anbieter ihrerseits Interoperabilität herstellen werden.
Stand: 08.12.2025
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Da MIMI ein IETF-Standard wird, stehen die Chancen zwar gut, dass einige Anbieter die Technik übernehmen, um Interoperabilität herzustellen. Der Verbleib auf technologischen Inseln hat für die Anbieter jedoch erhebliche Vorteile. So können sie in ihren Diensten eigene Standards etablieren, die Nutzer an die Plattform binden oder sie sogar zwingen, diese zu nutzen. Im Hinblick auf im Messenger integrierte Geldgeschäfte wie WhatsApp Pay oder Apple Pay via Apple Nachrichten wird deutlich, dass die Interoperabilität spätestens hier ihre Grenzen hat: Hier müsste erneut ein Standard für Geld-Transaktionen per Messenger etabliert werden. Das allerdings dürfte kaum im Interesse der Anbieter liegen, die bei jeder Transaktion mitverdienen und – wie im Fall von Apple – sogar durch solche Standards Hardware verkaufen können.
Wird MIMI kommen?
Sicher ist: MIMI wird als Standard kommen. Ob es auch genutzt wird, ist die andere Frage. Immerhin könnte es als Minimalstandard für die Interoperabilität von Messengern im Business-Kontext eine Chance haben. Ausreichend Druck durch die Regierungen der EU und den USA vorausgesetzt könnte es mittelfristig auch als Basis für den Austausch von Text- und Bildnachrichten zwischen verschiedenen Messengern etabliert werden.
Für diesen Part steht allerdings längst RCS bereit, das als eben solcher Standard schon längst aktiv genutzt wird. Seitens der Messenger-Anbieter besteht wenig Interesse, erzwungene Öffnungen auch aufzugreifen, wie das Beispiel Threema zeigt. Zudem steht hinter den Messengern auch immer ein wirtschaftliches Interesse eines Unternehmens, wodurch es mit der Zeit zu zahlreichen Messenger-spezifischen Sonderfunktionen gekommen ist. Diese werden durch den MIMI-Standard nicht abgedeckt: Wer das volle Messenger-Erlebnis haben möchte, muss also wahrscheinlich auch künftig all die verschiedenen Apps der Anbieter installieren.