Rich Communication Services etablieren sich als SMS-Nachfolger und ermöglichen interaktive Unternehmenskommunikation ohne App-Installation – eine Chance für IT-Entscheider.
RCS bringt moderne, interaktive Business-Kommunikation direkt in die native Nachrichten-App – ganz ohne zusätzliche Installation.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
Die klassische SMS feiert ein unerwartetes Comeback, allerdings in völlig neuer technischer Gestalt. Rich Communication Services (RCS) positioniert sich als direkter Nachfolger der 30 Jahre alten SMS-Technologie und verspricht dabei etwas, woran viele Messaging-Plattformen gescheitert sind: universelle Verfügbarkeit ohne zusätzliche App-Installation. Michael Graf von Taktsoft erklärt, wie Unternehmen aus Nostalgie neue Chancen schöpfen.
Das Problem der fragmentierten Kommunikationslandschaft
Unternehmen stehen heute vor einem Dilemma: Während E-Mails zunehmend in Spam-Filtern landen und klassische SMS-Nachrichten durch ihre technischen Limitierungen kaum noch zeitgemäß erscheinen, haben sich Messaging-Dienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal als isolierte Insellösungen etabliert. Diese erfordern jedoch separate App-Installationen und führen zu einer fragmentierten Kommunikationslandschaft, die besonders bei älteren Zielgruppen oder in B2B-Kontexten problematisch ist.
Die Herausforderung liegt in der Reizüberflutung: Nutzerinnen und Nutzer werden täglich mit Hunderten von Nachrichten über verschiedene Kanäle bombardiert, wodurch wichtige Unternehmensinformationen untergehen. Gleichzeitig fehlt vielen Organisationen das technische Know-how, moderne Kommunikationswege effektiv zu implementieren und zu nutzen. Und das muss auch nicht sein: gerade die simplen Wege bergen unentdecktes Potential.
RCS als Teil der Mobilfunk-Standards
RCS basiert auf dem GSMA Universal Profile und ist technisch gesehen eine Weiterentwicklung der bestehenden Mobilfunk-Infrastruktur. Anders als proprietäre Messaging-Dienste nutzt RCS die vorhandene SMS-Infrastruktur als Fallback-Mechanismus. Dies bedeutet: Wenn der Empfangende kein RCS-fähiges Gerät besitzt oder der Service temporär nicht verfügbar ist, wird die Nachricht automatisch als klassische SMS zugestellt.
Die Technologie implementiert dabei moderne Kommunikationsfeatures direkt in die native Nachrichten-App des Smartphones. Nutzerinnen und Nutzer müssen keine zusätzliche Software installieren oder sich bei neuen Diensten registrieren – RCS funktioniert "out of the box" mit der bereits vorhandenen Messaging-Infrastruktur.
Ein entscheidender Sicherheitsvorteil: RCS unterstützt End-to-End-Verschlüsselung und bietet durch die Verifizierung aller Services bei den Mobilfunkanbietern eine höhere Seriosität als klassische SMS, die beliebig über verschiedene Mobilfunknummern versendet werden können. Um die Technologie sicher und rechtskonform zu nutzen, sind lediglich einige grundsätzliche Anforderungen zu erfüllen.
Technische Implementierung und Infrastruktur-Anforderungen
Für die erfolgreiche RCS-Implementation benötigen Unternehmen eine RCS Business-Messaging-Plattform (RBM). Diese übernimmt die Verifizierung bei den Mobilfunkanbietern und stellt die notwendigen Tools für Erstellung und Versand von RCS-Nachrichten bereit.
Die technischen Voraussetzungen gliedern sich in zwei Bereiche:
Client-seitig: Der Empfänger benötigt ein RCS-fähiges Gerät und einen Provider, der RCS unterstützt. Mit iOS 26 und dem geplanten umfassenderen Support in späteren Updates wird die Kompatibilität deutlich verbessert.
Server-seitig: Unternehmen müssen eine RBM-Plattform implementieren, die folgende Funktionalitäten bereitstellt:
Versand und Routing der Nachrichten
API-Integration in bestehende Systeme
Brand Verification bei Mobilfunkanbietern
Rich Cards, Buttons und Karussells für interaktive Inhalte
DSGVO-konforme Datenverarbeitung mit europäischen Servern
Umfassendes Analytics und Reporting
Durch die verpflichtende Brand Verification bei Mobilfunkanbietern sind Absender eindeutig erkennbar – ein entscheidender Sicherheitsfaktor im Vergleich zur klassischen SMS. Direkt nach der Implementierung lassen sich einige starke Use Cases abbilden, die die Technologie von anderen, vermeintlich moderneren Kommunikationskanälen abheben.
RCS in der Praxis
RCS ermöglicht eine Vielzahl interaktiver Kommunikationsszenarien, die weit über die Möglichkeiten klassischer SMS hinausgehen:
Authentifizierung und Verifizierung: Double-Opt-In-Prozesse lassen sich durch interaktive Buttons direkt in der Nachricht abwickeln, ohne dass User externe Links aufrufen müssen.
Datenerfassung: Statt komplizierter Web-Formulare können User beispielsweise Zählerstände direkt per Foto-Upload in der RCS-Nachricht übermitteln.
Produktkommunikation: Durch Produktkarussells können Kunden direkt in der Nachricht zwischen verschiedenen Tarifen oder Services wählen und nahtlos in Bestellprozesse überführt werden.
Service-Kommunikation: Terminabstimmungen, Statusupdates oder Störungsmeldungen lassen sich durch strukturierte Nachrichten mit vordefinierten Antwortmöglichkeiten effizienter abwickeln.
Sind Grundvoraussetzungen und geplante Anwendungsfelder erst einmal geklärt, sollte das Ganze strategisch sinnvoll implementiert werden. Hierfür hat sich besonders ein Ansatz als Best Practice herauskristallisiert.
Strategische Implementierung: Der Pilot-Ansatz
Die Einführung von RCS sollte strategisch über einen Pilot-Ansatz erfolgen. Dabei wird zunächst ein spezifischer Use Case implementiert, um Erfahrungen bezüglich Akzeptanz, Reichweite und technischer Umsetzung zu sammeln.
Stand: 08.12.2025
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Phase 1: Auswahl eines einfachen Use Cases (z.B. Authentifizierung)
Phase 2: Verifizierung bei allen relevanten Mobilfunkanbietern
Phase 3: Konfiguration von RCS und Fallback-SMS
Phase 4: Messung und Optimierung der Nutzerinteraktion
Phase 5: Skalierung auf komplexere, dialogorientierte Nachrichten
Dieser iterative Ansatz ermöglicht es, technische und organisatorische Herausforderungen schrittweise zu lösen und gleichzeitig das ROI der Implementierung zu validieren. Letztlich sollten noch Datenschutzaspekte abgeklärt werden, damit neben der technischen auch eine wasserdichte rechtliche Basis geschaffen wird.
DSGVO-Compliance und Datenschutz-Aspekte
RCS unterliegt als digitale Kommunikationsform den DSGVO-Bestimmungen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass eine explizite Einwilligung der Nutzerinnen und Nutzer vorliegt und jede RCS-Nachricht eine einfache Opt-Out-Möglichkeit bietet.
Die End-to-End-Verschlüsselung von RCS erleichtert dabei die DSGVO-konforme Kommunikation erheblich, da sensible Daten während der Übertragung geschützt sind. Zusätzlich sollten Unternehmen auf europäische Server-Infrastrukturen setzen, um Datenschutz-Compliance zu gewährleisten.
Achtung: Da End-to-End-Verschlüsselung im Business-Messaging nicht standardmäßig aktiv ist, empfiehlt sich eine zusätzliche Verschlüsselung auf Anwendungsebene. In Kombination mit europäischen Server-Infrastrukturen und granularen Opt-in/Opt-out-Prozessen entsteht eine rechtskonforme Grundlage.
Fazit: RCS als strategische Kommunikationsplattform
RCS bietet Unternehmen die Möglichkeit, moderne, interaktive Kommunikation ohne die Nachteile fragmentierter Messaging-Landschaften zu implementieren. Die Technologie kombiniert die universelle Verfügbarkeit der SMS mit den Funktionalitäten moderner Messaging-Apps.
Für IT-Entscheider stellt RCS eine strategische Chance dar, Kundenkommunikation zu modernisieren und gleichzeitig die technische Komplexität zu reduzieren. Der Schlüssel liegt in einer durchdachten, schrittweisen Implementierung, die sowohl technische als auch organisatorische Aspekte berücksichtigt.
Michael Graf.
(Bild: Taktsoft)
Über den Autor
Michael Graf ist Digital-Produktmanager und Business Owner für Taktsoft Energy, die Marke für die Energiewirtschaft der Taktsoft GmbH. Vor 17 Jahren entwickelte er seine ersten digitalen Produkte mit Kundenkontakt. Gestützt auf sein Studium der Wirtschaftsinformatik sowie die Spezialisierung im Masterstudium General Management auf E-Commerce, begeistert es ihn, digitale Lösungen rund um die Kunden-Touchpoints zu gestalten.