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Integrierte Smartservices fürs WLAN Wi-Fi 6 – neue Service-Optionen für Kommunikations­dienstleister

Von Gregor Stegen

Der noch junge Standard Wi-Fi 6 verspricht vieles. Dank höherer Bandbreite, die beispielsweise Videoübertragungen von 8K problemlos ermöglicht, ist er eine deutliche Verbesserung gegenüber seinem Vorgänger. Im Vergleich zu Wi-Fi 5 ist Wi-Fi 6 mehr als doppelt so schnell und unterstützt gleichzeitig doppelt so viele Geräte. Weitere Verbesserungen betreffen die Sicherheit, die Energieeffizienz und die Akkulaufzeit der Endgeräte. Eine Chance auch für Kommunikationsdienstleister.

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Gregor Stegen ist Director Business Development Europe bei Plume und erläutert, welchen Mehrwert Wi-Fi 6 für Anbieter von Kommunikationsdiensten darstellt.
Gregor Stegen ist Director Business Development Europe bei Plume und erläutert, welchen Mehrwert Wi-Fi 6 für Anbieter von Kommunikationsdiensten darstellt.
(Bild: Gregor Stegen)

Welche Bedeutung der 2020 eingeführte Standard Wi-Fi 6 (802.11ax) für den Markt hat, wird aus einigen Zahlen deutlich. So geht der Annual Internet Report von Cisco davon aus, dass die Zahl der vernetzten Geräte von rund 18 Milliarden im Jahr 2018 auf etwa 29 Milliarden im Jahr 2023 steigen wird. Damit einher geht auch eine massive Zunahme der öffentlichen, Wi-Fi-6-basierten Hotspots – von circa 5 Millionen auf rund 70 Millionen zwischen 2020 und 2023.

Wie es bei vielen neuen Standards der Fall ist, ist auch Wi-Fi 6 rückwärtskompatibel. Um allerdings das volle Potenzial auszunutzen, werden Geräte der neuesten Generation benötigt. Bei den allermeisten Produkten (Router, Extender und Endgeräte), die seit diesem Jahr auf den Markt gekommen sind, gehört Wi-Fi 6 jedoch mittlerweile zum normalen Lieferumfang. Und durch die Kombination des neuen Standards mit einigen Tools kann nicht nur das volle Potenzial von Wi-Fi 6 in Bezug auf eine schnellere Datenübertragung abgerufen werden, sondern sie ermöglicht darüber hinaus ganz neue Services auf Basis des WLANs im modernen Smarthome.

Wi-Fi 6 intelligent verwalten

Das drahtlose Netzwerk ist zu Hause mittlerweile zu einer der tragenden Säulen des täglichen Lebens geworden. Es wird für die tägliche Unterhaltung sowie das soziale Leben genutzt und ist essenziell für die effektive Arbeit im Homeoffice. Grundlegend für ein optimales WLAN-Erlebnis sind daher integrierte Smartservices. Diese sind jedoch nicht nur für Smarthome-Besitzer interessant – auch Anbieter von Kommunikationsdiensten (CSPs) können profitieren. So erlauben Smartservices diesen CSPs insbesondere die Servicequalität (Quality of Experience) und somit die Kundenzufriedenheit zu verbessern.

Allerdings ist es ein Irrglaube, dass Wi-Fi 6 auch einen geringeren Verwaltungsaufwand bedeutet – im Gegenteil. Tatsächlich erfordert Wi-Fi 6 eine intelligentere Verwaltung und Optimierung als frühere Generationen des WLAN-Standards. Smartservices bieten hier jedoch eine sinnvolle Unterstützung an. Mit ihrer Hilfe lässt sich aus einfachen WLAN-Netzwerken ein innovativer Managementansatz mit zentraler Steuerung schaffen.

Wichtig ist dabei, dass die Steuerzentrale idealerweise in der Cloud angesiedelt ist. Nur so können Unternehmen die kombinierte Leistung von Cloud und künstlicher Intelligenz nutzen. Konkret bedeutet dies, dass KI-gesteuerte Lösungen eine optimale Nutzung von Wi-Fi 6 in den Heimnetzwerken ermöglichen, während die Cloud die dafür erforderlichen Speicherkapazitäten und Rechenleistung bietet.

Anwendungsmöglichkeiten für Zuhause

Dies spielt deshalb eine wichtige Rolle, weil immer mehr vernetzte Geräte in den Haushalten zum Einsatz kommen und somit immer größere Datenmengen erzeugen, die gespeichert und analysiert werden müssen. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass in jedem dieser Geräte auch eine potenzielle Gefahrenquelle steckt, beispielsweise durch Malwareattacken von außen.

Erschwerend kommt hinzu, dass Geräte, die man oft nicht unmittelbar mit Cyberattacken in Verbindung bringt, gar nicht oder nur mit schlechten Passwörtern gesichert sind oder mit ungepatchter Software arbeiten. Solche Systeme sind beispielsweise intelligente Stromzähler, die die Energieversorger gegenwärtig in vielen Häusern oder Haushalten in Deutschland installieren lassen. Diese könnten sich unter den genannten Umständen dann als eine potenzielle Schwachstelle für Hackerangriffe erweisen.

Zwar kann man versuchen einzelne Geräte im Netzwerk manuell zu überprüfen und zu schützen, für die Überwachung des gesamten IP-Verkehrs im Heimnetzwerk sollten jedoch zusätzliche Lösungen genutzt werden. Die richtigen Tools, beispielsweise HomePass von Plume, können etwa automatisch den jeweiligen Status der am Netzwerk angeschlossenen Geräte feststellen und jeden Verbindungsversuch zum hauseigenen Netzwerk prüfen. Stuft das Tool diese Verbindung als riskant ein, wird der Datenfluss blockiert, und der Anwender erhält eine entsprechende Information. Auch auftretende Anomalien in Bezug auf mit dem Netzwerk verbundener Geräte werden erkannt und notfalls gesperrt, damit der Internet-Zugang aller anderen Geräte bestehen bleibt.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, entsprechend Nutzerprofile und Gastzugänge anzulegen und zu verwalten. So können die Geräte von Familienmitgliedern von den temporären Geräten von Besuchern unterschieden werden. Diese Unterscheidung der Geräte bietet zudem weitere Möglichkeiten der individuellen Rechteverwaltung: Geräte der Kinder, die an das Netzwerk angeschlossen sind, können beispielsweise zeitliche Beschränkungen umfassen, um den digitalen Konsum im Überblick zu behalten und zu regeln. Gäste erhalten ein temporäres Passwort zum Netzwerk, dass nach einer definierbaren Zeit wieder verfällt.

Außerdem ist es sogar möglich, das WLAN als Sicherheitsvorkehrung zu nutzen. So können Bewegungen innerhalb des Heimnetzwerks aufgezeichnet werden. Verschafft sich beispielsweise ein Einbrecher Zutritt ins Haus, dann wird der Hausbesitzer diskret per App informiert – ohne die Nutzung von Kameras oder anderweitigem Equipment.

Anwendungsmöglichkeiten für Unternehmen

Der neue Standard bedeutet jedoch nicht nur eine Verbesserung für das eigene Zuhause, die deutlich verbesserte Performance ist auch für Unternehmen interessant. Eine Option ist dabei, das WLAN dafür zu nutzen, die Kundenzufriedenheit und damit die Kundenbindung zu erhöhen – besonders für Geschäfte ein wichtiges Thema. Spezielle Services können etwa bestimmen, ob es sich beim nächsten Kunden um einen Erstbesucher oder Stammkunden handelt. Ermöglicht wird dies, wenn sich Gäste in das Unternehmensnetzwerk einloggen. Das ist besonders hilfreich, wenn Unternehmen herausfinden wollen, wie viele neue Besucher in einem bestimmten Zeitraum im Geschäft waren, die Anzahl der wiederkehrenden Kunden und Stammkunden sowie die jeweilige Besuchsdauer. Mithilfe dieser Daten kann dann das eigene Marketing angepasst werden, um die eigenen Services besser nach den Bedürfnissen der Kunden auszurichten. Und auch hier steht, dank Wi-Fi 6, immer ausreichend Bandbreite und Service-Qualität zur Verfügung.

In puncto Sicherheit gibt es, neben der bereits erwähnten Erkennung von Bewegung im Bereich des drahtlosen Netzes, mittlerweile auch Lösungen auf Basis künstlicher Intelligenz, die das Netzwerk selbstständig überwachen. Wie im privaten Haushalt werden auch hier Bedrohungen erkannt und störende Geräte im Unternehmensnetzwerk unter Quarantäne gesetzt. Zusätzlich lassen sich unterschiedliche Zonen im WLAN errichten. So erhalten Kunden, Mitarbeiter und Angestellte im Backoffice ihr „eigenes“ Netzwerk mit individuellen Berechtigungen der einzelnen Nutzer oder Nutzergruppen – je nach Bedarf.

Auch für das Backend auf Seiten der Serviceanbieter lassen sich innovative Dienste mit Hilfe netzwerkbasierter Anwendungen sinnvoll zu nutzen. Neben höherer Geschwindigkeit und weniger Übertragungsproblemen können bestimmte Tools zum Beispiel erfassen, wie Abonnenten auf neue oder aktualisierte unternehmenseigene Dienste reagieren. Dazu werden Abonnentenprofile erstellt, die Akzeptanzraten, Markenaffinitäten und Kaufkraft erfassen, mit deren Hilfe Unternehmen ihre Marketingkampagnen maßschneidern und in Echtzeit Abfrageergebnisse abrufen können.

Dass solche Lösungen auch jederzeit die Status der Geräte erfassen und somit frühzeitig Probleme erkennen können, dürfte nicht überraschen. Die damit verbundene Analyse eines solchen Fehlers bietet daher noch einen weiteren Vorteil: Die Kommunikationsdienstleister können die Zahl der Fahrten ihrer Kundendienstmitarbeiter zu den Kunden deutlich senken, denn aufgrund der Analyse ist viel schneller und eindeutiger zu klären, was dieses Problem verursacht haben könnte. Und das Problem ist bei weitem nicht immer eines, das einen Servicetechniker vor Ort erfordert.

Fazit

Wi-Fi 6 bietet zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten. Jedoch kann Wi-Fi 6 nur so gut sein, wie das System, das es steuert. Mit der Nutzung der richtigen Services kann es wertvolle Daten liefern und Prozesse verbessern. Wichtig dabei ist, dass für eine optimale Nutzung Geräte eingesetzt werden, die den neuen Standard auch unterstützen. Besonders für Smarthome-Besitzer und Unternehmen bietet Wi-Fi 6 eine Menge Möglichkeiten, es für mehr zu nutzen als nur zur reinen Datenübertragung.

Gregor Stegen.
Gregor Stegen.
(Bild: Gregor Stegen)

Über den Autor

Gregor Stegen ist Director Business Development Europe bei Plume. Neben der Weiterentwicklung des Geschäfts in Europa verantwortet er auch den globalen Deal Desk des Unternehmens und damit den Aufbau der Geschäftsbeziehungen zu neuen Partnerunternehmen weltweit. Vor seinem Start bei Plume 2019 war Gregor Stegen in unterschiedlichen Management-Rollen unter anderem bei Axel Springer, Vodafone und Goetzpartners Management Consultants tätig.

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