Was verdienen Beschäftigte in Deutschland wirklich? Der neue Stepstone Gehaltsreport 2026 wertet über 1,3 Millionen Datensätze aus – mit klaren Unterschieden nach Region, Branche und Unternehmensgröße. Die Zahlen zeigen, wo Transparenz wächst und wo sie fehlt.
Zahlen, Vergütung, Transparenz: Der Gehaltsreport zeigt, wie unterschiedlich Einkommen in Deutschland ausfallen.
(Bild: ChatGPT / KI-generiert)
Mit dem neuen Jahr rückt das Thema Gehaltstransparenz stärker in den Fokus von Unternehmen und Beschäftigten. Hintergrund ist die geplante Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, für die im laufenden Jahr ein nationaler Gesetzesentwurf erwartet wird. Der Gehaltsreport von Stepstone liefert dazu eine umfangreiche Datengrundlage.
Die Auswertung basiert auf mehr als 1,3 Millionen Gehaltsdaten und ist nach Angaben des Unternehmens repräsentativ für die Erwerbsbevölkerung in Deutschland. Berücksichtigt wurden unter anderem Alter, Geschlecht, Bildungsabschluss, Wirtschaftssektor sowie regionale Unterschiede auf Bundes- und Landesebene. Neu ist eine detailliertere Aufschlüsselung nach 27 Berufsgruppen.
Die EU-Richtlinie verpflichtet Unternehmen zu mehr Transparenz bei Gehältern und Vergütungsstrukturen. Beschäftigte erhalten Auskunftsrechte über ihr Gehalt sowie Vergleichsgehälter nach Geschlecht. Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden müssen regelmäßig über Entgeltunterschiede berichten; bei nicht sachlich begründbaren Abweichungen von mehr als 5 Prozent sind Korrekturmaßnahmen vorgesehen. Zudem gelten Transparenzpflichten bereits im Bewerbungsprozess. Die Umsetzung in nationales Recht ist bis Juni 2026 vorgesehen.
Regionale Unterschiede beim Einkommen
Das Bruttomediangehalt in Deutschland liegt laut Report bei 53.900 Euro. Regional zeigen sich dabei deutliche Unterschiede. In den westdeutschen Bundesländern beträgt der Median 56.250 Euro, in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) 48.750 Euro.
Auch auf Stadtebene variiert das Einkommensniveau. In München liegt das Bruttomediangehalt bei 64.750 Euro, in Frankfurt am Main bei 64.000 Euro und in Hamburg bei 60.000 Euro. In ostdeutschen Städten fallen die Werte niedriger aus, etwa in Dresden (51.000 Euro), Leipzig (51.250 Euro) oder Chemnitz (48.500 Euro).
Trotz dieser Unterschiede ist die Gehaltszufriedenheit zuletzt gestiegen. 36 Prozent der Beschäftigten geben an, 2025 mit ihrem Einkommen zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. In den beiden Vorjahren lag dieser Anteil bei 34 Prozent (2024) beziehungsweise 32 Prozent (2023).
Was ist das Mediangehalt?
Der Durchschnitt wird berechnet, indem alle Werte summiert und danach durch die Anzahl der Datensätze geteilt wird. Der Durchschnittswert kann durch extrem hohe oder niedrige Werte verzerrt werden. Zur besseren Einordnung des Durchschnittswertes hilft deshalb ein Vergleich mit dem Median. Der Median ist der Wert, der genau in der Mitte aller Werte liegt. Das heißt, es gibt exakt gleich viele Gehälter, die niedriger und die höher sind als das Mediangehalt.
Große Unterschiede zwischen Branchen und Unternehmensgrößen
Die Höhe des Einkommens hängt weiterhin stark von der Branche ab. Zu den Bereichen mit den höchsten Bruttomediangehältern zählen Banken (70.250 Euro), die Luft- und Raumfahrt (68.000 Euro), Versicherungen (66.500 Euro), die Pharmaindustrie sowie Wissenschaft und Forschung (jeweils 66.250 Euro).
Niedrigere Medianwerte weisen unter anderem die Branchen Hotel, Gastronomie und Catering (45.500 Euro), Land- und Forstwirtschaft einschließlich Gartenbau (47.250 Euro), Freizeit, Touristik, Kultur und Sport sowie das Handwerk (jeweils 49.750 Euro) und Transport und Logistik (50.000 Euro) auf.
Auch die Unternehmensgröße wirkt sich auf das Einkommen aus. In Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten liegt das Bruttomediangehalt bei 48.800 Euro. In Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitenden steigt der Median auf 63.000 Euro. Mittelständische Unternehmen erreichen Werte von 54.100 Euro (51 bis 500 Beschäftigte) beziehungsweise 59.750 Euro (bis zu 5.000 Beschäftigte).
Gender Pay Gap weiterhin vorhanden
Der Gehaltsreport weist für Deutschland einen unbereinigten Gender Pay Gap von 9,7 Prozent aus. Frauen erzielen demnach ein Bruttomediangehalt von 50.500 Euro, Männer von 55.900 Euro. Der unbereinigte Wert vergleicht die Einkommen aller Frauen und Männer unabhängig von Branche, Tätigkeit oder Position.
Werden diese strukturellen Unterschiede statistisch berücksichtigt, sinkt der bereinigte Gender Pay Gap auf 4,8 Prozent. Dieser Wert beschreibt die Gehaltsdifferenz bei vergleichbaren Tätigkeiten, Qualifikationen und Rahmenbedingungen.
Gender Pay Gap
Der angegebene Gender Pay Gap beschreibt die unbereinigte Entgeltlücke, bei der viele gehaltsrelevante Parameter wie Berufserfahrung und Bildungshintergrund vermischt werden. Der unbereinigte Wert vergleicht die männlichen und weiblichen Beschäftigten in ihrer Gesamtheit miteinander. Er ist als Differenz des Jahresgehaltes zwischen Männern und Frauen im Verhältnis zum Gehalt der Männer zu verstehen. Ein Großteil der Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen lässt sich jedoch durch andere Einflussfaktoren erklären (z.B. Alter, die Branche, die Berufsgruppe, die Ausbildung, die Berufserfahrung, die Unternehmensgröße, das Bundesland und die Stadt und die Personalverantwortung). Berücksichtigt man diese Faktoren in einem Rechenmodell, ergibt sich der bereinigte Gender Pay Gap. Er kann als die Gehaltsdifferenz zwischen zwei Personen interpretiert werden, die in allen berücksichtigten Merkmalen außer dem Geschlecht identisch sind.
Bildung, Erfahrung und Verantwortung als zentrale Faktoren
Neben Branche und Unternehmensgröße haben Qualifikation, Berufserfahrung und Personalverantwortung einen wesentlichen Einfluss auf das Einkommen. Beschäftigte mit Hochschulabschluss erzielen ein Bruttomediangehalt von 68.250 Euro, während Personen ohne akademischen Abschluss bei 51.200 Euro liegen.
Auch die Dauer der Berufserfahrung wirkt sich aus. Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit weniger als einem Jahr Erfahrung erreichen einen Median von 46.250 Euro. Bei mehr als sechs Jahren Erfahrung steigt dieser auf 55.500 Euro, bei über 25 Jahren auf 60.000 Euro. Führungskräfte mit Personalverantwortung kommen auf ein Mediangehalt von 62.000 Euro, ohne Personalverantwortung liegt der Median bei 51.300 Euro.
Über den Stepstone Gehaltsreport 2026
Der Stepstone Gehaltsreport 2026 basiert auf einer der größten Gehaltsdatenbanken in Deutschland. Ausgewertet wurden Gehaltsangaben nach Region, Berufsgruppe, Branche und Berufserfahrung. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Erwerbsbevölkerung auf Bundes- und Landesebene nach Alter, Geschlecht, Hochschulabschluss und Wirtschaftssektor. Aufgrund methodischer Anpassungen und einer veränderten Stichprobenzusammensetzung sind die Daten nicht direkt mit Vorjahreswerten vergleichbar.
Für den Report wurden 1.326.157 Vergütungsdaten ausgewertet, die zwischen Januar 2022 und November 2025 erhoben wurden. Alle Angaben erfolgen in Euro, sind gerundet und geben – sofern nicht anders ausgewiesen – den Median für das Jahr 2025 an. Berücksichtigt wurden ausschließlich Vollzeitbeschäftigte mit einer standardisierten Wochenarbeitszeit von 40 Stunden, inklusive Boni, Provisionen und Prämien.
61 Prozent der Datensätze stammen von Männern, 34 Prozent von Frauen; 27 Prozent der Beschäftigten haben Personalverantwortung. Sämtliche Angaben wurden durch Vergütungsberater*innen geprüft und statistisch gewichtet.
Ab dem Gehaltsreport 2026 kommt die Klassifikation der Berufe (KldB) zum Einsatz, die auch in amtlichen Arbeitsmarktstatistiken verwendet wird. Dies erhöht die Vergleichbarkeit und Aussagekraft der Ergebnisse. Die Daten stammen aus dem Stepstone Gehaltsplaner auf Stepstone.de.
(ID:50675621)
Stand: 08.12.2025
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