Potenzielle Schwachstellen
Leider ist aber auch Threema kein Wundermittel gegen alle Probleme. Zunächst fällt negativ auf, dass es sich um komplett geschlossenes System handelt. Das mag einige Vorteile bei der Nutzbarkeit bringen, allerdings sind alle Kontakte und Kommunikationen im „Threema-Silo“ eingesperrt. Eine Kommunikation mit externen Diensten (etwa über Jabber und den OTR-Standard) ist nicht vorgesehen.
Zudem benötigt Threema zentrale Server, um den Kontaktaustausch und die Kommunikation einzuleiten. Auch wenn diese keine Daten speichern, wenn die Server etwa durch einen DDoS-Angriff oder staatliches Eingreifen ausgeschaltet werden, ist auch die Kommunikation beeinträchtigt. Das dritte Sorgenkind ist die Finanzierung: Aktuell setzen die Macher darauf, dass sie jeder Nutzer während seiner kompletten Nutzungsdauer nicht mehr als 1,60 Euro kostet. Leider äußert sich die Kasper Systems GmbH, die hinter Threema steht, auf unsere Anfragen zu diesen Themen noch nicht.
Fazit
Wer seine Kommunikation vor dem Möchtegern-Hacker am Tisch nebenan, schnüffelnden Konzernen oder neugierigen Kollegen verbergen möchte, der ist mit Threema gut beraten. Für eine Verschlüsselungs-Applikation glänzt die App mit einfacher Bedienung und ansprechender Oberfläche. Das Ampelkonzept für die „Echtheit“ des Gegenübers ist eingängig, Kontakte sind über den QR-Scan schnell bestätigt. Auch gefällt die Unterstützung für Gruppenchats, diese ist oftmals der Schwachpunkt von Alternativen wie ChatSecure.
Ob Threema hundertprozentigen Schutz gegen Strafverfolgungsbehörden oder die Drei-Buchstaben-Behörden mit dem Budget kleinerer Nationen bietet ist allein schon wegen der zentralen Serverstruktur fraglich; eine DoS-Attacke oder eine gezielte Beschlagnahme kann das System zumindest kurzzeitig beeinträchtigen. Diese Sorgen dürften für die meisten ehemaligen WhatsApp-Nutzer aber eine eher untergeordnete Rolle spielen.
Was Threema eindrucksvoll zeigt: Apps rund um das Thema Sicherheit und Verschlüsselung müssen nicht aussehen, als wären sie in den frühen 90gern geschrieben worden. Benutzerfreundlichkeit und Sicherheitsfunktionen lassen sich durchaus vereinbaren– etwas, das etwa Firmen im Bereich der E-Mail-Verschlüsselung noch lernen können.
Threema kostet 1,60 Euro (iOS: 1,79 Euro), ist also nicht umsonst wie einige andere Chat-Systeme. Das scheint die Käufer nicht zu stören, sowohl auf Android wie auch auf iOS gehört Threema inzwischen zu den populärsten Anwendungen in den App-Shops.
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