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Menügesteuerte Administration statt langer Befehlszeilen ProxMenuX für Proxmox VE

Von Thomas Joos 5 min Lesedauer

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ProxMenuX verwandelt die Shell von Proxmox VE in eine interaktive Steuerzentrale. Das quelloffene Tool des Entwicklers MacRimi bietet ein textbasiertes Menüsystem, das viele Verwaltungsaufgaben automatisiert und sich sowohl für erfahrene Administratoren als auch für Einsteiger eignet.

ProxMenuX erweitert Proxmox VE um ein textbasiertes Menü für Automatisierung, VM-Setup und Systemverwaltung. Das Tool spart Zeit, birgt jedoch Sicherheitsrisiken.(Bild:  Joos | ProxMenuX)
ProxMenuX erweitert Proxmox VE um ein textbasiertes Menü für Automatisierung, VM-Setup und Systemverwaltung. Das Tool spart Zeit, birgt jedoch Sicherheitsrisiken.
(Bild: Joos | ProxMenuX)

Das kostenlose Open Source-Tool ProxMenuX ergänzt die vorhandene Weboberfläche und die Kommandozeile von Proxmox, ersetzt sie aber nicht. Es handelt sich um ein leichtgewichtiges Werkzeug, das die Bedienung von Proxmox beschleunigen kann und sich besonders für wiederkehrende Abläufe eignet. Die Anwendung ist in Bash geschrieben und nutzt Whiptail für die Menüführung. Mit ProxMenuX erhalten Admins eine grafische Oberfläche für die Shell, die auch per SSH funktioniert. Es ist daher nicht unbedingt eine Verbindung mit dem Webbrowser notwendig.

Der Quellcode liegt vollständig auf GitHub und steht unter der Lizenz CC-BY-NC-4.0. Der Entwickler Pedro alias MacRimi hat ProxMenuX ursprünglich als Alternative zur wachsenden Zahl unübersichtlicher Shell-Befehle entworfen. Inzwischen ist daraus eine vollständige Menüoberfläche für Proxmox-Systeme geworden, die sich direkt in der Konsole bedienen lässt.

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Installation und erster Start

Die Einrichtung von ProxMenuX ist einfach und dauert nur wenige Minuten. Auf einem laufenden Proxmox-Host genügt der Aufruf in der Shell des offiziellen Installationsbefehls:

bash -c "$(wget -qLO - https://raw.githubusercontent.com/MacRimi/ProxMenux/main/install_proxmenux.sh)"

Für den Download muss der Server eine Verbindung zum Internet haben. Das Skript prüft automatisch, ob alle benötigten Pakete vorhanden sind. Dazu gehören bash, curl, jq, whiptail, python3, python3-venv und python3-pip. Fehlt ein Paket, wird es ohne Rückfrage installiert. das kann ich produktiven Umgebungen ein Problem sein. Anschließend richtet das Skript eine virtuelle Python-Umgebung für Übersetzungen ein und lädt alle Komponenten wie cache.json, utils.sh, menu und version.txt direkt vom GitHub-Repository. Nach Abschluss erscheint die Meldung „ProxMenuX has been installed successfully“.

Der Start erfolgt anschließend mit dem Befehl:

menu

Beim ersten Start fragt das Tool nach der gewünschten Sprache. Zur Auswahl stehen Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Portugiesisch. Danach öffnet sich das Hauptmenü mit nummerierten Punkten, die per Tastatureingabe gewählt werden. ProxMenuX legt dabei automatisch einen Shell-Alias an, sodass der Aufruf „menu“ systemweit verfügbar bleibt.

Erste Schritte mit ProxMenuX

Das Menüsystem gliedert sich in mehrere Bereiche. Unter „Settings post-install Proxmox“ liegen Skripte, die nach einer frischen Installation typische Aufgaben übernehmen. Neben dem hauseigenen Post-Install-Skript stehen auch die bekannten Helper-Scripts von TTECK und die ältere Variante Xshok-Proxmox zur Verfügung. Im Bereich „Help and Info Commands“ zeigt ProxMenuX eine große Sammlung nützlicher System-, Netzwerk- und Verwaltungsbefehle. Diese Rubrik dient nicht nur zur Ausführung, sondern auch zum Lernen. Jeder Menüpunkt zeigt den genauen Befehl, der im Hintergrund ausgeführt wird, wodurch der Anwender nachvollziehen kann, welche Operationen auf der Shell stattfinden.

Automatisierung mit ProxMenuX

Weitere Punkte decken den kompletten Administrationsbereich ab. „Hardware GPUs and Coral-TPU“ erlaubt das Einbinden von iGPUs oder Google-Coral-Beschleunigern in Container und VMs. „Create VM from template or script“ automatisiert die Erstellung neuer Systeme. Über diesen Menüpunkt lassen sich unter anderem Windows-, Linux- oder macOS-VMs erzeugen, ebenso NAS-Lösungen wie TrueNAS SCALE, OpenMediaVault oder ZimaOS. ProxMenuX übernimmt dabei den kompletten Ablauf: Download der Image-Datei, Import in den Storage-Pool, Konfiguration der Parameter und Start der VM.

„Disk and Storage Manager“ bietet die Verwaltung physischer Laufwerke, ZFS-Pools und virtueller Volumes. Disks können hier per Passthrough an VMs oder LXC-Container zugewiesen werden. Der Menüpunkt „Proxmox VE Helper Scripts“ integriert die bekannte Sammlung der TTECK-Skripte. Kategorien wie Network, Firewall, Docker, Datenbanken, Monitoring oder IoT stehen hier direkt in der Shell zur Verfügung. Die Rubrik „Network“ liefert Basisfunktionen zur Netzwerkanalyse, Anzeige der IP-Konfiguration oder zum Erstellen und Wiederherstellen von Netzwerk-Backups. Unter „ProxMenuX Settings“ lassen sich Sprache, Versionsinformationen und Deinstallation verwalten.

Funktionen und Praxisnutzen

Die größte Stärke des Tools liegt im Custom-Postinstall-Skript. Es bietet eine interaktive Auswahl typischer Systemanpassungen, darunter Zeitsynchronisierung, Kernel-Header-Installation, Fast-Reboot, Aktivierung von IO-MMU und VFIO-Optionen, Optimierung von ZFS-ARC-Parametern, Fail2Ban-Setup, Netzwerkoptimierungen, Snapshot-Automatisierung oder Anpassungen an der Bash-RC. Auch kosmetische Änderungen wie das Entfernen des Subscription-Banners oder das Hinzufügen eines Fastfetch-Figlets zur Host-Anzeige sind integriert. Jeder Schritt wird sichtbar ausgeführt und mit Statusmeldungen bestätigt. Die Ergebnisse erscheinen direkt in der Shell, sodass sich nachvollziehen lässt, welche Konfigurationsdateien verändert wurden.

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Im praktischen Einsatz zeigt sich, dass ProxMenuX viele sonst aufwendige Proxmox-Prozeduren vereinfacht. Administratoren können VMs und Container starten, stoppen, löschen oder klonen, ohne Befehle wie qm oder pct manuell zu tippen. ZFS-Pools lassen sich prüfen, Backups mit vzdump anstoßen oder Netzwerkeinstellungen korrigieren. Auch die Installation zusätzlicher Tools über den integrierten Utility-Installer funktioniert schnell. So lassen sich git, vim, nano oder Systemdiagnose-Tools wie btop und iperf3 per Menü nachinstallieren.

Das Werkzeug eignet sich damit sowohl für Schulungs- und Lernzwecke als auch für produktive Umgebungen, in denen Routineaufgaben standardisiert ablaufen sollen. Besonders auf Headless-Servern oder in Air-Gap-Umgebungen, in denen keine Weboberfläche zur Verfügung steht, ersetzt ProxMenuX viele grafische Funktionen.

Chancen und Risiken abwägen

Der praktische Nutzen von ProxMenuX liegt in der deutlichen Zeitersparnis. Wiederkehrende Aufgaben wie Container-Setup, Hardware-Passthrough oder Systemupdates benötigen nur wenige Eingaben. Admins können per SSH auf eine textbasierte grafische Oberfläche zugreifen und viele Aufgaben remote einfacher durchführen.

Für unerfahrene Admins bietet das Menü eine sichere Umgebung, um die Struktur von Proxmox kennenzulernen, da die genauen Befehle sichtbar bleiben. Auch erfahrene Anwender profitieren, weil sie Installationen schneller durchführen und Post-Install-Optimierungen standardisieren können. Die Integration der Helper-Scripts von TTECK erweitert den Funktionsumfang erheblich und bringt hunderte Automatisierungen direkt in die Shell.

Gleichzeitig bestehen Sicherheitsrisiken, die Administratoren kennen müssen. Der Befehl „menu“ ruft bei jedem Start ein Live-Skript von GitHub auf. Dadurch liegt eine direkte Abhängigkeit vom Online-Repository vor, ohne Prüfsumme oder Signaturprüfung. Ein veränderter Code auf GitHub könnte so unmittelbar auf produktiven Systemen ausgeführt werden.

Im Proxmox-Forum und auf Reddit bewerten Anwender diesen Mechanismus als Lieferkettenrisiko. Für sensible Umgebungen empfiehlt sich deshalb, die Skripte lokal zu speichern, den Quelltext vor Ausführung zu prüfen und den Einsatz auf isolierte Systeme zu beschränken. Auch die fehlende Möglichkeit für einen Offline-Modus wird kritisiert.

Trotz dieser Schwachpunkte gilt ProxMenuX als eines der vielseitigsten Community-Tools rund um Proxmox VE. Es zeigt transparent, was im System geschieht, bietet nachvollziehbare Lernmöglichkeiten und macht Routineaufgaben übersichtlich. In homelab-orientierten Installationen, Schulungsumgebungen oder Test-Clustern erleichtert es den Alltag erheblich.

Wer Proxmox regelmäßig über die Konsole administriert, spart mit dem Menüsystem Zeit und reduziert die Fehlerquote bei wiederkehrenden Aufgaben. In sicherheitskritischen Produktionssystemen ist allerdings Vorsicht geboten, solange keine geprüften Paketquellen oder Signaturen vorliegen.

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