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5 Quintillionen IPv6-Adressen und ein Aktionsplan

„Provider spielen eine Schlüsselrolle bei der IPv6-Migration“

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Sie sagen, IPv6 werde nicht genutzt, weil keiner es nutze…

Christoph Meinel: Ja. Das haben wir beim IPv6 Rat einmal scherzhaft so formuliert, um auszudrücken, dass die Provider keine Nachfrage erkennen können und die Anwender keine Killerapplikation. So war die Telekom lange ein Bremsklotz. Doch im vergangenen Jahr haben wir ein Umdenken erlebt.

HPI-Institutsdirektor Christopf Meinel: „ISPs müssen IPv6-Adressen anbieten“ (Archiv: Vogel Business Media)

Zum einem hat der Konzern seinen Vertreter im IPv6-Rat, der bisher ein Techniker war, gegen einen Strategen ausgetauscht. Zudem die Deutsche Telekom den Berliner Internet-Dienstleister Strato komplett für 275 Millionen Euro übernommen. Strato hat IPv6-Dienste angekündigt.

Das bringt Schwung in die IPv6-Migration?

Christoph Meinel: Mit Sicherheit. Aber auch Vodafone und Nokia Siemens Networks bemühen sich derzeit um die Aufnahme in den IPv6-Rat.

Das HPI hat im vergangenen Mai einen „IPv6-Aktionsplan für Deutschland“ verabschiedet. Trägt dieser schon Früchte?

Christoph Meinel: Der Aktionsplan ist eher eine psychologische Hilfe. Das Problem beim Anschub technischer Neuerungen besteht darin, dass es keine adressierbare Instanz gibt, die etwa einen Zeitplan festlegen könnte und keine Organisation, die die Umsetzung anordnen oder kontrollieren könnte. Dafür funktioniert das Internet ohnehin erstaunlich gut. Wir haben auch keinen direkten Einfluss auf die Service Provider.

Der Aktionsplan kann lediglich helfen, einem der größten Konsumenten, der Öffentlichen Hand, einen Leitfaden zur Verfügung zu stellen.

Ein großer Treiber kann auch die Bundesregierung sein. Das Innenministerium hat sich im vergangenen Herbst einen großen IPv6-Adressraum reserviert. Im Dezember hatte Deutschland dann als erster Staat in Europa die IPv6-Adresse von der RIPE NCC einen zusammenhängenden Adressraum erhalten. Damit können sich bis zu 270 Milliarden Subnetze mit insgesamt mehr als fünf Quintillionen Adressen für Endgeräte bestücken lassen.

Nun müssen die Verantwortlichen binnen eines Jahres aktiv werden. Denn bis jetzt gibt es lediglich ein kleines Leuchtturmprojekt von Bundes-CEO Hans Bernhard Beus, die Website des Bundes.

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