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Digitale Arbeitsplätze unter Druck KI-Agenten und DEX: Warum 2026 zum Wendepunkt für IT-Teams wird

Von Andrew Hewitt 4 min Lesedauer

Autonome KI-Systeme, steigende Erwartungen der Beschäftigten und regulatorischer Druck verändern das IT-Management grundlegend. Digital Employee Experience (DEX) wird 2026 vom „Nice to have“ zum operativen Steuerungsinstrument, mit direkten Auswirkungen auf Produktivität, Recruiting und Infrastrukturstrategie.

Autonome KI-Agenten und Digital Employee Experience verändern 2026 das IT-Management. Was das für Infrastruktur-Teams bedeutet, beschreibt Andrew Hewitt, Vice President Strategic Technology bei TeamViewer in seinem Beitrag.(Bild:  TeamViewer)
Autonome KI-Agenten und Digital Employee Experience verändern 2026 das IT-Management. Was das für Infrastruktur-Teams bedeutet, beschreibt Andrew Hewitt, Vice President Strategic Technology bei TeamViewer in seinem Beitrag.
(Bild: TeamViewer)

Die digitale Arbeitswelt steht an einem Wendepunkt. Mit hoher Geschwindigkeit beeinflusst die Technologie immer stärker und direkter die menschliche Produktivität. Zunehmend autonome KI-Systeme, immer mehr vernetzte Geräte und steigende Erwartungen der Beschäftigten an eine funktionsfähige, sinnvolle Infrastruktur läuten für IT-Teams die nächste Phase der Digital Employee Experience (DEX) ein. Diese wird davon bestimmt, wie gut Unternehmen Automatisierung, Fokus und Vertrauen in Einklang bringen können.

Eine aktuelle Umfrage von TeamViewer unter 4.200 Unternehmen hat Ende 2025 beleuchtet, wie alltägliche IT-Probleme die Produktivität und Motivation der Mitarbeiter in Unternehmen weltweit beeinträchtigen. 33 Prozent der befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass schlecht funktionierende IT bereits zu Umsatzeinbußen geführt hat. Bei 36 Prozent wurden wichtige Projekte oder Prozesse durch IT-Störungen verzögert. Die befragten Mitarbeiter schätzten, dass IT-Probleme sie im Schnitt jeweils 1,3 Arbeitstage pro Monat kosten.

Wer 2026 und darüber hinaus unternehmerisch erfolgreich sein will, muss seinen Mitarbeitern daher eine möglichst positive Erfahrung mit der IT und der gesamten digitalen Infrastruktur bieten. Der Fokus umfasst nicht nur technische Probleme wie etwa langsame oder nicht reagierende Systeme, wiederkehrende Softwarefehler oder schlechte Internetverbindungen, sondern auch organisatorische Mängel wie etwa unklare Zuständigkeiten im IT-Support. Moderne Technologien können diese digitalen „Reibungsverluste“ und die dadurch hervorgerufenen Frustration in der Belegschaft reduzieren und stattdessen die Konzentration der Mitarbeiter auf die eigentlichen Aufgaben fördern.

Vier Entwicklungen zeichnen sich bereits klar ab und dürften die Digital Employee Experience in den kommenden Jahren maßgeblich prägen. Daraus ergeben sich konkrete Handlungsfelder für IT-Teams bei der Einführung von KI-Agenten und DEX.

1. KI-Agenten übernehmen Aufgaben, nicht nur Analysen

Im Jahr 2026 wird sich die DEX-Landschaft grundlegend verändern. Künstliche Intelligenz (KI) analysiert nicht nur Daten oder gibt Empfehlungen. Stattdessen werden KI-Agenten eigenständig Aufgaben ausführen. Diese Systeme lernen aus ihren Handlungen und passen sich kontinuierlich an. Zunächst agieren sie innerhalb einzelner Plattformen, etwa indem sie Umfragen erstellen, automatisiert IT-Probleme beheben oder frühzeitig technische Probleme in der IT-Infrastruktur identifizieren. Ab Ende 2026 und in den Folgejahren werden die KI-Agenten zunehmend plattformübergreifend interagieren und so ein umfassendes und viel stärker automatisiertes IT-Management ermöglichen.

Handlungsempfehlung: Unternehmen sollten jetzt Anwendungsfälle identifizieren, in denen KI-Agenten die Mitarbeiter gezielt unterstützen können. Das kann etwa das automatisierte Aufspüren ungelöster, wiederkehrender IT-Problemen auf den digitalen Endgeräten sein. Zum Start kann der IT-Helpdesk dafür interne Agenten einsetzen, die ungemeldete Störungen erkennen und an den Mitarbeiter im Helpdesk melden, inklusive entsprechender Lösungsvorschläge. In einem weiteren Automatisierungsschritt können die Agenten die Lösung später auch eigenständig umsetzen. Parallel gilt es, die Infrastruktur für künftige Zusammenarbeit zwischen spezialisierten Agenten vorzubereiten.

2. Fokus wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil

IT-Probleme verursachen bei Mitarbeitern heute regelmäßig Unterbrechungen in ihrer Tätigkeit. In den kommenden Jahren wird die Fähigkeit, diese Ablenkungen zu minimieren und fokussiertes Arbeiten zu ermöglichen, zum zentralen Differenzierungsmerkmal und zur Hauptaufgabe von IT-Teams. Wer nervtötende digitale Reibungsverluste („Digital Friction“) minimiert, erschließt neue Potenziale für Kreativität, Innovation und Produktivität der Mitarbeiter. Es geht dabei nicht nur um unternehmerische Effizienz, sondern auch darum, Mitarbeiter eine unterbrechungsfreie Arbeit zu ermöglichen und so deren Zufriedenheit zu steigern.

Unternehmen, die digitale Reibungsverluste ignorieren, riskieren hingegen, dass ihre Wettbewerbsfähigkeit schwindet, weil Beschäftigte zu viel Zeit mit Fehlersuche und dem Schreiben von IT-Tickets statt mit Wertschöpfung verbringen. Weil gerade jüngere Mitarbeiter heute eine sehr gute und reibungsfreie digitale Ausstattung erwarten, ist DEX auch ein Personal- und Recruiting-Thema.

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Handlungsempfehlung: Führungskräfte müssen die Beseitigung von „Digital Friction“ als strategisches Thema begreifen. Dazu gehört, die Kosten von Ablenkung zu messen und Transparenz über Ursachen in Geräten, Anwendungen und Prozessen zu schaffen. Wer früh erkennt, dass nicht nur menschliche Fachkräfte, sondern auch die menschliche Konzentration eine knappe Ressource ist, wird langfristig profitieren.

3. IT-Rollen wandeln sich: Vom Administrator zum KI-Agenten-Manager

Automatisierung wird klassische Aufgaben des IT-Helpdesks weitgehend überflüssig machen. Ab 2026 entwickeln sich IT-Jobs von Windows-Administratoren oder Helpdesk-Technikern hin zu Managern von KI-Agententeams. Die „Mitarbeiter“ dieser Teams sind autonome Systeme, deren Leistung überwacht, trainiert und gesteuert werden muss. Dafür sind neue Kompetenzen gefragt, insbesondere im Umgang mit KI, Prompt-Engineering und Compliance-Themen.

Handlungsempfehlung: IT-Führungskräfte starten spätestens jetzt mit Weiterbildungsprogrammen, die den Übergang von klassischer Administration zu KI-Management erleichtern. Ziel ist, IT-Fachkräfte entweder zu Agenten-Managern oder zu Service-Partnern weiterzuentwickeln, die nicht ersetzbare menschliche Fähigkeiten wie etwa Empathie und Business-Know-how einbringen. Unternehmen sollten zudem eine Kultur fördern, die Automatisierung belohnt, statt sie als Bedrohung wahrzunehmen.

4. DEX wird zur Pflicht, Regulierung treibt Standardisierung voran

Eine positive „User Experience“ der Mitarbeiter mit ihrem digitalen Arbeitsplatz wird ab 2026 so essenziell wie IT-Security oder Compliance. Datenbasierte Entscheidungen werden im IT-Management künftig zum Standard. Neue regulatorische Rahmenbedingungen wie die niederländische Norm NEN 8038 erhöhen den Druck auf CIOs, eine positive digitale Benutzererfahrung sicherzustellen. Die dafür notwendigen DEX-Funktionen werden flächendeckend entweder als eigenständige Plattformen oder integriert in Endpoint-Management-Lösungen verfügbar sein.

Handlungsempfehlung: Unternehmen sollte DEX als Teil ihrer digitalen Infrastruktur betrachten. Dazu gehören die Erhebung von Basiskennzahlen, die Implementierung von Monitoring und die Vorbereitung auf Experience-Level-Agreements, die künftig so verbindlich wie die heutigen Service-Level-Agreements sein werden.

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