Standards und Kompatibilität
Kompatibilität verlangt Standards. Ohne internationale und mächtige Industriestandards sollte nirgends etwas laufen, denn ohne Standards läuft bald nichts mehr. Nur Standards sichern die Kompatibilität. Denn nur über Standards kann die Garantie vermittelt werden, auch in fünf Jahren noch Produkte kaufen zu können, die zu dem passen, was sich bereits im Betrieb befindet.
Der wichtigste Standard für Netzwerke ist das OSI-Referenzmodell (Open Systems Interconnection = Verbindung Offener Systeme) der Internationalen Standardisierungsorganisation ISO. Das OSI-Referenzmodell beschreibt die Netzarchitektur und die damit zusammenhängenden Protokolle abstrakt aber fast vollständig. Alle anderen Standards orientieren sich an den in diesem Modell festgelegten Funktionsbereichen.
Doch welche konstruktiven Komponenten sind in einem Netz generell vorhanden und wie wirken diese zusammen. Zwei Komponentengruppen spielen dabei offensichtlich eine jeweils die Konstruktion abschließende Rolle: Die Anwendungsprogramme oder Anwendungssysteme, die die Vernetzung nutzen, und die Drähte, Kabel oder Glasfasern, die der Vernetzung als physikalische Übertragungsmedien dienen. Und sogar Luft oder Vakuum kann man ja bekanntlich als Medien nutzen.
Ein anderer Aspekt hinsichtlich der Sinnhaftigkeit eines modularen Konzepts, wie das OSI-Schichtenmodell eines darstellt, ist, dass sich damit technische Weiterentwicklungen an einer Stelle ergeben können, ohne dass davon das gesamte Konstrukt beeinflusst wird. schneller vollzieht als der Wechsel in den Anwendungen. So kann man bspw. die Anwendungen und die sie unterstützenden systemtechnischen Komponenten beibehalten, bei der Vernetzung jedoch von Kupferkabeln auf Glasfasern wechseln. Dies klappt nur bei einer modularen Konstruktion einigermaßen reibungslos.
Beispiel Dateiübertragung
Betrachten wir doch einfach an dieser Stelle einmal ein größeres Beispiel: Die Übertragung von Daten in Form einer Datei von einem Rechner zu einem anderen Rechner. Was muss hierbei beachtet werden?
Zunächst einmal sollte man den Dienst der Dateiübertragung von der Anwendung, die diesen Dienst benutzt, trennen.
Die oberste Schicht entspricht den anwendungsnahen Grunddiensten. Außer File Transfer fallen z.B. Electronic Mailing, Remote Job Entry (Beauftragung fremder Systeme), Virtual Terminal Service (netzweit einheitliches System für die Konversion unterschiedlicher Terminaltypen auf ein gemeinschaftliches Grundformat) und eine Reihe anderer Dienste unter die anwendungsnahen Grunddienste.
Man nennt diese Schicht auch Anwendungsschicht (Application Layer), weil sie die Anwendungen direkt unterstützt. Früher wurde oft auch die Meinung vertreten, man könne komplette Anwendungen in diese Schicht packen. Dies hat sich über die Jahre jedoch als unzweckmäßig herauskristallisiert. Im sieben Schichten umfassenden OSI-Modell ist die Anwendungsschicht bzw. der Application Layer) die Schicht bzw. der Layer Nummer 7.
Die Anwendungsschicht beinhaltet die Fähigkeiten, die aus der Perspektive einer Anwendung dazu notwendig sind, eine Dateiübertragung zu beginnen, durchzuführen, die Durchführung zu kontrollieren und zu beendigen. Im einfachsten Fall besteht diese Schnittstelle aus einem einzigen Befehl, der, eingestreut in ein Anwendungsprogramm, den Transfer einer Datei von A nach B verursacht.
Die funktionalen Arbeitseinheiten der Anwendungsschicht müssen natürlich eine ganze Menge Arbeit verrichten, um diesen Befehl in die Tat umzusetzen. Dabei werden sie aber von den Arbeitseinheiten der anderen Schichten tatkräftig unterstützt, besonders was die tatsächliche Nachrichtenübertragung betrifft.
Aufgaben, die jedoch komplett in dieser Schicht verbleiben und auch von keiner anderen übernommen werden können, sind z.B. das Prüfen des Gesamtvorganges auf seine Richtigkeit und die Umsetzung logischer Namen (z.B. den Dateinamen im Anwendungsprogramm) in für den Rest der Konstruktion verwertbare physische Namen bzw. Adressen sowie weitere generelle Verwaltungsaufgaben.
weiter mit: Der Layer 6 im Überblick
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