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Das Netzwerk der Zukunft ist flach

HP-Networking-Experte Hausmann: „Software-Netze sind einfach genial“

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Wie muss das „Netzwerken“ in Zukunft aussehen?

Andreas Hausmann: Flach! Ganz im Ernst. Ein großes Industrie-Unternehmen in Deutschland sagte mir einmal: Herr Hausmann, wir hätten gerne für unsere 400.000+ Mitarbeiter ein flaches Layer 2 Netz. Aber die geforderten Dienste erlauben es nicht. Wir müssen ein komplexes L3-Netz bauen.

Will sagen: Die Unternehmen leiden sehr unter der Statik und Komplexität der Netzwerke. Und genau hier wird SDN helfen. Ganz große Unternehmen wie AT&T und Google, Amazon haben schon umgestellt.

Ist jetzt SDN schon für den breiten Massenmarkt?

Andreas Hausmann: Nein, absolut nicht. Und das wird auch noch eine Weile dauern. Wir haben hier große Hürden zu überwinden. Erstens müssen viele Funktionalitäten der alten Netze auf SDN portiert werden. Es wird wahrscheinlich verschiedene Controller geben – etwa einen für das RZ, einen für den Campus.

Zweitens muss diese Revolution im Netzwerk die Hürde der ‚Bewahrer‘ überwinden. Gehen Sie mal zu einem CCIE zertifizierten Mitarbeiter und sagen ihm, dass seine Expertise in der Form nicht mehr gebraucht wird, weil jetzt alles einfacher wird - …

So einen Umschwung hatten wir, als die Telefonie auf IP umgestellt wurde. Die, die innovativ dachten, sind mitgegangen und haben heute noch einen Job, und die, die sich dagegen gestellt haben, nun ja, ich weiß nicht, wo die sind.

Und die gleiche Entwicklung werden wir im Netzwerk erleben. Jedoch wird der Marktführer nicht so kampflos seine teure Strategie umwerfen und einfach auf „OpenStack“ und Open Source wechseln.

Ein weitere Punkt wird das Thema ‚Cloud‘ sein. Wir brauchen hier dynamische Netze. Wir brauchen für Morgen epochale Veränderungen. Überlegen wir doch mal, was es bedeutet, wenn jedes Smartphone eine IP Adresse hat, oder wie BMW plant, jedes Auto 30 davon. Wer will das beherrschen?

Das Zusammenwachsen von Server-Storage und Netzwerk bringt ganz andere Herausforderungen. Wir müssen in Zukunft I/O managen! Wir müssen die Risiken der Cloud-Dienste abschätzen! Wir werden Logistiker brauchen! Die IT wird sich mit ganz anderen Themen beschäftigen als bisher. Denn wir alle wissen: die Hardware kann das, was in Zukunft kommt, schon lange. Die Software aber noch nicht.

Wie sieht der Wechsel zum Software Defined Network aus?

Den Anfang werden die großen Konzerne machen. Dann die Enterprise Kunden. Der Mittelstand und die kleineren Betriebe habe da sicher noch Zeit, da es sich für sie einfach noch nicht rechnet.

Viele Mittelständler arbeiten noch auf XP und produzieren hohe Qualität. Ihre Kernkompetenz ist nicht abhängig von der IT. Ein großes Investment hier würde sich noch nicht auszahlen.

Was SDN angeht, so stehen wir hier am Anfang und sind Zeuge einer großen Umwälzung. Wenn wir später zurückblicken, können wir sagen: „Wir waren dabei.“ Das wird eine epochale Veränderung.

Auf der Veranstaltung "Virtualisireung und Cloud-Computing Technology Computing Days" konnten Besucher Andreas Hausmann als Referenten hören. Er begeisterte er sein anspruchsvolle Publikum mühelos und erhielt dafür eine Auszeichnung. Seine Fachkompetenz hat er sich in seiner 23-jährigen Karriere bei HP und zuvor im Studium der Feinwerktechnik an der FH Esslingen angeeignet.
Auf der Veranstaltung "Virtualisireung und Cloud-Computing Technology Computing Days" konnten Besucher Andreas Hausmann als Referenten hören. Er begeisterte er sein anspruchsvolle Publikum mühelos und erhielt dafür eine Auszeichnung. Seine Fachkompetenz hat er sich in seiner 23-jährigen Karriere bei HP und zuvor im Studium der Feinwerktechnik an der FH Esslingen angeeignet.
(Bild: DataCenter-Insider)

Die großen Hersteller kommen langsam in Fahrt, wir von HP sind es schon. Aber es werden auch neue Player hinzukommen. Ein Beispiel sei hier genannt: VMware hat schlappe 1,2 Milliarden Dollar investiert - in eben jene kleine Firma, die das SDN Konzept entwickelt hat. Dieser Schachzug war genial und hat die Welt wachgerüttelt.

Als wir vor zwölf Monaten Vorträge über SDN hielten, wurden wir belächelt. Selbst im März dieses Jahres, auf einem Beraterkongress ernteten wir nur Kopfschütteln. 100-Gigabit-Netze waren spannender als SDN, und sind wir mal ehrlich: 100-Gigabit-Netze braucht momentan kein Mensch. Wir brauchen intelligente und schlanke, dynamische Netze. Das ist die Zukunft.

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