Mobile-Menu

Verzögerung und Mehrkosten in Milliardenhöhe beim BOS

Digitalfunk für Sicherheitsbehörden – nicht ganz ein Erfolg

Seite: 5/5

Anbieter zum Thema

Das Projekt im Überblick

  • Ein sicheres Netz für alle

Großbaustelle. Eines der größten und technisch anspruchsvollsten Modernisierungsvorhaben in Deutschland befindet sich in der Umsetzungsphase: Die Einführung des Digitalfunks für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS).

Ziel des Projektes ist es, zum ersten Mal ein bundesweit einheitliches Funknetz für Rettungs- und Sicherheitskräfte flächendeckend über das Gebiet der Bundesrepublik aufzubauen und so die bestehenden, voneinander unabhängigen Analogfunknetze abzulösen. Von den zahlreichen Vorteilen des Digitalfunks BOS sollen nicht nur die Polizeien von Bund und Ländern, die Feuerwehren, Rettungsdienste, das Technische Hilfswerk sowie die Zollbehörden und Verfassungsschutzorganisationen profitieren. Den Bürgern soll das Digitalfunksystem zudem eine bessere, schnellere und verlässlichere Hilfeleistung im Notfall garantieren.

  • Die Technik

Das Projekt spart nicht mit Superlativen. So ist das BOS-Digitalfunknetz mit 500.000 Nutzern das größte flächendeckende TETRA-Netz weltweit. Das deutsche TETRA-Netz befindet sich derzeit – wie in Österreich, Schweden, Norwegen und Portugal – im Aufbau.

Grund für diese Systemtechnikentscheidung ist, dass der TETRA-Funk für die besonderen Anforderungen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben entwickelt wurde. Ein Beispiel dafür ist der Gruppenruf, der für die operativ-taktische Steuerung von Einsätzen unverzichtbar ist. Kein anderer Mobilfunkstandard – etwa GSM oder UMTS – zeigt ein vergleichbares Leistungsverhalten für die Punkt-zu-Mehrpunkt-Kommunikation.

Auch die Datenübertragung etwa von Fingerabdrücken und Fahndungsfotos, die Übertragung der Vitalfunktionen von Einsatzkräften mit Atemschutzgeräten wie Herz- und Atemfrequenz oder die verbleibende Restluft in einer Pressluftatemflasche sind mit dem Digitalfunk möglich. Aktuell ist allerdings geplant, diese Features erst zu einem späteren Zeitpunkt einzuführen.

  • Das Netz

Gegliedert ist das flächendeckende Funknetz in 45 Netzabschnitte, jedes Bundesland besteht aus mindestens einem Abschnitt. Zu den Aufgaben der BDBOS gehört die Gewährleistung der bundesweiten Einheitlichkeit des Netzes. Aus diesem Grund werden Planung und Konzeption des Digitalfunknetzes – das heißt, sowohl die technischen als auch die rechtlichen und sicherheitsrelevanten Fragen – überwiegend von der Bundesanstalt durchgeführt.

Diese Aufgabe beschreibt die BDBOS in einer Broschüre so: „Insbesondere bei dessen Aufbau wird jedoch sichtbar, wie eng BDBOS, Bund und Länder bei der Einführung des Digitalfunks BOS zusammenwirken: Die BDBOS gibt aufgrund der von ihr durchgeführten Funkplanung die Suchkreise heraus, in denen Antennenstandorte für ein flächendeckendes BOS-Funknetz errichtet werden müssen. Die Länder, die die Gegebenheiten vor Ort am Besten kennen, haben die Aufgabe übernommen, geeignete Standorte zu suchen, zu akquirieren und für die Anforderungen des Digitalfunks BOS zu ertüchtigen.“

Bei der Montage der Antennentechnik soll auf vorhandene Standorte zurückzugriffen werden. Etwa auf Liegenschaften des Bundes, des jeweiligen Landes, einer Kommune, oder auf Masten von kommerziellen Mobilfunkanbietern.

  • Der Betrieb

Wenn eine bestimmte Anzahl von Standorten fertig gestellt ist, montiert die von der BDBOS beauftragte Systemtechniklieferantin EADS die Antennentechnik und nimmt diesen Abschnitt in Betrieb.

So sind erste Netzabschnitte des BOS-Digitalfunknetzes gegenwärtig in Berlin, Bremen und Hamburg „on air“. Teilnetzabschnitte sind unter anderem in Niedersachsen (Lüchow-Dannenberg), Baden-Württemberg (Stuttgart), Bayern (München), Sachsen (Leipzig) aufgebaut. Weitere sollen in diesem Jahr folgen. Das beiden Kontrollcenter (Netzverwaltungszentrum – NMC) ist in Betrieb genommen. Diese Fortschritte ermöglichen es, den Digitalfunk BOS zu erproben. Entsprechende Tests laufen derzeit bei Großveranstaltungen wie Fußballländerspielen, Marathonläufen und Volksfesten.

Dazu wird parallel zur herkömmlichen analogen die neue digitale Funktechnik eingesetzt. Von der Funknetzplanung über die Standortsuche, die bauliche Erschließung der Standorte sowie Aufbau und Inbetriebnahme der technischen Anlagen läuft der Aufbau des Digitalfunks BOS, laut BDBOS, auf Hochtouren. In einigen Länder laufen auch daher entsprechende Vergabeverfahren zur Beschaffung von Funkgeräten.

Manfred Klein ist Chefredakteur der IP-Insider-Schwesterpublikation „eGovernment Computing“

(ID:2022460)