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Grundlagen moderner Netzwerktechnologien im Überblick – Teil 72

Broadband Wireless Access (BWA) – ein Überblick

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WLAN und BWA – ein Vergleich

Die funktechnische Auslegung ist unter dieser Prämisse völlig anders als bei IEEE 802.11WLANs. In regulierten Bändern sind höhere Sendeleistungen erlaubt, wie viel höher, hängt vom Einzelfall (Frequenzband, Land, benachbarte Funkdienste) ab. Die Grenze für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen liegt bei ca. 60 km Sichtlinie; realistisch erreichbar sind bspw. bei installierten WLL- oder LMDS-Systemen in den USA heute Distanzen von ca. 2 bis 15 km. Das sollte auch für jedes Unternehmensnetz ausreichen.

Hinsichtlich der allgemeinen Dämpfungs- und Reflexionseigenschaften gibt es allerdings erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Frequenzbändern, grob unterteilt bis 10 GHz und oberhalb von 10 GHz. Den Frequenzen ist es gleichgültig, mit welchen Datenpaketen sie arbeiten, also sind die Ausbreitungseigenschaften bei bis zu 10 GHz in etwa den bekannten Eigenschaften von IEEE 802.11a/h bei 5 GHz vergleichbar.

Befinden sich Base Stations und Subscriber Stations (SS) in unterschiedlichen Gebäuden und muss das Funksignal durch den freien Raum, so können sogar Regen und Nebel zu einer Verschlechterung der Verbindung führen.

IEEE 802.16 trägt der möglichen dynamischen Signaldegradation durch adaptive Codierungsverfahren Rechnung, die letztlich auch die nutzbare Datenrate senken. IEEE 802.11 hat das übrigens einfach so übernommen, wie es bei IEEE 802.16 definiert war. Bei 802.16 funktioniert es aber besser, weil die Signalqualität wesentlich häufiger überwacht wird.

Von der Kostenseite her ist es so, dass 802.11a/h- und 802.16-Komponenten in etwa vergleichbar sind, weil die Unterschiede in der Binärebene liegen. Wesentlich ist, welche Verbreitung und damit Stückzahl nachher erreicht wird. Antennen und ähnliches für 802.16 sind die gleichen wie für WLL oder LMDS, nämlich vorwiegend Sektorantennen für die BS. Die sind zwar etwas teurer als die WLAN-Stäbchen, können dafür aber mehr und man benötigt nur eine pro Zelle. Bei den SS müssen die bisherigen Dipole reichen.

Der Chip-Hersteller Intel hat Mitte 2005 begonnen, Muster seines ersten Chips für die Funktechnik WiMax auszuliefern. Auf dem Rosedale genannten Baustein aufbauend sollen demnächst erste Tests der Funktechnik beginnen, wie das Unternehmen ankündigte. Die WiMax-Chips wurden nach Standards der IEEE 802.16-Familie entwickelt, bei der Intel eine führende Rolle spielt.

Gegenüber herkömmlichen WLAN-Funknetzvarianten, die auf diversen Spezifikationen der 802.11-Familie gründen, zeichnet sich WiMax durch weit größere Reichweiten aus. Während aktuelle WLAN-Varianten mit handelsüblichen Antennen höchstens wenige hundert Meter überbrücken ist WiMax für bis zu 48 Kilometer Reichweite ausgelegt.

Intel hat Rosedale gemäß der Spezifikation 802.16-2004 entworfen. Auf dieser Grundlage will Intel Varianten der WiMax-Technik entwickeln, die sich für mobile Anwendungen eignen. Es gab schon 2006 erste Notebooks mit WiMax, ab 2007 sogar entsprechende Handys. Auch andere Hersteller arbeiten an eigenen WiMax-Chips. 2008 hatte Intel sogar zum Jahr des WiMAX ausgerufen.

In Deutschland ist das Thema WiMAX allerdings irgendwie unterbelichtet. Dies steht jedoch im krassen Gegensatz zu internationalen Entwicklungen, besonders in Asien.