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Open-Source-Infrastruktur mit strategischem Update Akamai hostet kernel.org: Linux bekommt kommerzielles Rückgrat

Von Berk Kutsal 2 min Lesedauer

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Akamai stellt künftig die Infrastruktur für kernel.org und stärkt damit das Rückgrat des weltweit meistgenutzten Open-Source-Betriebssystems. Die Zusammenarbeit mit der Linux Kernel Organization könnte ein Paradigmenwechsel in der Pflege kritischer Open-Source-Infrastruktur sein.

Akamai bietet Infrastruktur-Support für ununterbrochene Linux-Kernel-Entwicklung.(Bild:  Akamai)
Akamai bietet Infrastruktur-Support für ununterbrochene Linux-Kernel-Entwicklung.
(Bild: Akamai)

Es ist ein Paukenschlag in der Welt der Open-Source-Infrastruktur: Der CDN- und Cloud-Spezialist Akamai übernimmt das Hosting von kernel.org – der zentralen Plattform für die Entwicklung und Distribution des Linux-Kernels. Damit wird ein essenzielles Stück Internet-Infrastruktur künftig nicht mehr von klassischen Non-Profit-Hosts oder Universitätsrechnern getragen, sondern von einem börsennotierten Cloudanbieter mit Milliardenumsatz.

Die Bedeutung dieser Entscheidung lässt sich kaum überschätzen: kernel.org ist nicht nur Archiv, sondern das Nervenzentrum für rund 13.500 Kernel-Entwickler weltweit, darunter zahlreiche Ehrenamtliche. Über die Plattform laufen Code-Commits, Revisionskontrollen und die Bereitstellung der aktuellsten Kernel-Versionen. Der Umzug in die Akamai-Cloud bedeutet: Höhere Verfügbarkeit, schnellere Git-Zugriffe und eine infrastrukturelle Absicherung, die Open-Source-Projekten dieser Größenordnung oft fehlt.

Von Linode zu Linux: Akamais Open-Source-Ambitionen

Mit der Hosting-Partnerschaft setzt Akamai eine Strategie fort, die bereits 2022 mit der Übernahme des Cloud-Pioniers Linode und 2023 mit dem Kauf des Kubernetes-Speicherdienstes Ondat angestoßen wurde. Im Fokus: ein glaubwürdiger Platz in der Open-Source-Welt – jenseits bloßer Lippenbekenntnisse. Der Konzern ist Gold-Mitglied der Cloud Native Computing Foundation (CNCF), beteiligt sich aktiv an Projekten wie Prometheus, Argo und OpenTelemetry und hat eine Million US-Dollar in Form von Infrastrukturkrediten für OSS-Projekte zur Verfügung gestellt.

Dass nun auch kernel.org dazugehört, ist mehr als symbolisch: Akamai übernimmt damit Verantwortung für den Code, der auf vielen Servern, in allen Cloud-Stacks und in sämtlichen Supercomputern läuft. Laut Angaben des Unternehmens betreibt Linux nicht nur das Rückgrat des Internets, sondern auch „alle 500 weltweit führenden Supercomputer“ sowie zentrale Börsenplattformen.

Vertrauen gegen Vendor-Lock-in?

Der Schulterschluss zwischen einer Non-Profit-Organisation wie der Linux Kernel Organization und einem börsennotierten Cloudanbieter wirft dennoch Fragen auf: Wie unabhängig bleibt die Kernel-Entwicklung, wenn die zentrale Infrastruktur nun bei einem kommerziellen Anbieter liegt? Die Antwort darauf hängt davon ab, ob Akamai seine Rolle als rein technischer Dienstleister versteht – oder künftig auch Einfluss auf Prozesse nimmt.

Bisher gibt sich der Anbieter betont bescheiden. Akamais Chief Architect Alex Chircop betont, man wolle „der Community etwas zurückgeben“. Gleichzeitig ist die Positionierung klar: Wer in Zeiten von Supply-Chain-Attacken, Zero-Day-Exploits und digitalen Blackouts punkten will, muss sich als verlässlicher Infrastrukturpartner für das Open-Source-Fundament positionieren. Akamai scheint genau das zu tun – mit mehr Tiefe und Authentizität als so mancher Hyperscaler.

Linux-Ökosystem im Wandel

Die Entscheidung könnte eine Blaupause für weitere Partnerschaften zwischen Open-Source-Projekten und Cloudanbietern werden – insbesondere angesichts zunehmender Komplexität und globaler Anforderungen. Denn obwohl Linux omnipräsent ist, ist seine Weiterentwicklung nach wie vor auf freiwillige Beiträge, fragmentierte Ressourcen und anfällige Infrastruktur angewiesen.

Der Schritt hin zu professionell gehosteten Plattformen wie bei kernel.org könnte ein neuer Standard werden – sofern Unabhängigkeit und Offenheit gewahrt bleiben. Dass Akamai parallel auch Alpine Linux unterstützt, unterstreicht den strategischen Anspruch, sich tief im Open-Source-Ökosystem zu verankern.

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