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Sicherer Fernzugriff auf die Operational Technology Worauf es bei Zero Trust jenseits der IT ankommt

Von Thorsten Eckert 4 min Lesedauer

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In den letzten Jahren hat sich Zero Trust in der IT-Sicherheit als wesentlicher Ansatz zum Schutz vor Cyberangriffen etabliert. Kein Wunder also, dass es Bestrebungen gibt, Zero Trust auch in anderen Infrastrukturen zu etablieren. Allerdings unterscheiden sich IT und OT in wesentlichen Punkten, wodurch Sicherheitsverantwortliche vor ganz neuen Herausforderungen stehen.

Während die Zugriffssicherheit in der IT mit Zero Trust einen guten Reifegrad erreicht hat, stellt Remote Access in der Operational Technology (OT) noch oft ein Problem dar. Aber auch hier kann das Zero-Trust-Konzept helfen.(Bild:  Yury Fedyaev - stock.adobe.com / KI-generiert)
Während die Zugriffssicherheit in der IT mit Zero Trust einen guten Reifegrad erreicht hat, stellt Remote Access in der Operational Technology (OT) noch oft ein Problem dar. Aber auch hier kann das Zero-Trust-Konzept helfen.
(Bild: Yury Fedyaev - stock.adobe.com / KI-generiert)

Traditionell verfügen insbesondere Industrieunternehmen über zahlreiche OT-Anlagen. Allerdings finden sich cyber-physische Systeme aufgrund der zunehmenden Verbreitung des erweiterten Internets der Dinge (XIoT; Extended Internet of Things) mittlerweile in den meisten modernen Unternehmen. Diese Systeme sind ausgesprochen heterogen und können von Fabrikanlagen über Überwachungssysteme bis hin zur Gebäudeautomation reichen.

Entscheidend ist dabei die Tatsache, dass jede Infrastruktur einzigartig ist. Eine Strategie, die für ein OT-System funktioniert, lässt sich nicht einfach eins zu eins auf ein anderes Unternehmen übertragen. Man muss jede Infrastruktur für sich betrachten und die hierbei jeweils entscheidenden Faktoren wie etwa die Latenzzeit berücksichtigen, da diese gravierende Folgen auf die Betriebssicherheit (Safety) haben kann.

Das Alter von OT-Systemen

Ein weiteres zentrales Problem ist die Tatsache, dass etliche OT-Systeme bereits seit Jahrzehnten im Einsatz sind und nicht in absehbarer Zeit erneuert werden. Während in der IT Geräte meist in einem Turnus von drei bis fünf Jahren ausgetauscht werden, sind insbesondere im industriellen Umfeld, aber auch in Teilen der Gebäudetechnik, Nutzungsdauern von zehn bis dreißig Jahren keine Seltenheit.

Zudem sind die dortigen Systeme oftmals nicht auf eine Vernetzung ausgelegt. Deshalb mangelt es ihnen an den Voraussetzungen, etwa im Hinblick auf die verwendeten Betriebssysteme, sicheren Zero-Trust-Fernzugriff „von der Stange“ zu ermöglichen. Es gibt zwar Tools auf dem Markt, die helfen, einige dieser Probleme individuell zu lösen, aber es gibt – entgegen einigen Marketing-Versprechen – kein Patentrezept für eine Zero-Trust-Implementierung in OT-Umgebungen. Entsprechend sollte man einen risikobasierten Ansatz wählen und dabei berücksichtigen, welche Geräte am wahrscheinlichsten angegriffen und bei welchen die Auswirkungen auf den Betrieb am gravierendsten wären. Denn im Gegensatz zur IT ist bei der OT die Betriebssicherheit das höchste Ziel, dem alles untergeordnet werden muss.

Risiko- und Bedrohungsanalyse

Um zu bestimmen, wie jedes einzelne Gerät geschützt werden sollte, ist es entscheidend, die potenziellen Risiken für dieses Gerät genau zu analysieren. Außerdem muss ermittelt werden, wie angreifbar ein Gerät ist und wie es von Angreifern kompromittiert werden könnte. Traditionell wird das Risiko anhand des Common Vulnerability Scoring System (CVSS) bewertet. Ein weiterer Ansatz ist das Exploit Prediction Scoring System (EPSS), welches die Wahrscheinlichkeit der Ausnutzung einer Schwachstelle bewertet. Kombiniert man beide Methoden, können die individuell relevantesten Schwachstellen effektiver, effizienter und einfacher erfasst und nach Prioritäten geordnet werden. Zusätzlich bietet MITRE ATT&CK für industrielle Kontrollsysteme (ICS) einen guten Ausgangspunkt, um basierend auf tatsächlich erfolgten ICS-Angriffen Erkenntnisse für die eigene Infrastruktur zu gewinnen.

Begrenzte Zeit und Ressourcen

Die größten Herausforderungen für eine unternehmenskritische Umgebung sind stets die begrenzte Zeit und die knappen Ressourcen. Ein enormes Hindernis stellt dabei die Unmöglichkeit dar, Sicherheitsmaßnahmen auf OT-Systemen regelmäßig zu testen. Ausfallzeiten sind, wenn überhaupt, nur in äußerst geringen Maßen möglich. Entsprechend ist es schwierig, Funktionen angemessen zu testen oder hinzuzufügen. Auch hier gilt: Was in einem Teil der Infrastruktur funktioniert, lässt sich nicht ohne Weiteres auf andere Teile übertragen. In einigen Bereichen wird beispielsweise eine Mikrosegmentierung möglich sein, in anderen nicht. Deshalb sollten Unternehmen zunächst bewerten, welche Systeme für sie und die Aufrechterhaltung des Betriebs am wichtigsten sind. Entsprechend der beschriebenen Risikobewertung sollten Sicherheitsverantwortliche untersuchen, wie Systeme in der Vergangenheit ausgenutzt wurden, und diese nach Prioritäten ordnen, indem sie ihre begrenzten Ressourcen auf die Geräte lenken, die aufgrund früherer Vorfälle am meisten gefährdet sein könnten.

Sicherer Fernzugriff als Schlüssel für Zero Trust

Um all diese OT-spezifischen Herausforderungen adressieren zu können, bedarf es Lösungen für den sicheren Fernzugriff, die speziell für diesen Bereich entwickelt wurden. Diese müssen Zero-Trust-Kontrollen und das Least-Privilege-Prinzip effektiv umsetzen. Unternehmen müssen in der Lage sein, sämtliche angeschlossenen Geräte zu identifizieren, granulare Benutzerzugriffskontrollen durchzusetzen, und bei nicht vertrauenswürdiger Kommunikation und abnormalem Verhalten im Netzwerk alarmiert zu werden. Folgende Punkte sollte eine moderne Fernzugriffslösung für OT-Systeme erfüllen:

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Rollen- und richtlinienbasierter Zugang: Sicherheitsverantwortliche sollten extrem granulare Zugangskontrollen für Industrieanlagen auf mehreren Ebenen und an verschiedenen geografischen Standorten definieren und durchzusetzen können – und das bis hin zur Freigabe des Zugangs für einen bestimmten Benutzer zu einer bestimmten Anlage, um eine bestimmte Aufgabe innerhalb eines festgelegten Zeitfensters auszuführen.

Zugriff überwachen, verhindern und aufzeichnen: Transparenz und Kontrolle über den Zugriff von Dritten und Mitarbeitenden vor, während und nach einer Remote-Sitzung sind für die Untersuchung und Reaktion auf bösartige Aktivitäten unerlässlich. Eine ZTNA-Lösung sollte die Möglichkeit bieten, Aktivitäten in Echtzeit zu beobachten und die Sitzung bei Bedarf zu beenden sowie Aufzeichnungen im Nachhinein für Audits und forensische Zwecke einzusehen.

Sichere Authentifizierung: Anstatt sich bei der Passworthygiene auf Dritte zu verlassen, von denen viele ihre Passwörter an mehrere Personen weitergeben, benötigen Sicherheitsverantwortliche die Möglichkeit, Benutzeranmeldeinformationen zentral zu verwalten – mittels Passwortmanagement und optionaler Multi-Faktor-Authentifizierung.

Remote-Incident-Management: Einige ZTNA-Lösungen können Bedrohungserkennungen integrieren, wodurch Sicherheitsverantwortliche bei unbefugten oder ungewöhnlichen Aktivitäten gewarnt werden. Auf diese Weise erhalten sie die nötige Transparenz, um Vorfälle zu überwachen, zu untersuchen und darauf zu reagieren.

Thorsten Eckert.(Bild:  www.mallorcafotograf.com / Calroty)
Thorsten Eckert.
(Bild: www.mallorcafotograf.com / Calroty)

Fazit

Traditionelle Sicherheitsmodelle, die auf festen Perimetern basieren, reichen nicht mehr aus, um die komplexen und vernetzten IT- und OT-Systeme zu schützen. Zero Trust bietet einen modernen Ansatz, der die Sicherheit auch in OT-Umgebungen deutlich verbessern kann. Und auch wenn die Umsetzung zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt, wird Zero Trust mehr und mehr ein unverzichtbarer Bestandteil einer effektiven OT-Sicherheitsstrategie.

Über den Autor

Thorsten Eckert ist Regional Vice President Sales Central bei Claroty.

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