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Magnetspeicher sicher löschen Wie leergefegt

Autor / Redakteur: Franz Grieser / Peter Schmitz

Sollen mehrere Hundert Festplatten sicher gelöscht werden, reicht eine Software-Lösung dazu nicht mehr aus. Für diese Zwecke gibt es Löschapparate, die bis zu 360 Festplatten pro Stunde mit einem starken Magnetfeld „degaussen“ können.

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Firmen, Dienstleister und IT-Abteilungen, die große Mengen an Festplatten oder Magnetbändern unwiederbringlich löschen müssen, sind die Zielgruppe für Löschgeräte, wie sie die Firma Zenon auf dem deutschen Markt anbietet. Zwei der Geräte von Zenon sind bislang auch die einzigen beiden Festplattenlöschgeräte, die vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur sicheren Bereinigung von Datenträgern empfohlen werden: Die Modelle APM-10 und HD-1T sind bereits bei der NSA (National Security Agency, dem für die Überwachung elektronischer Kommunikation zuständigen US-Nachrichten) in der Degausser-Products-Liste aufgeführt und wurden beim CMRR (Center for Magnetic Recording Research der University of California San Diego) geprüft. Die beiden Geräte können pro Stunde bis zu 40 bzw. 360 Festplatten (APM-10) bereinigen.

Bei dem „Degaussen“ genannten Verfahren wird die Festplatte bzw. ein Magnetband in das Gerät eingelegt und mit einem starken Magnetfeld behandelt: Beim Modell APM-10 beträgt die Löschkraft 7.000 Gauss, beim HD-1T sind es 14.000 Gauss. Damit werden nachweislich alle Daten gelöscht. Ebenso wird auch die Formatierung komplett entfernt, so dass nicht mehr nachträglich auf das verwendete Betriebssystem geschlossen werden kann. Festplatten werden bei Magnetfeldern dieser Stärke unbenutzbar. Durch ihre hohe Leistung sind die beiden Geräte geeignet für Festplatten bis 5.000 Oersted und für Datenbänder bis 2.500 Oersted. Oersted bezeichnet die magnetische Feldstärke, 1 Oe entspricht etwa 79,6 Ampere/Meter. Die Löschapparate verarbeiten Festplatten und Bänder mit den Maßen bis 2,8 x 14,6 x 25,4 cm (H x B x T).

Beide Geräte sind für Dauerbetrieb ausgelegt. Das Modell APM-10 ist auch für den mobilen Einsatz geeignet, da es ohne Stromsorgung auskommt; allerdings bringt es 66 kg auf die Waage. Das HD-1T wiegt 191 kg und verbraucht 4 Ampere (Stromversorgung: 220 Volt, 50 Hz). Das APM-10 kostet 12.800 Euro, für das Modell HD-1T sind 36.700 Euro fällig.

Deutlich günstiger ist das Einstiegsmodell V91HD/DLT, das noch bis Jahresende für 2.300 Euro und ab Januar für 2.780 Euro erhältlich ist. Damit lassen sich pro Stunde bis zu 20 Festplatten löschen, die Löschkraft beträgt hier max. 5.100 Gauss. Zusätzlich lassen sich mit dem integrierten DLT Bulk Eraser bis zu 90 DLT-Bänder pro Stunde löschen. Anders als Festplatten sind diese Bänder danach wieder benutzbar, da eine kleineres Magnetfeld eingesetzt wird. Das V91HD/DLT ist nicht für Dauerbetrieb ausgelegt und auch nicht vom BSI empfohlen.

Zusatznutzen

Für die Löschapparate spricht nicht nur der hohe Durchsatz: Anders als Softwarelösungen wie Eraser von Heidi Computers oder Darik´s Boot and Nuke, die zum sicheren Löschen die Sektoren mehrmals mit Zufallswerten überschreiben, können Löschgeräte wie die von Zenon auch defekte Datenträger behandeln, auf die man per Software nicht mehr zugreifen kann. Auch wenn z.B. der Antriebsmotor einer Festplatte ausgefallen ist, kann man in einem Labor noch auf die Daten zugreifen, die auf der Festplatte gespeichert sind. So könnte man Dokumente von einer als defekt weggeworfenen Festplatte wiederherstellen, was zwar mit hohem Aufwand verbunden, aber technisch möglich ist. Dies lässt sich durch Degaussing der Festplatte in einem Löschgerät verhindern.

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