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Kommentar Wie Deutschland vom UK-Zugang zu Horizont Europa profitiert

Ein Gastkommentar von Ian Smith 5 min Lesedauer

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Horizont Europa ist das umfangreichste Forschungs- und Innovationsprogramm der Welt. Das Programm wird die Beziehungen zwischen Deutschland und Großbritannien in den Bereichen Wissenschaft und Forschungsentwicklung entscheidend stärken und die Zusammenarbeit zwischen Forschern beider Länder vorantreiben.

Horizont Europa ist seit 2021 das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation.(Bild:  Europäische Kommission)
Horizont Europa ist seit 2021 das Europäische Rahmenprogramm für Forschung und Innovation.
(Bild: Europäische Kommission)

Horizont Europa ist mit einem Budget von über 95 Milliarden Euro derzeit das größte Forschungs- und Innovationsprogramm der Welt. Ein diesbezügliches Assoziierungsabkommen mit dem Vereinigten Königreich trat 2024 in Kraft. Damit können britische Einrichtungen nun in Horizont-Europa-Ausschreibungen als Teilnehmer aus einem assoziierten Land von der EU gefördert werden.

Auch, wenn alle EU-Länder von der erneuten Assoziierung des Vereinigten Königreichs mit Horizont Europa profitieren werden – für einige wird es wohl mehr Vorteile geben – vor allem, wenn es um das Thema Telekommunikationsinnovationen geht. Einer der größten potenziell Begünstigten des erneuten Zugangs zum Vereinigten Königreich durch die europäische Initiative ist Deutschland. Die beiden Länder haben traditionell eine enge Forschungsbeziehung, wobei Deutschland und das Vereinigte Königreich häufig Partnerschaften eingehen, wenn es um gemeinsame Veröffentlichungen, Hochschulpartnerschaften und Forschungskooperationen geht.

Die erneute Assoziierung des Vereinigten Königreichs mit Horizont Europa wird die Beziehungen in der Region stärken und die Bindung zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich festigen – und damit nicht nur die laufende Forschung und Entwicklung im Bereich der Telekommunikation, sondern auch weltweite Innovationen in der Branche vorantreiben.

Doch wie wird das vonstattengehen und warum Deutschland?

Mit 240 öffentlichen Hochschulen in Deutschland – von denen 8 zu den Top 100 gehören – blüht die wissensbasierte Wirtschaft des Landes. In Verbindung mit mehr als 1.000 verschiedenen, öffentlich finanzierten Forschungseinrichtungen setzt das Deutschland mit seinem Fokus auf Forschung und Entwicklung immer wieder neue Maßstäbe.

Neben der nationalen Spitzenleistung im Bereich Forschung und Entwicklung spielt Deutschland auch europaweit eine führende Rolle bei internationalen Forschungs- und Entwicklungsprogrammen wie Horizont Europa und dem ERC, und zwar sowohl bei der Beteiligung als auch beim Budgetanteil.

Als das wichtigste Finanzierungsprogramm der EU für Forschung und Innovation zielt Horizont Europa darauf ab, den Klimawandel zu bekämpfen, Arbeitsplätze zu schaffen und das Wirtschaftswachstum in der EU anzukurbeln. Beispielsweise hat Deutschland im Laufe der Jahre an vielen Horizont-Europa-Projekten teilgenommen und wurde sogar als erstes Land mit dem höchsten Projektteilnehmeranteil (11,3 %) anerkannt.

Da das Land weiterhin starke Unternehmensinvestitionen mit konsequenter staatlicher Unterstützung kombiniert, ist klar, dass sich Deutschland auch in Zukunft stark auf den Bereich Forschung und Entwicklung konzentrieren wird, während das Vereinigte Königreich weiterhin zu den Ländern gehört, die die größten Beiträge zur Forschung und Entwicklung leisten. Die erneute Assoziierung mit Horizont Europa stellt daher eine große Chance dar, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern weiter zu stärken.

In jüngster Zeit wurden in Deutschland einige von Horizont Europa finanzierte Projekte durchgeführt, welche die Bemühungen Deutschlands um den Einsatz von Technologien zur Verbesserung der Performance und der Umweltauswirkungen von Dekarbonisierungs- und Wasserkraftwerken demonstrieren.

Neben den umfangreichen und erstklassigen Bildungseinrichtungen und Forschungsanlagen des Vereinigten Königreichs bietet der Zugang über Horizont Europa sowohl Deutschland als auch anderen europäischen Ländern die Möglichkeit, das umfangreiche britische Netzwerk aus Wissenschaftlern, Akademikern und Fachleuten zu nutzen.

Wie kann die Deutsch-Britische-Zusammenarbeit Innovationen in der Telekommunikation fördern?

Durch den neu gewonnenen Zugang zu Fachwissen aus Großbritannien ergeben sich für Deutschland zahllose Möglichkeiten, die Telekommunikation voranzubringen. Speziell für den Telekommunikationssektor ergeben sich für die beiden Regionen gemeinsame Synergien im Bereich offener Netze, die durch verstärkte Partnerschaften zu bedeutenden Innovationen führen könnten.

In Deutschland gibt es sowohl kommerzielle Open-RAN-Einsätze als auch staatliche Investitionen in das Thema. Das Projekt, Plauen in eine Open-RAN-Stadt zu verwandeln, ist beispielsweise ein Beweis für die Bereitschaft, offene Technologien zu erforschen – ein Ansatz, den auch die Politik der britischen Regierung pflegt.

6G ist ebenfalls ein gemeinsamer Schwerpunktbereich. Die Bundesrepublik stellt 700 Millionen Euro für ihre Initiative „6G-Plattform Deutschland“. zur Verfügung, mit der Deutschland bis 2030 eine führende Rolle in der 6G-Technologie einnehmen soll. Da die Federated Telecoms Hubs des Vereinigten Königreichs weltweit führende Forschungsarbeiten durchführen und eine nationale experimentelle Plattform für 6G aufbauen, gibt es für beide Länder auch hier klar skizzierte Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit.

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Und weil Deutschland im Globalen Innovationsindex 2023 auf Platz 8 und das Vereinigte Königreich auf Platz 2 der Liste für internationale Zusammenarbeit rangiert, verfügen beide Länder zusammen über ein großes Potenzial zur Förderung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Telekommunikationsbereich. Und dies hat sich bereits als erfolgreich erwiesen.

Bestehende deutsch-britische Kooperationsrahmen sind darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern in aufstrebenden Technologiebereichen zu verbessern und deren Kompetenzen zu steigern.

Ein Beispiel dafür ist der strategische Dialog zwischen Großbritannien und Deutschland, der zur Erleichterung hochrangiger Diskussionen und der Zusammenarbeit in strategischen Fragen – auch zur Telekommunikation – geschaffen wurde. Im Rahmen des Dialogs finden regelmäßige Treffen und Arbeitsgruppen statt, die sich mit aktuellen und neu entstehenden Herausforderungen im Telekommunikationssektor befassen und eine solide Grundlage für den Aufbau der weiteren Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern schaffen.

Ein weiteres Beispiel ist die bilaterale Initiative Großbritannien-Deutschland: Kollaborative Initiative für Forschung und Entwicklung. Im Rahmen dieser Initiative werden bis zu zwei Millionen britische Pfund in Innovationsprojekte aus deutsch-britischen Partnerschaften investiert, die in zahlreiche Projekte in einer Reihe von Sektoren und Technologien fließen.

Was bringt uns die Zukunft?

Anfang 2024 unterzeichnete das Vereinigte Königreich eine gemeinsame Absichtserklärung mit Deutschland, um in Wissenschaft und Forschung zusammenzuarbeiten, u.a. in den Bereichen Quantencomputer, künstliche Intelligenz (KI) und saubere Technologien.

Das Abkommen zielt darauf ab, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern in den Bereichen Wissenschaft und Forschungsentwicklung zu stärken. Außerdem sollen durch Horizont Europa die Möglichkeiten für britische Forscher zur Zusammenarbeit mit Kollegen in Deutschland und darüber hinaus verbessert und erweitert werden.

In dem Maße, wie die Länder ihre Partnerschaft weiter ausbauen, werden auch die Wissenschafts- und Forschungsgemeinschaften gedeihen. In der gemeinsamen Erklärung kündigten die Max-Planck-Gesellschaft, die Royal Society, Universities UK und die Helmholtz-Gemeinschaft an, dass sie an Möglichkeiten der Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung arbeiten.

Deutsche Telekommunikationsunternehmen, die den britischen Markt betreten möchten, benötigen die Unterstützung eines spezialisierten internationalen Beraters, der ausländischen Unternehmen dabei helfen kann, mehr über die Möglichkeiten im Vereinigten Königreich zu erfahren.

UKTIN ist das Innovationsnetzwerk für den britischen Telekommunikationssektor. Es führt Industrie, staatliche Akteure und die Wissenschaft zusammen, um Investitionen in der Forschung und Entwicklung zu fördern und die Zusammenarbeit und Vermarktung zu unterstützen. Damit kann das Netzwerk für Unternehmen auf diesem Weg eine Schlüsselrolle spielen.

Es ist klar, dass jedes der beiden Länder noch einen langen Weg vor sich hat. Gemeinsam jedoch wird die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und Deutschland in der Telekommunikationsbranche zu unglaublichen Innovationsleistungen führen – man darf gespannt sein.

Über den Autor

Ian Smith ist Head of UKTIN, dem Britischen Netzwerk für Innovationen in der Telekommunikation.

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