Bei allen Diskussionen um IT-Architekturen… im Alltag misst sich Erfolg am Betrieb. Wie konsistent werden Systeme bereitgestellt? Wie kontrolliert verlaufen Updates? Wie nachvollziehbar sind Abweichungen? Gerade in einer Welt heterogener, verteilter IT-Landschaften können moderne Automatisierungsplattformen hier den Unterschied machen: sie sind das Cockpit der IT.
Die Leistungsfähigkeit moderner Infrastrukturen ist heute selten das Problem. Trotzdem geraten viele IT-Organisationen unter Druck.
Es ist Montagmorgen, kurz nach acht. In der Zentrale eines mittelständischen Unternehmens klingelt das Telefon. Ein Edge-Standort meldet den Ausfall einer Produktionsmaschine. Die Cloud zeigt Warnungen für Container-Workloads. Parallel dazu drängen Sicherheitsupdates für virtuelle Maschinen auf Umsetzung. Die IT-Abteilung sitzt zwischen mehreren Monitoren, jeder Bildschirm zeigt einen anderen Zustand, jede Anwendung wird anders verwaltet. Man könnte meinen, das Team betreibt mehrere parallele Welten – und genau das tut es auch.
Das Problem: Die IT gleicht einem unüberschaubaren Dickicht
Über viele Jahre hinweg galt Skalierbarkeit als die zentrale Herausforderung der IT. Wer wuchs, musste technisch mithalten: mehr Rechenleistung, mehr Speicher, mehr Performance. Diese Phase ist jedoch weitgehend vorbei. Moderne Infrastrukturen lassen sich aus technischer Sicht nahezu beliebig erweitern. Und doch wächst der Frust in den IT-Abteilungen.
Der Grund dafür ist das unüberschaubare Dickicht moderner IT-Welten. Klassische virtuelle Maschinen laufen neben containerisierten Anwendungen. Erste produktive KI-Workloads ergänzen etablierte Plattformen, und immer häufiger entstehen verteilte Edge-Systeme außerhalb des Rechenzentrums. Jede einzelne dieser Domänen folgt eigenen Logiken, nutzt eigene Werkzeuge und bringt eigene Abhängigkeiten mit sich.
Die Folgen sind weitreichend: Die Bereitstellung läuft häufig noch über manuelle Runbooks oder halbautomatisierte Prozesse. Updates folgen unterschiedlichen Zyklen, die von Plattform, Hersteller oder Betriebsmodell abhängen. Sicherheitsrichtlinien sind zwar dokumentiert, werden aber nicht durchgängig technisch erzwungen. So schleichen sich Abweichungen vom Sollzustand ein, die unentdeckt bleiben oder bewusst toleriert werden, weil Zeit und Ressourcen fehlen.
Der Betrieb geschieht damit in einem permanenten Ausnahmezustand, der irgendwann zum Normalzustand wird. Viele Unternehmen haben auf diese Situation reagiert, indem sie einzelne Prozesse wie Provisionierungsskripte, Konfigurationsmanagement und CI/CD-Pipelines automatisieren. Solche Maßnahmen sind zwar sinnvoll, lösen das Grundproblem jedoch nicht. Das Resultat ist vielmehr ein neuer Werkzeug-Dschungel, diesmal mit Automatisierung.
Das Cockpit der IT: eine zentrale Automatisierungsplattform
Was fehlt, ist eine zentrale Instanz, die definiert, wie die Infrastruktur über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrieben wird – also ein konsistentes Betriebsmodell. Genau hier setzt eine moderne Automatisierungsplattform an. Sie ersetzt weder Hardware noch Cloud-Strategie, sondern fungiert als Steuerungsebene darüber. Ihr Anspruch ist nicht, technische Entscheidungen vorzugeben, sondern wiederholbare und überprüfbare Abläufe zu etablieren. Die Bereitstellung, der Betrieb, Updates und die Stilllegung folgen dabei stets denselben Regeln – unabhängig davon, ob ein Workload im Rechenzentrum, in einer Private Cloud oder am Edge läuft.
Technisch basiert dieser Ansatz auf einer disaggregierten Infrastruktur. Rechenleistung, Speicher und Netzwerk sind nicht länger untrennbar gekoppelt, sondern lassen sich unabhängig voneinander skalieren. Ressourcen können also gezielt erweitert werden, ohne komplette Systembereiche anfassen zu müssen. Bestehende Hardware kann zudem weitergenutzt werden, auch wenn sich der Software-Stack verändert. Dieser Ansatz löst sich von den bisherigen Modellen hyperkonvergenter Infrastrukturen, bei denen alle Komponenten in festen Blöcken bereitgestellt werden und dadurch bei jeder Erweiterung zusätzliche, oft unnötige Lizenzkosten entstehen.
Zentrale Komponente: Blueprints für verschiedene Use Cases
Das Herzstück einer modernen Automatisierungsplattform sind validierte Blueprints. Jeder definiert exakt, welche Softwareversionen, Netzwerktopologien, Sicherheitsrichtlinien und Storage-Zuordnungen verwendet werden. Anstatt Systeme manuell oder skriptbasiert aufzubauen, wird ein Blueprint ausgelöst. Die Plattform übernimmt Onboarding, Provisioning, Management, Decommissioning und Repurposing. Der Mehrwert liegt dabei weniger in der Geschwindigkeit als in der Verlässlichkeit.
Jede Umgebung entsteht reproduzierbar, jede Abweichung wird erkannt. Fehlerquellen, die früher erst im Betrieb auffielen, werden bereits im Bereitstellungsprozess ausgeschlossen. Wissen, das bislang in Köpfen, Dokumentationen oder impliziten Abläufen steckte, wird formalisiert und somit skalierbar. Gleichzeitig verkürzt diese Standardisierung die Bereitstellungszeit erheblich. Während ein klassischer manueller Aufbau mehrere Tage dauert, steht mit bei diesem Ansatz ein produktionsfähiger Cluster innerhalb weniger Stunden bereit.
Stand: 08.12.2025
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Ein weiterer entscheidender Punkt ist das durchgängige Lifecycle-Management. In vielen klassischen Umgebungen endet die Automatisierung nach der Inbetriebnahme. Der laufende Betrieb folgt eigenen Regeln, Updates werden manuell geplant, Abweichungen hingenommen. Eine zentrale Automatisierungsplattform schließt diese Lücke. Updates, Patches und Konfigurationsänderungen folgen denselben validierten Prozessen wie die Erstbereitstellung. Abweichungen vom freigegebenen Zustand sind möglich, etwa für sicherheitskritische Maßnahmen. Sie werden jedoch dokumentiert und können später gezielt zurückgenommen werden.
Die Antwort auf Heterogenität und Flexibilität
Besonders deutlich wird der Nutzen dieses Modells in verteilten IT-Umgebungen. Edge-Standorte, Produktionsumgebungen oder Filialen benötigen lokale IT, lassen sich aber kaum individuell steuern. Vor Ort ist selten Personal verfügbar, der physische Zugriff ist eingeschränkt und Ausfallzeiten sind kritisch. Durch standardisierte Rollouts, automatisiertes Onboarding und zentrale Überwachung lassen sich auch solche Edge-Umgebungen nach denselben Prinzipien betreiben wie das zentrale Rechenzentrum. Container Workloads, datenintensive Analysen oder KI-Inferenz am Rand der Infrastruktur werden Teil eines einheitlichen Betriebsmodells.
Die Steuerung der Plattform erfolgt wiederum über ein zentrales Portal, über das sich Blueprints auswählen, Konfigurationen anpassen und neue Systeme bereitstellen lassen. Dieses „Single Pane of Glass“ bildet die vollständige Architektur ab und ermöglicht zugleich eine tiefe Integration in bestehende IT-Service-Management-Systeme. Dadurch werden Bereitstellungen und Änderungen nicht nur schneller, sondern auch nachvollziehbar und auditierbar.
Ein weiterer, zunehmend relevanter Aspekt ist die Abstraktion vom Hypervisor. In einem sich dynamisch verändernden Markt gewinnen technologische Wahlfreiheit und strategische Beweglichkeit an Bedeutung. Abhängigkeiten von einzelnen Plattformen oder Lizenzmodellen bergen Risiken. Eine Hypervisor-agnostische Automatisierungsplattform ermöglicht es, unterschiedliche Cloud-Dienste parallel zu betreiben oder schrittweise zu wechseln. Bestehende Lizenzen können weitergenutzt und neue Optionen geprüft werden, ohne dass es zu operativen Brüchen kommt.
Ohne zentrale Plattform funktioniert es nicht mehr
In der Praxis führt dieser Ansatz zu einer spürbaren Entlastung. Wiederkehrende Tätigkeiten verschwinden aus dem Tagesgeschäft, Fehlerquellen werden reduziert und die Transparenz steigt. Entscheidungen basieren auf klaren Zuständen statt auf Annahmen. Für IT-Entscheider entsteht so ein neuer Handlungsspielraum: Kosten lassen sich besser zuordnen, Risiken können frühzeitig erkannt und Innovationen gezielt unterstützt werden.
Die Verantwortung der IT-Teams verschiebt sich wiederum von der reinen Verwaltung der Infrastruktur hin zur Gestaltung der IT als strategische Ressource. Eine moderne Automatisierungsplattform ist also kein weiteres Tool, sondern liefert ein strategisches Fundament für die nächsten Jahre.
Über den Autor Hans Joachim Koch ist Senior Solution Architect bei Dell Technologies Deutschland.