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Einbrechender Computermarkt Taiwans Tech-Industrie erleidet Umsatzeinbruch

Von Michael Eckstein 4 min Lesedauer

Taiwanische Hersteller fertigen einen Großteil der weltweit verkauften PCs, Server und Spielekonsolen. Wenn der Computermarkt schwächelt, sind sie direkt massiv betroffen.

Die Nachfrage nach Computern ist im letzten Jahr eingebrochen, mit zum Teil drastischen Auswirkungen auf die Lieferkette – vom Chiphersteller bis zum Geräteproduzenten.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Die Nachfrage nach Computern ist im letzten Jahr eingebrochen, mit zum Teil drastischen Auswirkungen auf die Lieferkette – vom Chiphersteller bis zum Geräteproduzenten.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Taiwanische Auftragsfertiger für Halbleiter, allen voran Weltmarktführer TSMC, produzieren weit über die Hälfte aller weltweit verbauten Logikchips. So hatte Marktforscher Trendforce für Ende 2022 errechnet, dass der lokale Anteil der Unternehmen an der weltweiten Chipproduktion bei rund 66 Prozent lag. Damit nicht genug: Mehr als 80 Prozent der weltweiten PCs, 90 Prozent der Server und auch 80 Prozent der Videospielgeräte kommen aus den Fabriken taiwanischer Unternehmen – darunter fast die gesamte Produktion von Apples iPhones, Mac-Computern und iPads. Apple ist mit einer Marktkapitalisierung von aktuell über 2 Billionen US-Dollar die wertvollste Firma der Welt. Ihre sehr starke Position hat den taiwanischen Foundries und Tech-Herstellern in den letzten Jahren enorme Umsätze beschert – macht sie aber auch anfällig für Nachfragekrisen.

Genau eine solche ist jetzt eingetreten und sorgt bei den Fertigern für lange Gesichter: Der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Boom bei Consumer-Endgeräten wie PCs, Tablets, Fernseher und Smartphones ist vorbei; 2022 war der Markt gesättigt und der Absatz ging drastisch zurück. Die Folge: Taiwans führende Technologieunternehmen mussten in den letzten Monaten den größten Umsatzrückgang seit mindestens einem Jahrzehnt hinnehmen. Nach Angaben des NikkeiAsia-Nachrichtenmagazins deuten Auswertungen des Nikkei-Indexes auf einen deutlichen Rückgang bei der Nachfrage nach Chips hin, der weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Globus haben könnte.

Demnach haben 19 taiwanesische Tech-Hersteller, die Top-Player wie Apple, Microsoft und andere beliefern, im März zusammen 1,07 Billionen Neue Taiwan-Dollar erwirtschaftet – das entspricht 35,3 Milliarden US-Dollar oder rund 31,8 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 18,5 Prozent – und der größte Rückgang seit 2013.

16 von 19 Unternehmen mit Umsatzeinbußen

Der Umsatz von Hon Hai Precision Industry, besser bekannt als Foxconn und wichtigster Apple-Zulieferer, ging um 21 Prozent zurück. Halbleiterhersteller TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Co.) musste einen Umsatzschwund von 15,4 Prozent hinnehmen – der erste überhaupt seit etwa vier Jahren. Insgesamt mussten 16 von 19 Unternehmen im letzten Monat Umsatzeinbußen hinnehmen. Dies ist die höchste Zahl in den 10 Jahren, seit Nikkei die Umsätze der in der Asia300-Liste aufgeführten Technologieunternehmen erfasst.

Die sinkenden Einnahmen unterstreichen, wie sehr die Nachfrage nach digitalen Produkten seit dem Höhepunkt der Pandemie nachgelassen hat. Die Verbreitung von Telearbeit und Online-Schulungen hatte ab 2020 schlagartig viele Menschen zum Kauf von Personalcomputern und anderen digitalen Geräten getrieben.

Eine Folge der hohen Nachfrage nach Halbleitern war eine über viele Monate anhaltenden Verknappung – auch bei Chips für die Industrie und den Automobilsektor. Denn die Chiphersteller belegten in der Folge sämtliche verfügbaren Fertigungskapazitäten mit Consumer-Chips. Autohersteller und andere Unternehmen, die zuvor keine langfristigen Lieferverträge eingegangen waren und vielleicht auf sinkende Chippreise durch Überkapazitäten gepokert hatten, schauten plötzlich in die Röhre. Weltweit konnten Millionen Autos nicht ausgeliefert werden.

Volle Lager, schleppender Verkauf: Erholung erst ab Herbst – oder später

Nun also die PC-Branche, die zuvor so profitiert hatte: Nach Recherchen von NikkeiAsia wurde Quanta Computer, der weltweit drittgrößte Auftragsfertiger für PCs, besonders hart getroffen. Seit der sinkenden Nachfrage nach dem pandemiebedingten Boom brachen die Einnahmen des Unternehmens ein – allein im März 2023 um 15,9 Prozent.

Laut eines aktuellen Berichts des US-Marktforschers IDC wurden im ersten Quartal 2023 weltweit 56,9 Millionen PCs ausgeliefert – fast 30 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch Apple, das zuvor einigermaßen unbeschadet durch die Krise gegangen war, musste ein Absatzminus von 40,5 Prozent hinnehmen.

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Die chinesische Lenovo Group, weltweit Branchenführer in Sachen PC, musste in demselben Zeitraum einen Rückgang von 30,3 Prozent verkraften. HP verzeichnete einen Rückgang der Auslieferungen um 24,2 Prozent und Dell Technologies einen Rückgang um 31 Prozent.

Hinzu kommt, dass „die Lagerbestände der Vertriebskanäle für PCs immer noch weit über dem gesunden Bereich von vier bis sechs Wochen liegen“, wie Jitesh Ubrani, Forschungsleiter bei IDC betont. Selbst bei starken Preisnachlässen müssten die Unternehmen damit rechnen, dass die Lager noch bis zur Jahresmitte und möglicherweise bis ins dritte Quartal gut gefüllt blieben. Je nach den globalen wirtschaftlichen Entwicklungen könnte es bis zur vollständigen Erholung auch noch bis ins nächste Jahr dauern, warnen Experten.

Prozessoren, Speicher, Bildschirme: Viele Unternehmen sind betroffen

Diese Entwicklung ist auch auf die Hersteller von Flüssigkristallbildschirmen und Speicherhersteller durchgeschlagen: Der Umsatz des taiwanesischen LCD-Herstellers AUO sank um 31,6 Prozent, während der Umsatz des Konkurrenten Innolux um 26,8 Prozent zurückging. Nanya Technology, ein führender Hersteller von DRAM-Speichern, verzeichnete im März einen Umsatzrückgang von 68,1 Prozent. Laut NikkeiAsia geht der Präsident von Nanya Technology, Lee Pei-ing, davon aus, dass – nachdem die DRAM-Preise im ersten Quartal bereits um 7 bis 9 Prozent gesunken seien – diese im zweiten Quartal weiter sinken würden, da die Lagerbestände noch abgebaut werden müssten.

Der taiwanesische Analyste Fubon Investment Services geht davon aus, dass die Umsatz- und Gewinnzahlen von TSMC auch im zweiten und dritten Quartal rückläufig sein werden. Für das Gesamtjahr wird der Umsatz um 5,2 Prozent und der Nettogewinn um 23,4 Prozent sinken, so Fubon. Dies wäre der erste Rückgang des Nettogewinns von TSMC im Gesamtjahr seit vier Jahren und eine deutliche Umkehrung des Anstiegs um 70 Prozent im Jahr 2022.

Die Anlagen von TSMC seien im vergangenen Jahr voll ausgelastet gewesen, doch jetzt „arbeiten einige Produktionslinien aufgrund der schwächeren Nachfrage, insbesondere aus der PC-Industrie, nur noch mit etwa 50 Prozent“, zitiert NikkeiAsia eine Quelle bei einem mit TSMC verbundenen Hersteller.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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