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25 Jahre Übergang IPv6: Ist die IPv4-Ablösung überflüssig?

Von Manuel Christa 2 min Lesedauer

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IPv4-Adressen sind seit über einem Jahrzehnt ausgeschöpft. Dank IPv6 gibt es aber einen Nachfolger mit genügend neuen IP-Adressen. Seit über 25 Jahren hat dieser aber IPv4 noch immer nicht abgelöst. APNIC-Chefwissenschaftler Geoff Huston meint daher: Der Umstieg auf IPv6 sei „nicht entscheidend“.

Muss IPv6 überhaupt IPv4 ablösen?(Bild:  KI-generiert)
Muss IPv6 überhaupt IPv4 ablösen?
(Bild: KI-generiert)

Das Problem der Adressknappheit im Internet wurde bereits in den 1990er Jahren erkannt. IPv4 aus den 1980er Jahren ermöglichte etwa 4,3 Milliarden eindeutige Adressen. Doch mit dem Wachstum des Internets und der zunehmenden Anzahl von Computern, Mobil- und IoT-Geräten wurde schnell klar, dass dieser Adressraum nicht ausreichen würde. Die Lösung lautet seit 1998 IPv6 – das 128 Bit breite Adressfeld im Protokoll bietet mehr Kombinationen als wir je benötigen werden.

Geoff Huston, Chef-Wissenschaftler der APNIC, hat nun die aktuelle Situation des Übergangs zu IPv6 beleuchtet und stellt infrage, dass IPv4 überhaupt abgelöst werden muss.

Mehr Geräte im Internet als IPs vorhanden – und das Internet funktioniert noch

Die Anzahl der mit dem Internet verbundenen Geräte überstieg die Anzahl der verfügbaren IPv4-Adressen etwa um das Jahr 2011. Dies war der Zeitpunkt, als die Internet Assigned Numbers Authority (IANA) die letzten verfügbaren IPv4-Adressblöcke an die regionalen Internet-Registries (RIRs) verteilte. Aber bis heute dominiert IPv4 nach wie vor und IPv6 läuft bestenfalls parallel statt alternativ.

Das Henne-Ei-Problem besteht in der Wechselwirkung aus Providern (ISP), Websites und Nutzern Die ISP führen es nicht ein, weil keine Nachfrage besteht. Deren Kunden, die Webseitenbetreiber, bieten es nicht an, weil viele Besucher keine IPv6-Konfiguration unterstützen.

Erst 2045 könnte IPv6 das alte IPv4 ablösen.(Bild:  Geoff Huston, APNIC)
Erst 2045 könnte IPv6 das alte IPv4 ablösen.
(Bild: Geoff Huston, APNIC)

Warum IPv6 nicht unbedingt die Lösung sein muss

2024 unterstützen lediglich ein Drittel der Internetnutzer IPv6, belegt Huston. Zwar verbreitet sich IPv6 zunehmend, aber mit aktueller Geschwindigkeit würde IPv6 IPv4 erst 2045 vollständig ablösen können.

Mit Betonung auf „können“, denn laut Huston sei eine Ablöse durch IPv6 gar nicht mehr notwendig, denn:

  • Mittels Content Delivery Networks (CDN) und dem mobilen Datenverkehr sei die Adressknappheit weniger problematisch geworden.
  • Huston schlägt den pragmatischen Ansatz vor, den Übergang als abgeschlossen zu betrachten, wenn ein Dienstanbieter einen Internetdienst ausschließlich mit IPv6 betreiben kann, ohne IPv4-Zugangsmechanismen zu unterstützen.
  • Kosten und Aufwand für eine IPv6-Umstellung seien nach wie vor hoch.
  • Network Address Translation (NAT) habe die IPv4-Lebensdauer verlängert und ermögliche weiterhin eine „effiziente Nutzung vorhandener Adressen“.

Geoff Huston bezweifelt die Definition des Internets als Netzwerk mit gemeinsamen Adressraum und geht vielmehr von einem „Verbund von Diensten“ mit ähnlichen Zugriffsmethoden aus. Die Bedeutung von IP-Adressen und Netzwerken an sich nehme generell ab. „Wir schieben alles raus aus dem Netzwerk und rüber in die Anwendungen. Die Übertragungsinfrastruktur wird zu einem Rohstoff im Überfluss“, schreibt Huston. Da Rechenleistung bereits vor Ort vorhanden sei, werde zukünftig Anwendungen mehr lokal bei den Nutzern, sodass die Vernetzung an sich an Bedeutung verliere.

Seine Vision betont also eine flexible und pragmatische Herangehensweise an die Weiterentwicklung des Internets, bei der die Effizienz und Funktionalität der Dienste im Vordergrund stehen und nicht unbedingt der dem entgegenstehende technologische Fortschritt (des IPv6-Protokolls).

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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