Viele Unternehmen suchen händeringend Mitarbeiter. Häufig werben sie in englischer Sprache – und mitunter mit rätselhaften Eigenkompositionen. Doch manche weltläufig klingenden Stellenbezeichnungen erschweren die Talentsuche eher.
Englische Stellenbeschreibungen klingen oft cool, können aber Stolpersteine sein: Wenn Firmen etwa „Evangelists“ oder „Architects“ suchen, hat das in der Regel weder mit der Verbreitung des Christentums noch mit der Baubranche zu tun.
Berater adé – gesucht wird der „Evangelist“. Im Bemühen, sich einen weltläufigen Anstrich zu geben, wählen viele Unternehmen im deutschen Sprachraum englischsprachige Bezeichnungen in ihren Stellenausschreibungen. Das hat häufig nachvollziehbare Gründe. Doch gerät die Stellenbeschreibung allzu blumig beziehungsweise kryptisch, mindert das nach Einschätzung von Fachleuten die Erfolgschancen bei der Talentsuche.
Die Spanne reicht vom nüchtern Alltäglichen bis zum Rätselhaften. Einige Beispiele: „Evangelist & Project Manager“, „Venture Architect“, „Field Sales Activator“ oder auch „Product Owner“.
Die Nutzung von Englisch hänge mit der zunehmenden internationalen Geschäftstätigkeit und auch der steigenden Internationalität der Belegschaften in Deutschland zusammen, sagt Maike Andresen, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bamberg.
Häufig wird nur schriftlich in Englisch kommuniziert. In manchen Abteilungen großer Konzerne wird Englisch aber mittlerweile auch gesprochen. „Folglich werden auch die Stellenbezeichnungen und -beschreibungen nunmehr auf Englisch erstellt“, sagt Andresen.
„Der Arbeitsmarkt wird immer globaler, nicht zuletzt durch die vorherrschende Arbeitslosigkeit“, sagt Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktfachmann beim internationalen Stellenportal Stepstone, mit Blick auf den Personalmangel. „Aus diesem Grund kann es für Unternehmen sinnvoll sein, mit englischsprachigen Jobbezeichnungen zu arbeiten, da diese global anschlussfähig sind.“
Vom „Facility Manager“ bis zum „Cleaning Agent“
Größere Bekanntheit erlangt hat der „Facility Manager“, der den früher üblichen „Hausmeister“ verdrängt hat. Das Beispiel illustriert auch, wie die Fremdsprache für geschönte Stellenbezeichnungen genutzt wird. Denn viele der angebotenen „Manager“-Stellen sind keine Führungspositionen, ob nun Facility, Sales, Research oder Knowledge Manager. Ein Kölner Hotel sucht auf Stepstone einen „Cleaning Agent“ anstelle einer Reinigungskraft. Diese Bezeichnung ist bislang allerdings nicht weit verbreitet.
Eine ganz normale Angestelltenposition mit einem wohlklingenden englischen Titel zu versehen, kann für ein Unternehmen durchaus sinnvoll sein. „Wir sind in einem Bewerbermarkt, und da kann ein etwas pointierterer Titel helfen“, sagt Philipp Kolo, Fachmann für die Arbeitswelt bei der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group.
Schöne Verpackung, innen viel heiße Luft
Zu den Vorreitern blumiger Stellenbezeichnungen gehören IT-Firmen auf der Suche etwa nach „Evangelists“ oder „Architects“, die weder mit Verbreitung des Christentums noch der Baubranche etwas zu tun haben.
Der Terminus „architect“ solle den kreativen und schöpferischen Aspekt betonen, analog zur Tätigkeit eines echten Architekten, meint die Bamberger Professorin Andresen. Als „Evangelisten“ bezeichneten IT-Firmen ursprünglich Menschen, die Allgemeinheit und Kunden den Segen der Digitalisierung nahebringen sollten.
Deutsch = bieder?
Und umgekehrt haftet althergebrachten deutschsprachigen Stellenbezeichnungen häufig der Ruf des hoffnungslos Biederen an. „Wenn Sie junge, digital affine Talente suchen und einen Sachbearbeiter ausschreiben, wird diese Anzeige kaum jemand lesen“, sagt BCG-Berater Kolo. Am Ende müsse aber ein ausgefallener Titel auch zu dem Unternehmen und zu der Tätigkeit passen. „Wenn Sie "Schöner Wohnen" hinschreiben, und am Ende ist es doch die alte Amtsstube, dann funktioniert das nicht“, sagt Kolo.
Global tätige Firmen versuchen nach Kolos Einschätzung, darüber hinaus ihre Rollen global zu harmonisieren. „Wenn ein Unternehmen strategische Personalplanung betreibt und die Stellen in jedem Land anders heißen, fehlt die Vergleichbarkeit.“
Zielgruppe will vor allem Verständlichkeit
Doch wie werden englischsprachige Stellenbezeichnungen von denjenigen wahrgenommen, um die es geht? Studien dazu sind rar, doch 2008 hatte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bei Berufsanfängern deren Präferenzen abfragen lassen. „Damals ist herausgekommen, dass junge Leute vor allem Verständlichkeit wollen, und da sind Positionsbeschreibungen aus der Wirtschaft nicht unbedingt die besten“, sagt BIBB-Abteilungsleiterin Monika Hackel.
Stand: 08.12.2025
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„Es sollte sich erschließen, was die Tätigkeit ist, und die sollte sich spannend anhören. Es gibt Signale, die von Jugendlichen angenommen werden, aber Anglizismen gehören nicht dazu.“ Viele Stellenausschreibungen würden aus den jeweiligen Fachabteilungen heraus vorformuliert. „Da werden oft die internen Bezeichnungen genommen, ohne darüber nachzudenken, wie das bei den Rezipienten ankommt.“
Eigenkompositionen bei Stellenausschreibungen zu verwenden, könne Chance und Risiko sein, meint Hackel. „Einerseits öffnet ein Unternehmen damit den Suchraum zum Beispiel für Quereinsteiger. Das kann sinnvoll sein – vor allem, wenn das Unternehmen weiß, dass es in einem bestimmten Beruf ohnehin nicht genug Fachkräfte gibt.“ Aber wenn zu abstruse Bezeichnungen gewählt würden, „findet man die Ausschreibung vielleicht gar nicht“.
Wichtiger als heiße Luft beim Jobtitel: Gehaltsinfos
Eine wichtigere Rolle als eine schön formulierte Stellenausschreibung spielt ein ganz anderer Faktor: die Bezahlung. „Niemals fehlen sollte in einer Stellenanzeige mittlerweile die Angabe einer Gehaltsspanne“, sagt Stepstone-Fachmann Tobias Zimmermann.
Nach Stepstone-Daten sagen 80 Prozent der Kandidatinnen und Kandidaten, dass sie sich eher auf Stellen mit konkreten Gehaltsinfos bewerben. Und die Sprache spielt noch in ganz anderer Hinsicht eine Rolle: Unternehmen sollten nach Zimmermanns Einschätzung darauf achten, dass sich nicht nur Männer angesprochen fühlen.
Dieser Beitrag stammt von unserer Schwesterpublikation Elektronikpraxis.