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Programmierung im Zeitalter der KI-Assistenten Das sind die wichtigsten Programmier­spra­chen im Jahr 2025

Von Sebastian Gerstl 5 min Lesedauer

IEEE Spectrum hat sein jährliches Ranking der aktuell bedeutendsten Programmiersprachen veröffentlicht. Dabei zeigt sich: Immer häufiger werden KI-Assistenten und GenAI-Anfragen zur Programmierunterstützung eingesetzt. Das hat deutliche Auswirkungen auf die öffentlich sichtbare Code-Landschaft.

Das Aufkommen von KI-Assistenten macht sich vor allem bei Skriptsprachen, bei denen häufig „Vibe-Coding“ zum Einsatz kommt, deutlich bemerkbar. Aber auch Programmiersprachen, die für ganz spezielle Aufgabenbereiche zugeschnitten sind, scheinen mit dem Einsatz von GenAI zur Codegenerierung and Bedeutung – oder zumindest Sichtbarkeit – zu verlieren.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Das Aufkommen von KI-Assistenten macht sich vor allem bei Skriptsprachen, bei denen häufig „Vibe-Coding“ zum Einsatz kommt, deutlich bemerkbar. Aber auch Programmiersprachen, die für ganz spezielle Aufgabenbereiche zugeschnitten sind, scheinen mit dem Einsatz von GenAI zur Codegenerierung and Bedeutung – oder zumindest Sichtbarkeit – zu verlieren.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Python dominiert alles in der Welt der Programmiersprachen. Zu dieser wahrscheinlich wenig überraschenden Erkenntnis kommt die Analyse von IEEE Spectrum, die seit 2013 nach den alljährlich gefragtesten und verbreitetsten Programmiersprachen in der Coding-Landschaft sucht – ob nun in der IT, in Web-Anwendungen, bei Server-Applikationen oder in Embedded-Umgebungen.

Doch obwohl Python seit Jahren unangefochtener Spitzenreiter im Ranking ist, macht die diesjährige Analyse doch auf tiefgreifende Veränderungen in der Programmierlandschaft aufmerksam. Was weniger an der tatsächlichen Verbreitung der Programmiersprachen liegt, sondern an der Art und Weise, wie immer mehr Entwickler ihren Code schreiben.

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KI-generiertes Vibe-Coding

Die Art und Weise, mit der Programmierer arbeiten, verändert sich gerade grundlegend. Immer mehr Tool-Anbieter bieten mittlerweile KI-gestützte Assistenten, die bei der Erstellung von Programmcode zur Hand gehen. Auch sonst greifen Entwickler zunehmend zu generativer KI: Einer Umfrage der Marketingagentur Zebracat zufolge gaben 49% der befragten Programmierer an, schon einmal ChatGPT um die Generierung von Codeschnipseln gebeten zu haben. 38% räumten sogar ein, solche Schnipsel als wiederverwendbare Module oder Boilerplate-Code, also Referenzimplementierung, verwendet zu haben. Auch wenn solche Umfragen immer mit etwas Vorsicht zu genießen sind, geben sie doch durchaus den Trend wieder, der derzeit zu spüren ist.

Dies macht die Auswertung, welche Programmiersprachen gerade besonders angesagt oder nachgefragt sind, schwieriger. Denn je mehr solche KI-Tools zur automatischen Generierung genutzt werden, umso mehr gehen Anfragen in traditionelleren Quellen – Suchmaschinen wie Google, Austauschplattformen wie StackOverflow oder GitHub-Repositorien – zurück. So lag die Anzahl der Fragen, die 2025 pro Woche auf Stack Exchange gestellt wurden, laut IEEE Spectrum im Vergleich zum Vorjahr nur bei 22 Prozent.

Dank KI-Unterstützung müssen sich Programmierer immer weniger mit den Besonderheiten einer bestimmten Sprache auseinandersetzen. Das mach sich laut den Analysten von IEEE Spectrum unabhängig vom Erfahrungslevel des Coders bemerkbar. Es beginnt mit einfachen Anfragen zu Details der Syntax, dann werden Elemente wie Ablaufsteuerung und Funktionen generiert – und mit der Zeit wird immer mehr wird der KI überlassen.

Besonders stark mach sich dies bei Webanwendungen bemerkbar. JavaScript (in diesem Jahr Platz 5) und TypeScript (Platz 7) sind im diesjährigen Ranking bei den Suchanfragen im Verglich zu 2024 stark im IEEE Ranking zurückgefallen (2024 belegte JavaScript den dritten, Typescript den siebten Platz); die jüngste Supply-Chain-Attacke auf die npm-Paketverwaltung von JavaScript ist hierbei noch nicht einmal berücksichtigt, könnte aber für das kommende Jahr spürbare Auswirkungen haben. Gerade in diesen Bereichen, wo noch viel „Vibe-Coding“ betrieben wird, wird immer mehr Programmieraufwand für Funktionen und Elemente der generativen KI überlassen.

Dabei bleibt übrigens die Nachfrage für Expertise in JavaScript und TypeScript auf dem Jobmarkt ungebrochen stark; im Falle von JavaScript legte sie sogar wieder zu. Nur Entwickler mit Fachkenntnissen in Java (Platz 3 im Job Ranking), SQL (Platz 2 im Job Ranking) und Python (Platz 1 im Job Ranking) sind 2025 im Arbeitsmarkt noch mehr gefragt. Python und Java belegen auch wie in den Vorjahren unangefochten die Plätze 1 und 2 bei allen Suchanfragen im Netz und der Verbreitung in Repositorien wie GitHub.

Generativer KI ist egal, ob eine populäre Sprache für eine Anwendung auch geeignet ist

Doch der zunehmende Einfluss von in Tools integrierten KI-Assistenten, generativen KI-Anfragen über Plattformen wie Claude, ChatGPT oder expliziten Codierungs-Helfern wie Cursor macht sich auch in anderer Hinsicht bemerkbar: Laut IEEE Spectrum zeichnet sich ein Trend ab, der weg führt von Programmiersprachen, die expliziten Zwecken dienen, hin zu Allzweck-Code in einer weit verbreiteten „Allzweck-Sprache“ wie C. So bemerkten die IEEE Analysten, dass die Sprache R, die ganz speziell der statistischen Analyse dient, im Anwendungstrend trotz seiner weiter bestehenden Bedeutung zurückzufallen scheint. Doch generative KI greift für Anfragen zu diesem Zweck lieber auf das weiter verbreitete C zurück – womit statistische Analyse durchaus möglich, aber weitaus schwieriger umzusetzen ist. Wer nicht aufpasst, oder zu bequem ist sich in die Syntax einer neuen Sprache einzuarbeiten, kann auf diesem Weg schnell in Schwierigkeiten bei der Entwicklung geraten.

Dieser Trend könnte zu einer starken Verknappung der Programmiersprachen-Landschaft auf eine Handvoll weniger, weit verbreiteter Sprachen führen. Was auf dem ersten Blick naheliegend und positiv erscheint, kann gerade in Bereichen wie der Naturwissenschaft große Probleme schaffen. So mag etwa C-Code im Embedded-Bereich populär und leistungsstark sein, doch für wissenschaftliche Anwendungen oft alles andere als zielführend oder effizient.

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Zwar existieren bereits Forschungsbemühungen, die LLMs zu universelleren Codierern machen sollen. Doch LLMs werden immer noch vorrangig auf Basis der Sprachen trainiert, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt in Repositorien am stärksten vertreten sind – Python, Java, C/C++ und JavaScript liefern hierfür bereits Jahrzehnt an etablierter Code-Basis. Das macht es gerade neuen Sprachen schwieriger als je zuvor, Fuß zu fassen.

Die populärsten Sprachen 2025 – und ein Blick in die Zukunft

Damit verhärtet sich die Spitzenposition etablierter Sprachen nur weiter. Die Top 3 im Ranking für das Jahr 2025 belegen weiterhin Python, Java und das von Platz 4 auf 3 aufgestiegene C++. Neben dem klassischen C konnte auch C# im relativen Vergleich zu Python im Ranking zulegen und stieg von Platz 7 im Vorjahr nun wieder auf Platz 5. Skripte via Shell legten auch zu und finden sich 2025 sogar auf Rang 9 wieder (2024 war es noch Rang 14). Erstmals in den Top 15 vertreten ist die von Google geförderte Sprache Dart, dessen Code sich je nach Framework sowohl für mobile Anwendungen auf Arm- oder x86-Architekturen als auch in JavaScript-Webanwendungen kompilieren lassen kann. Die Skriptsprache Lua hat sich aus den Top 15 im Ranking verabschiedet (nun Platz 21), kommt aber noch gehäuft im Gaming-Umfeld zum Einsatz, vor allem bei der Entwicklung von Anwendungen für Minecraft- oder Roblox-Server.

Ob es 2026 noch ein IEEE Spectrum Ranking für Programmiersprachen geben wird, ist noch unklar: „Derzeit durchläuft die Programmierung den größten Wandel seit dem Aufkommen der Compiler in den frühen 1950er Jahren“, schreiben die Analysten anlässlich der für 2025 beobachteten Lage der Programmierwelt. Selbst wenn sich der aktuelle Trend der generativen KI als Blase entpuppen sollte, die kurz vor dem Blasen steht, wird die Entwicklung der letzten Jahre nachhaltige Spuren hinterlassen – vor allem, was den Einsatz und die Fähigkeiten von KI-Assistenten zur Code-Generierung betrifft. Es gilt daher als sehr wahrscheinlich, dass die Verwendung von LLMs zum Schreiben und Unterstützen von Code sich weiter durchsetzen wird. Wenn das der Fall ist, werden künftig komplett neue Metriken notwendig sein, um den Verbreitungsgrad einer Programmiersprache verlässlich einschätzen zu können.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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