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Strategischer Fahrplan zum kommenden 6G-Mobilfunkstandard 6G-Forschungsroadmap 2025-2030

Von Berk Kutsal 3 min Lesedauer

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Mit der neuen 6G-Forschungsroadmap legt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) den strategischen Rahmen für den Mobilfunkstandard nach 5G fest. Das Papier macht deutlich: 6G wird nicht als Funkupgrade verstanden, sondern als industrielle und sicherheitspolitische Grundarchitektur für KI, kritische Infrastrukturen und vernetzte Produktionssysteme

Die 6G-Forschungsroadmap positioniert 6G nicht als evolutionären Mobilfunkstandard, sondern als Plattform für KI-basierte, sicherheitskritische und industriell relevante Echtzeitsysteme.(Bild:  KI-generiert)
Die 6G-Forschungsroadmap positioniert 6G nicht als evolutionären Mobilfunkstandard, sondern als Plattform für KI-basierte, sicherheitskritische und industriell relevante Echtzeitsysteme.
(Bild: KI-generiert)

Mobilfunk der nächsten Generation wird in Berlin nicht länger als reines Infrastrukturthema behandelt. Mit der jetzt veröffentlichten 6G-Forschungsroadmap 2025–2030 definiert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) 6G ausdrücklich als Plattformtechnologie für Wirtschaft, Sicherheit und digitale Souveränität.

Dazu erklärt die Bundesministerin Dorothee Bär: „Die Forschung von heute schafft die Basis für die Wertschöpfung und für technologische Souveränität von morgen. Wir wollen bei 6G zu den Technologieführern gehören. Der neue Mobilfunkstandard 6G hat das Potenzial, unser technologisches Ökosystem neu zu definieren, mit enormen Sprüngen bei Performance, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Es gilt, jetzt die strategischen Weichen zu stellen, denn 6G ist ein wichtiger Innovationsmotor für Deutschland. Die 6G-Forschungsroadmap ist unser strategischer Fahrplan zum kommenden 6G-Mobilfunkstandard. Durch sie bringen wir deutsche Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik für 6G zusammen“.

In der Roadmap wird Mobilfunk also nicht mehr als reiner Transportdienst beschrieben, sondern als „Nervensystem einer digitalisierten und hypervernetzten Gesellschaft“. 6G soll sich von der Kommunikationsplattform zu einer offenen Dienst- und Integrationsplattform für KI-gestützte, echtzeitfähige Anwendungen entwickeln.

Damit verschiebt sich der Fokus von „schnellerem Netz“ hin zu einer Grundordnung für datenintensive, verteilte Rechen- und Automationssysteme, die KI, Edge- und Cloud-Infrastrukturen, Satelliten- und Drohnennetze (Non-Terrestrial Networks) sowie Sensorik zusammenführt.

Standardisierung wird zur Machtfrage

Die Roadmap macht offen, dass sich die internationale 6G-Entwicklung aktuell in der Studien- und Vor-Standardisierungsphase befindet. Wer in dieser Phase Architekturentwürfe, Vor-Spezifikationen, Patente und Referenz-Use-Cases einspeist, prägt die ersten kommerziellen 6G-Releases ab 2030. Die eigentliche Arena ist damit weniger der spätere Netzausbau als die laufende Normungsarbeit in internationalen Gremien wie dem 3GPP und ETSI.

Vor diesem Hintergrund ordnet das BMFTR 6G explizit der Sicherheits- und Verteidigungsforschung der Hightech Agenda Deutschland zu, um Abhängigkeiten in kritischen Lieferketten zu vermeiden, vertrauenswürdige Komponenten zu etablieren und Resilienz, Cybersicherheit und Nachhaltigkeit von Beginn an in die Spezifikationen einzubauen.

Transfer-Hubs als Industrie-Rampe

Kerninstrument der Umsetzung sind neue 6G-Transfer-Hubs, die ab 2026 aufgebaut werden sollen. Sie sollen Forschung, Industrie, Start-ups, Testbeds und Fachkräfteentwicklung in transferorientierten Ökosystemen bündeln. Bestehende Forschungs-Hubs werden dabei um Validierungs- und Gründungsstrukturen erweitert; Inkubatoren der Initiative StartUpConnect sollen ab 2027 integriert werden, um Forschungsergebnisse frühzeitig in vorkommerzielle Netzkomponenten, Prototypen und industrienahe Referenzarchitekturen zu überführen.

Parallel plant das Ministerium missionsgetriebene Verbundprojekte, die 6G-Technologien bis in prototypische Anwendungen bringen und gezielt Beiträge zur Vor-Standardisierung liefern.

Klare Use-Cases, klare Branchen

Für die Phase bis 2028 priorisiert die Roadmap Anwendungsfelder mit hoher gesellschaftlicher und industrieller Relevanz: automatisierte Produktion, intelligente Robotik, vernetzte Mobilität, resiliente Energieversorgung, digitale Gesundheitsversorgung, Telemedizin, Lokalisierungs- und Sensorikverfahren sowie automatisierte Landwirtschaft. In der anschließenden Phase bis 2030 sollen vorkommerzielle Netzkomponenten in skalierbaren Szenarien erprobt werden.

Technologisch adressiert das BMFTR unter anderem Campusnetze der nächsten Generation, verteilte Rechnerarchitekturen, KI-Integration, (Sub-)Terahertz-Kommunikation, integrierte Sensorik, Energieeffizienz, digitale Zwillinge sowie explorative Pfade bis hin zu Quanten- und molekularer Kommunikation.

Souveränität durch offene Standards

Ein weiteres Leitmotiv ist der Aufbau souveräner Wertschöpfungsketten. Die Roadmap betont offene Standards, Open-Source-Komponenten und eine aktive Patent- und Lizenzstrategie als Hebel, um eine wettbewerbsfähige europäische Zulieferindustrie zu etablieren und Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern zu vermeiden. Gleichzeitig soll die nationale und internationale Vernetzung mit „Wertepartnern“ dazu beitragen, eine harmonisierte globale 6G-Vision zu formen.

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