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Unterschiedliches Stimmungsbild in Unternehmen Zukunft der Arbeit spaltet Führungskräfte und Mitarbeiter

Autor / Redakteur: Bernhard Lück / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

64 Prozent der CEOs sind mit der Employee-Experience-Fähigkeiten ihres Unternehmens zufrieden – eine Ansicht, die nur 23 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilen. Dies ergab eine Befragung, deren Ergebnisse NTT in seinem Global Workplace Report veröffentlicht hat.

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NTT zufolge spiegelt die Kluft im Bewusstsein der Beschäftigten einen schwerwiegenden Mangel an Vertrauen wider.
NTT zufolge spiegelt die Kluft im Bewusstsein der Beschäftigten einen schwerwiegenden Mangel an Vertrauen wider.
(Bild: NTT)

Für die 2021er-Ausgabe des Global Workplace Report sammelte NTT Informationen zu den Bereichen Employee Experience – also den Erfahrungen der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz –, vernetzte Digitalisierung und Arbeitsplatzgestaltung. Die Studie liefere Gestaltungsansätze für die Zukunft der Arbeit, auf die sich Unternehmen auf der ganzen Welt nach der Pandemie einstellen müssten.

Die meisten Organisationen, so NTT, hätten zwar erkannt, welche Maßnahmen sie für die Modernisierung ihrer Arbeitsmodelle in den einzelnen Sektoren priorisieren müssen, viele seien aber noch nicht in der Lage, diese effektiv umzusetzen.

Remote-Arbeit beeinträchtigt die Unternehmensleistung

Die Befragung von weltweit 1.146 leitenden Angestellten sowie 1.400 Mitarbeitern belege, dass eine Mehrheit der Befragten die während der Pandemie erfolgte Zunahme von Remote-Arbeit kritisch beurteilt: 74 Prozent sehen dadurch die Unternehmensleistung beeinträchtigt und 76 Prozent bezeichnen Homeoffice als Herausforderung für die Angestellten. Und für 60 Prozent der Personalchefs habe sich das Wohlbefinden der Mitarbeiter im Laufe der Pandemie verschlechtert.

So seien nur 23 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Punkt Employee Experience mit ihrem Arbeitgeber zufrieden, während bei den CEOs immerhin 64 Prozent ihrem Unternehmen ein gutes Zeugnis ausstellen. Dieses unterschiedliche Stimmungsbild auf Seiten der Mitarbeiter spiegele einen schwerwiegenden Mangel an Vertrauen wider: Nur 38 Prozent erklären, dass ihr Arbeitgeber ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden in vollem Umfang schätzt, und lediglich 23 Prozent arbeiten sehr gern für ihr Unternehmen.

Arbeitsmodelle müssen hybrid, flexibel und sicher sein

Neben der Diskrepanz zwischen Arbeitgebern und Belegschaft bei der Einschätzung der Employee Experience zeige die Studie auch erhebliche Unterschiede in der Einstellung der Beschäftigten zu ihren persönlichen Arbeitsvorlieben. Demnach bevorzugten Arbeitnehmer, wenn sie die Wahl zwischen Homeoffice, hybrider Arbeit und Arbeit im Büro haben, diese Optionen zu fast gleichmäßigen Teilen. Dieses Ergebnis stehe im Widerspruch zu der in der Studie von 73 Prozent der Unternehmen vertretenen Ansicht, dass Mitarbeiter lieber im Homeoffice arbeiten.

„Derzeit dreht sich alles um das Homeoffice – aber die tatsächlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter sind viel komplizierter, und jedes Versäumnis, diese Tatsache präzise zu bewerten und darauf zu reagieren, stellt ein ernsthaftes Risiko für Unternehmen dar“, kommentiert Kai Grunwitz, Geschäftsführer von NTT Ltd. in Deutschland. „Wir haben festgestellt, dass die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben und die Pendelzeiten die beiden wichtigsten Faktoren sind, die die Menschen bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz berücksichtigen, sodass eine gute Personal- und Arbeitsplatzstrategie ein echter Wettbewerbsvorteil sein wird.“

Employee Experience als Basis für unternehmerisches Handeln

Die Studie zeige auch, dass in Unternehmen, die bereits zusammen mit der Belegschaft entwickelte Arbeitsplatzstrategien anwenden, die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit der Employee Experience auf das Doppelte ansteigt. Es sei also für Organisationen besonders wichtig, dass sie ihr unternehmerisches Handeln auf Basis gesicherter Einschätzungen der Mitarbeiter ausrichten. Doch davon seien die Unternehmen noch weit entfernt: Daten aus strukturierten Mitarbeiterbefragungen nach der Voice-of-Employee-Methode (VoE) und aus Arbeitsplatzanalysen priorisieren Unternehmen jeweils nur zu etwa 44 Prozent. Und lediglich 37 Prozent der Organisationen, so die Studie, nutzen strukturierte VoE-Programme und 37 Prozent Echtzeit-Stimmungsanalysen tatsächlich. 49 Prozent würden noch klassische Mitarbeiterbefragungen verwenden.

Die Studie zeige außerdem, dass für die Employee Experience noch weitere Aspekte eine wichtige Rolle spielen, die über die alltäglichen Verbesserungen hinausgehen. 85 Prozent der befragten Mitarbeiter und Führungskräfte seien der Meinung, dass Umwelt-, Sozial- und Governance-Ziele im Mittelpunkt der Unternehmensagenda stehen sollten. Für 40 Prozent der Befragten seien die Ziele und Werte einer Organisation sogar der drittwichtigste Faktor bei der Wahl des Arbeitsplatzes.

Schlussendlich sind laut Studie für die Zukunft der Arbeit fünf Bereiche von entscheidender Bedeutung:

  • Sicherheit am Arbeitsplatz,
  • Förderung von Hybrid- und Remote-Arbeit,
  • Wohlbefinden der Mitarbeiter,
  • Verbesserte Employee Experience,
  • Größere Nachhaltigkeit.

„Für mich sind die Ergebnisse ein Aufruf, unser Denken komplett umzustellen“, folgert Grunwitz. „Wichtig ist nicht, was wir tun, um den Arbeitsplatz zu verbessern, sondern wie die Belegschaft tatsächlich davon profitiert – und das kann ein Unternehmen nicht wissen, wenn es nicht über einen ausgereiften Ansatz zur Erfassung der Mitarbeiterstimmung verfügt.“ Überraschenderweise hätten laut Report zwei Drittel der Belegschaft angegeben, dass sie noch nicht mit allen Werkzeugen ausgestattet seien, die sie für die Arbeit im Homeoffice benötigen würden. Und lediglich 45 Prozent der Unternehmen seien mit der Eignung ihrer Büroräume für hybrides Arbeiten sehr zufrieden. Nichtsdestotrotz planten 80 Prozent der Firmen, ihre Büroräume in den nächsten zwölf Monaten umzugestalten, um ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das Innovationen und soziale Kontakte fördert. „Offensichtlich ist man sich auf einer gewissen Ebene bewusst, dass unausgereifte Personalstrategien zur Unzufriedenheit der Mitarbeiter führen und dass sich die Arbeit an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen orientieren sollte“, so Grunwitz.

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