Studie von Michael Page

Work-Live-Balance gerät aus dem Gleichgewicht

| Autor / Redakteur: Heidemarie Schuster / Andreas Donner

Die ständige Erreichbarkeit fördert die Vermischung von Arbeits- und Privatleben.
Die ständige Erreichbarkeit fördert die Vermischung von Arbeits- und Privatleben. (Bild: Pixabay)

Immer erreichbar zu sein, dank mobiler Endgeräte, ist Fluch und Segen zugleich. Die Working-Life-Studie von Michael Page zeigt auf, dass es Arbeitnehmern zunehmend schwer fällt, Grenzen zwischen dem Privat- und Berufsleben zu ziehen – zeitlich, persönlich sowie räumlich.

Noch schnell die E-Mails nach Feierabend checken oder ein Anruf vom Chef am Wochenende – für viele Arbeitnehmer wird das immer selbstverständlicher. Die Working-Life-Studie von Michael Page zur Vermischung von Privat- und Berufsleben zeigt auf, dass 65 Prozent der 5.197 Befragten in Europa ihre E-Mails auch außerhalb ihrer Arbeitszeit checken, 52 Prozent sogar am Wochenende. Auch geschäftliche Anrufe werden von knapp der Hälfte der Befragten (49 Prozent) auch nach Feierabend noch angenommen.

Die Gründe dafür sind unabhängig von der Position dieselben: 58 Prozent geben an, dass eine ständige Erreichbarkeit im Rahmen ihrer Verantwortung liegt. 27 Prozent fühlen sich verpflichtet für Chef und Kollegen auch in der Freizeit erreichbar zu sein. Ansonsten – so die Befürchtung – könnte ihr Ansehen in den Augen des Arbeitgebers leiden. Weitere 20 Prozent haben eher intrinsische Gründe: Sie beschäftigen sich mit manchen Themen einfach lieber außerhalb der regulären Arbeitszeit.

Ständige Erreichbarkeit

Viele Arbeitgeber fördern ihre Mitarbeiter dabei, mobil arbeiten zu können. So geben 78 Prozent der Studienteilnehmer an, ein Notebook von ihrem Arbeitgeber erhalten zu haben. 70 Prozent besitzen auch ein Diensthandy. Dieses ist meist griffbereit und wird von 48 Prozent sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext genutzt. Umgekehrt nutzen 35 Prozent ihr privates Handy auch häufig für Arbeitsangelegenheiten.

Was dabei häufiger vergessen wird: „Trotz Firmenhandy müssen Arbeitnehmer in der Regel nicht rund um die Uhr erreichbar sein“, betont Nils Richter, Senior Executive Director bei Michael Page. „Arbeitnehmer sollten sich und ihrem Chef klare Grenzen setzen und sich nach Feierabend regelmäßig bewusste Auszeiten nehmen – ohne schlechtes Gewissen. Bereits nach kurzen Pausen starten wir kreativer und konzentrierter wieder in die Arbeit, da der Stresspegel sinkt.“

Mobiles Arbeiten verlockt aber auch zu ständiger Erreichbarkeit. So geben 43 Prozent der Befragten an, die technischen Möglichkeiten mehrmals pro Woche zu nutzen, um auch außerhalb der Arbeitszeiten von zuhause zu arbeiten. Doch auch wenn 57 Prozent darin übereinstimmen, dass mobile Geräte negative Auswirkungen auf die Work-Life-Balance haben, möchten die meisten die Vorteile der örtlichen Flexibilität nicht missen. Für 64 Prozent überwiegen die Vorteile – sie sind davon überzeugt, dass sich mobiles Arbeiten positiv auf ihr Leben auswirkt.

Work-Life-Balance stimmt nicht mehr

Gleichzeitig werden auch private Angelegenheiten, wie Nachrichten an Freunde und Familie (71 Prozent) sowie persönliche Telefonate zur Koordination von privaten Terminen (77 Prozent) Teil des Arbeitsalltags. Auch wenn Home Office von den Befragten geschätzt und genutzt wird, verbringen sie den Großteil ihrer Arbeitszeit im Büro mit ihren Kollegen und Vorgesetzten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich 80 Prozent der Befragten mit Kolleginnen und Kollegen auch über private Themen austauschen.

Somit zeigen sich auch auf persönlicher Ebene starke Überschneidungen zwischen Privat- und Berufsleben: 41 Prozent der Umfrageteilnehmer treffen sich nach der Arbeit mit ihren Kollegen zum Sport oder gehen mit ihnen aus. Bei 51 Prozent zählt mindestens ein Kollege zum Freundeskreis.

„Arbeitgeber können diese Entwicklung nur begrüßen“, sagt Richter. „Denn Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit erhöhen den Team-Zusammenhalt. Mitarbeiter, die sich auch privat gut verstehen, sorgen für ein besseres Arbeitsklima und damit am Ende des Tages für mehr Produktivität und Innovation.“ Die Distanz zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten hingegen bleibt in den meisten Fällen bestehen: 86 Prozent der Befragten betrachten ihre Chefs nicht als Freunde.

Über die Studie

Die Working-Life-Studie zur Vermischung von Privat- und Berufsleben der Personalberatung Michael Page beruht auf den Antworten von 5.197 Kandidaten aus 13 europäischen Ländern. In Deutschland haben insgesamt 669 Personen teilgenommen.

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