Warum Experten weiter auf parallele Leitungen setzen

Wird das Ethernet mal wieder überflüssig?

| Autor / Redakteur: Dirk Srocke / Andreas Donner

Geschäftskritische Anwendungen sind auch weiterhin auf Kabel angewiesen.
Geschäftskritische Anwendungen sind auch weiterhin auf Kabel angewiesen. (Bild: VIT Archiv)

Mit dem geplanten WLAN-Standard IEEE 802.11ac erreichen drahtlose Netze Gigabitgeschwindigkeiten. Wir verraten, was bei der Migration zu beachten ist und wo Kabel weiterhin lohnen.

Mobile Mitarbeiter die private Tablets und Smartphones auch im Büro nutzen möchten liegen derzeit im Trend. Mit kommenden WLAN-Standards könnten nicht nur diese Gadgets performant ins Unternehmensnetz eingebunden werden. Wir gehen der Frage nach, was dabei zu beachten ist und ob Kupferkabel jetzt endgültig ins Museum gehören.

Das Institute of Electrical and Electronics Engineers arbeitet derzeit am Gigabit-WLAN und weckt damit wohlbekannte Träume von einem Ende kabelgebundener Netze in Firmen. Der Standard IEEE 802.11ac soll voraussichtlich Ende 2012 fertig werden und dann mindestens 1.000 Megabit pro Sekunde durch den Äther schicken. So beeindruckend das auf dem Papier klingt, mahnen Experten zur Vorsicht. Denn: Mit neuen Möglichkeiten werden auch die Anforderungen an Funknetze steigen und auch kabelgebundene Netze werden sich definitiv weiterentwickeln.

Zu beachten sind außerdem einige WLAN-Besonderheiten, die Anwender ziemlich ausbremsen können. Experten wissen: Schon der aktuelle Standard 802.11n nutzt von seinem theoretischen Potential nur etwa die Hälfte. In der Praxis bleiben Anwendern von 450 möglichen Megabit pro Sekunde unter Idealbedingungen noch 200 Megabit pro Sekunde für Nutzdaten. Ähnliches wird auch für den Folgestandard erwartet.

Erschwerend kommt hinzu, dass die bereits stark dezimierte Bruttobandbreite nicht für jeden Nutzer eines Access Points exklusiv nutzbar ist. Im Gegensatz zu kabelgebundenen Infrastrukturen handelt es sich bei Funknetzen nämlich um ein so genanntes shared Medium, also ein geteiltes Transportmedium.

Während Systeme per Gigabit-Ethernet exklusiv und direkt vom Switch mit der vollen Bandbreite beliefert werden, rangeln sich pro Access Point typischerweise fünf bis sieben Nutzer um die verfügbare Netzkapazität. Nutzer mit der geringsten Bandbreite ziehen dabei dann auch noch die maximal möglichen Transfergeschwindigkeiten in den Keller und bremsen andere Nutzer am gleichen Access Point aus.

Ergänzendes zum Thema
 
Implementierungshilfe: Reichweite und Bandbreite

Server und die Sinnfrage

Gegen WLAN und für drahtgebundene Infrastrukturen sprechen außerdem geschäftskritische Anwendungen und Netzzugänge. Deren Anforderungen an Performance, Zuverlässigkeit und Sicherheit werden noch immer am Besten per Kabel abgedeckt. Dementsprechend werden Backup-Server wohl auch künftig per Kabel angebunden bleiben. Des Weiteren stellt sich die Sinnfrage: Warum sollten Organisationen mit zahlreichen, an festen Arbeitsplätzen arbeitenden Angestellten diese auf Biegen und Brechen ins WLAN bringen, wenn die althergebrachten Infrastrukturen weiter ihren Dienst tun würden?

Bei aller Skepsis gegenüber den drahtlosen Netzen der Zukunft: Überflüssig ist IEEE 802.11ac dennoch nicht. Hierfür sorgt nicht zuletzt eine vom Web 2.0 geprägte Unternehmenskultur. Mitarbeiter von heute arbeiten zunehmend mobil und wollen auch beim sprichwörtlichen Gespräch an der Kaffeemaschine Zugriff auf aktuelle Geschäftsdaten haben, diese ad hoc mit Kollegen besprechen und neue Collaborationsformen leben.

Geschäftsprozesse werden daher zunehmend auf Smartphones und Tablet-PCs abgebildet, die aufgrund ihrer kargen Schnittstellenausstattung oftmals ausschließlich per WLAN in Firmennetze eingebunden werden können.

Access-Point-Dichte

"Es wird also noch eine ganze Weile so sein, dass wir beide Technologien parallel haben werden und wahrscheinlich wird es auch dabei bleiben." – fasst Axel Simon, Business Development Manager bei HP Networking, zusammen und gibt gleich noch einen Tipp zum Aufbau einer gut funktionierenden Infrastruktur. Wenn das WLAN drahtgebundene Netze zumindest teilweise ersetzen soll, müsse man entsprechend gut planen und eine recht hohe Access-Point-Dichte aufbauen.

Nach Stand der Technik bedeutet das nicht nur eine bloße, flächendeckende WLAN-Ausleuchtung; zusätzlich sollten IT-Verantwortliche auch die notwendige Netzkapazität überschlagen. Erster Anhaltspunkt hierfür könnte die Zahl von Nutzern mit Laptops sein.

Konkret gilt es bereits im Vorfeld zu klären, welche Durchsatzraten einzelne Anwender benötigen, um effizient arbeiten zu können. Nicht zu vernachlässigen ist außerdem eine möglicherweise zunehmende Nutzung mobiler Endgeräte, wie Tablets oder Smartphones.

Prüfwerkzeuge

Inwieweit die Anforderungen erfüllt werden lässt sich mit verschiedenen Prüfwerkzeugen testen, beispielsweise dem von Ixia angebotenen Tool IxVeriWave. Statt bloßer Heatmaps zur Funkversorgung erstellt das Tool Analysen zur wirklichen Nutzererfahrung drahtlos arbeitender Anwender (siehe Kasten).

Bei aller Konzentration auf das drahtlose Netz der Zukunft kann es nicht schaden, einen Gedanken an das drahtgebundene Netz der Vergangenheit zu verschwenden. Bei verstärkter WLAN-Nutzung könnten sich die bestehenden Switches und Router rasch als überdimensioniert herausstellen. Hier könnten unbemerkt unnötige Kosten für Energie und Kühlung auflaufen. Weitere Kostentreiber sind Wartung und Pflege eigentlich nicht mehr benötigter Hardware.

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