New School of IT

Wie Mobilitätsanforderungen die Enterprise-IT verändern

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Volker Gruhn / Andreas Donner

Die Mobilität ist erwachsen geworden – und IT-Abteilungen können nun vom Getriebenen zum Treiber werden.
Die Mobilität ist erwachsen geworden – und IT-Abteilungen können nun vom Getriebenen zum Treiber werden. (Bild: fotostar - Fotolia.com)

„Mobile First“ – nichts beschreibt die Entwicklung der letzten Jahre besser als diese Aufforderung. Kaum ein Unternehmen, das nicht zumindest in Teilen auf mobilisierte Geschäftsprozesse setzt. Viele stehen aber immer noch am Anfang des Weges hin zu einer „Mobile Company“.

Die Abfrage des Kontostandes während der Wartezeit am Flughafen, das Bestellen einer Blu-ray während einer U-Bahn-Fahrt oder gleich den Film online in einem Café anschauen: Vor zehn Jahren noch undenkbar, sind solche Tätigkeiten inzwischen selbstverständlich.

Die Art und Weise, wie Menschen sich informieren, wie sie einkaufen, aber auch welche Ansprüche sie an das Informationsangebot von Unternehmen haben, hat sich grundlegend verändert. Quer durch alle Branchen gilt: Kunden, Interessenten, Investoren und Mitarbeiter handeln zunehmend orts- und zeitunabhängig.

Mobilität ist dabei einen langen Weg gegangen: Was zu Beginn als Spielerei abgetan wurde, ist zu einem der zentralen Themen der IT geworden. Der Blick zurück auf die Entwicklung des Themas zeigt, wie sich der Fokus verschoben hat. Und er macht deutlich, welche Punkte wichtig sind, wenn IT-Verantwortliche Mobilität umfassend betrachten wollen.

Mobilität: darauf kommt es an

Angesicht der Vielzahl der Themen und Technologien besteht die Gefahr, dass sich Entscheider im Klein-Klein des Tagesgeschäftes verlieren und die strategische Bedeutung, die IT haben kann und sollte, aus dem Blick verlieren. Das Konzept der „New School of IT“ unterstützt IT-Experten dabei, diesen Blick auf das große Ganze zu bewahren. Dabei setzt sich die New School of IT nicht nur mit den Auswirkungen der Mobilität auseinander. Sie wurde entwickelt, um die IT-Trends Mobilität, Agilität und Elastizität – die maßgeblichen Treiber der Entwicklung – ganzheitlich zu betrachten und Strategien und Handlungsempfehlungen für Unternehmen abzuleiten.

Mobilität in aller Hände

Seit 2006 gehört der Anblick von Menschen, die fasziniert auf ein kleines Display in ihrer Hand schauen, zum Alltagsbild. Die zentralen Elemente der Website auf diesen Bildschirmen darzustellen, das war damals das Gebot der Stunde.

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Diese frühe Phase war geprägt von einem „Wir-müssen-da-irgendwie-mitmachen“-Ansatz. Aktivitäten waren meist Einzelaktionen, die weder zentral koordiniert wurden noch strategisch untermauert waren. Ein Phänomen, das sich auch heute noch in Unternehmen beobachten lässt: Was für den mobilen Zugriff entwickelt wird, ist oft nicht oder zu wenig eingebunden in die Unternehmensprozesse.

Schnell standen die IT-Verantwortlichen und ihre Teams vor einer Herausforderung: Je populärer das Thema Mobilität wurde, desto größer wurden die Anzahl der Betriebssysteme, Bildschirmgrößen, Hardwareausstattungen und Gerätegenerationen, die berücksichtigt werden müssen. Die Frage, auf welches „mobile Pferd“ wie gesetzt werden soll – mit nativen Apps oder Webapps oder Mischformen – ist für die Umsetzung immer noch entscheidend.

Anspruchsgruppen mit Anspruch

In der ersten Phase wurde vieles ausprobiert. Standards und Werkzeuge, die heute allgemein etabliert sind, standen noch nicht zur Verfügung. Das Augenmerk lag auf Einzelanwendungen. Erst nach und nach erkannten die Verantwortlichen und die Entwickler, welche Macht im gesamten mobilen Prozess liegt. Jetzt mussten sie sich über Backend-Anbindungen, Security oder Zahlungsfunktionen Gedanken machen. Funktionen, dank derer Anwender – egal, ob bei Kontoverwaltung oder Online-Einkauf – ein durchgängiges mobiles Erlebnis genießen können.

Von den neuen Möglichkeiten profitierten insbesondere die Mitarbeiter, die vor Ort beim Kunden aktiv sind. Einerseits erleichtert ihnen der permanente Zugriff auf Kundendaten die Arbeit. Andererseits lassen sich komplexe Produkte wie Finanzierungsangebote oder individuelle Maschinenkonfigurationen dank Touchscreen attraktiv präsentieren. Dabei galt es – und gilt auch noch heute – bei der Entwicklung mobiler Lösungen, das Anwendungsszenario im Blick zu behalten. Anwender, gleichgültig ob Kunden oder Mitarbeiter, sind verwöhnt, was Funktionen und Bedienkomfort angeht. Ihre Anforderungen zu kennen und attraktiv verpackt umzusetzen, ist der Schlüssel für die Entwicklung erfolgreicher mobiler Angebote.

Kein Stillstand bei der Mobilität

Heute scheint Mobilität angekommen zu sein. Im Alltag der Anwender ebenso wie in den Köpfen von Management und IT-Experten. Immer mehr Unternehmen verstehen, dass eine App noch keine mobile Strategie ist und dass die Diskussion über Technik nicht die Auseinandersetzung mit den Anwenderinteressen ersetzt. Einzelaktionen werden von Prozessen abgelöst, die von Beginn an mobil modelliert sind. Unternehmen verstehen es immer besser, die unterschiedlichen Kanäle zum Kunden miteinander zu verzahnen.

Es ist an den IT-Verantwortlichen, die Teile der Geschäftsprozesse zu identifizieren, die sinnvollerweise mobil unterstützt werden sollten. Aus Unternehmenssicht ist das die zentrale Frage im Hinblick auf Mobilität. Typischerweise bieten sich zunächst Querschnittsfunktionen wie Vertrieb und Service an. Mit diesen ersten Schritten in Richtung mobiler Strategie sind die Entscheider zunächst auf der sicheren Seite.

Anschließend wird die Auswahl der richtigen Prozesse schwieriger. Vor allem dann, wenn das Management belastbare Business Cases entwickeln will oder muss. Zur Quantifizierung können sie Methoden wie das „Mobile Process Landscaping“ einsetzen; die Erfahrung zeigt aber, dass die Ergebnisse solcher Analysen bestenfalls als Indikatoren dienen können. Die Beteiligten müssen ein exaktes Bild davon haben, was Kunden, Partner oder Mitarbeiter konkret mobil erreichen wollen, um zu sinnvollen mobilen Angeboten zu gelangen.

Auch wenn es bei Auseinandersetzung mit dem Mobilisierungspotenzial von Geschäftsprozessen auf die Details ankommt, können als Faustregeln gelten: Wenn mobile Lösungen zur Vermeidung von Medienbrüchen führen, dann rechnen sie sich leicht. Oder zumindest leichter. Wenn beim Informationsaustausch Orts- und/oder Zeitinformationen benötigt werden, dann sind sie dafür geeignet, Fehlerquoten zu senken. Und wenn das dann alles noch „leicht von der Hand geht“ – also Anwender mit benutzerfreundlichen Oberflächen und Systemen arbeiten – steht der erfolgreichen mobilen Strategie nichts mehr im Wege.

Vom Getriebenen zum Treiber

Mobilität fordert auch die Arbeitsweise und Aufstellung von IT-Abteilungen heraus: Denn mobil entwickeln bedeutet, schnell entwickeln, schnell veröffentlichen, schnell anpassen. Viele Unternehmen überdenken ihre Aufstellung und Arbeitsweise. Sie setzen auf neue Konzepte zur Softwareentwicklung: agile Methoden, bei denen neue Softwarereleases in kurzen Abständen bereitgestellt werden. Oder auf die gemeinsame Serviceverantwortung von Softwareentwicklung (Development) und IT-Betrieb (Operations) in DevOps-Strukturen.

Hinzu kommt: Neue mobile Anwendungen müssen fast immer mit vorhandener Software verbunden werden; gefragt ist klassisches Integration Engineering, wie es Entwickler schon von stationären Systemen kennen. Bei der ersten Generation mobiler Lösungen ist diese Problematik kaum aufgetreten. Diese Lösungen bedienten kleine oder kleinste Anwendungsfälle, sie mussten folglich mit nichts anderem integriert werden. Inzwischen sind diese mobilen Anwendungen aber „erwachsen“, somit wird das Zusammenspiel mit vorhandenen IT-Systemen zum Thema.

Mobilität verändert – gemeinsam mit den Trends Agilität und Elastizität – die Spielregeln, nach denen erfolgreiche Unternehmens-IT funktioniert. Die Verantwortlichen stehen nicht nur vor einem technischen Umbruch. New School of IT bedeutet auch, dass sich der Stellenwert von IT in Unternehmen verändert. Das Sehen von Zusammenhängen, das Etablieren neuer Geschäftsprozesse, die Ansprache neuer Zielgruppen: Die Grundlagen dafür werden – immer häufiger – in IT-Abteilungen geschaffen. Unternehmen „digitalisieren“ zusehends und IT emanzipiert sich aus der Rolle des Erfüllungsgehilfen der Fachabteilungen. Sie wird vom Getriebenen zum Treiber neuer Entwicklungen.

Prof. Dr. Volker Gruhn
Prof. Dr. Volker Gruhn (Bild: Adesso AG)

Über den Autor

Prof. Dr. Volker Gruhn (Jahrgang 1963) gründete 1997 die adesso AG mit und ist heute Vorsitzender des Aufsichtsrats. Er ist Inhaber des Lehrstuhls für Software Engineering an der Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsschwerpunkt in diesem Bereich bezieht sich auf mobile Anwendungen. Auf dem diesjährigen ENTERPRISE MOBILITY SUMMIT wird Gruhn das hier angerissene Thema im Rahmen eines Keynote-Vortags vertiefen.

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