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Software-Lizenzierung 2.0 Wie die Desktop-Virtualisierung die Lizenzlandschaft verändern wird

| Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Schon heute ist bei einigen Herstellern eine Übertragung von Lizenzen erlaubt, bei anderen wiederum nicht. Im Zuge der Desktop Virtualisierung wird das Feld der Lizenzvereinbarungen noch unübersichtlicher. Neue Lizenzmodelle tangieren dann auch IT-Spezialisten, die sich mit der Thematik deshalb schon jetzt auseinander setzen sollten.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Das Thema Lizenzmanagement in der Softwarebranche ist mittlerweile ein weites Feld für Juristen, die sich durchaus Erfolg versprechend auf diese schwierige Materie spezialisiert haben. „Denn es hängt von der Art der Lizenz ab, ob die Kunden eine Lizenz übertragen dürfen oder nicht“, sagt IDC-Marktanalyst Rüdiger Spiess: „Dabei haben wir das ganze Feld des Outsourcings noch außen vor gelassen.“

Hinzu komme, dass auch die Virtualisierung des IT-Arbeitsplatzes immer konkrete Formen annehme. Viele Anwender fordern und einige Hersteller pushen derzeit so genannte OnDemand-Lösungen. Das lange Jahre tot geglaubte und um das Jahr 2000 propagierte Application Software Providing, lebt als Software as a Service (SaaS) wieder auf. Zwangsläufig müssen sich deshalb auch die IT-Spezialisten damit beschäftigen.

Für sie gilt es beim Management der Softwarebestände ohnehin, durchgängig für die Transparenz und den Überblick zu sorgen. Das Problem im Nachgang allein mit dem Hersteller auszumachen, etwa durch eine Neujustierung bei Volumenlizenzen, reicht künftig kaum mehr aus. Aber auch die Hersteller sind gefordert, sich bei der Einführung von OnDemand bzw. SaaS-Lösungen mit klar nachvollziehbaren Lizenzmodellen auseinanderzusetzen.

Auf der anderen Seite werden dadurch auch für Unternehmen die Kalkulation und eine ROI-Berechnung für einen konkreten Geschäftsvorfall (Business Case) sehr viel komplexer. „Das erfordert auf Anwenderseite eine weitaus höhere Kompetenz bei der Erstellung von Profitabilitätsanalysen“, gibt Rüdiger Spiess von IDC zu bedenken. Ein „mentales Upgrade“ sei deshalb auf beiden Seiten erforderlich. Fest steht derzeit nämlich nur, dass die Hersteller ihre Lizenzmodelle anpassen werden, etwa indem sie auf „pay per use“ mit oder ohne Sockelbetrag umstellen.

Die Tücke steckt im Detail

Einerseits wird es dadurch für die Anwender einfacher mit der pauschalen Nutzung (Flatrates) bei Anwendungen zu kalkulieren, etwa innerhalb einer CRM-Software mit einem Betrag von 100 Euro pro Nutzer und Monat. Wird aber diese einfache Form des Anwendungsbezugs nicht eingehalten und gibt es auch OnSite-Komponenten, steigt der Messaufwand auf beiden Seiten, also sowohl für die Hersteller als auch für die Anwender.

„Damit wird auch die Kontrollierbarkeit und Kalkulierbarkeit schwieriger“, gibt der IDC-Analyst zu bedenken. Folglich seien zusätzliche Instrumente bzw. Tools erforderlich, die genaue Auskunft über das Verbrauchsverhalten der Softwarefunktionen der Endanwender geben, empfiehlt Rüdiger Spiess.

Wie sich Unternehmen bzw. die IT-Spezialisten dennoch bereits jetzt auf neue Lizenzmodelle wie SaaS oder Software on Demand vorbereiten können, erläutert Stephan Glathe, Geschäftsführer beim Lizenzmanagement-Spezialisten enteo Software. Nur abwarten, was auf die Unternehmen zukomme, reiche nicht aus. „Die Kunden benötigen in jedem Fall eine Lösung zur Inventarisierung der auf den Endgeräten installierten Software.“

Einige Lizenzmodelle erfordern zudem auch die Ermittlung der Softwarenutzung oder von Hardwareeigenschaften. Damit könne der Kunde einen Überblick gewinnen, welche Assets (Soft- und Hardware) vorhanden seien, empfiehlt der Experte. Zudem gelte es, proaktiv die vorhandenen Lizenzverträge zu sammeln und insbesondere für neue Lizenzmodelle gemeinsam mit den IT-Verantwortlichen eine Ermittlung des Lizenzbedarfs durchzuführen.

Da ein manuelles Lizenzmanagement sehr schnell an seine Grenzen stößt, empfiehlt enteo Software den Einsatz einer maßgeschneiderten Lizenzmanagement-Lösung. „Mit Blick auf neue zukünftige Lizenzmodelle sollte der Kunde darauf achten, dass die Lösung über ein offenes und einfach zu erweiterndes Regelwerk zum Abbilden der Lizenzmodelle verfügt“, fasst Glathe zusammen. Idealerweise biete eine optimale Lösung auch die Möglichkeit, neue Lizenzmodelle und Vertragstemplates per Download zur Verfügung zu stellen.

Neue Spieler beleben den Markt

Zusätzlich forciert wird der Markt durch zahlreiche neue Spieler im Bereich der Server- und Desktop Virtualisierung. Mit den SWsoft Virtuozzo Management Tools etwa soll die Verwaltung der Virtualisierungslösungen anderer Hersteller möglich sein. SWsoft setzt in der ersten Phase der Markteinführung auf die Unterstützung von VMware und Xen. Aber auch andere Technologien sollen bald schon folgen.

Damit erhielten die Administratoren von Rechenzentren eine bisher beispiellose Kontrolle über ihre virtualisierten Ressourcen, da sie nun verschiedene Virtualisierungslösungen einsetzen könnten, ohne an die Verwaltungswerkzeuge eines einzelnen Herstellers gebunden zu sein, bekräftigt Serguei Beloussov, CEO bei SWsoft. „Die Software-Lizenzierung, so wie wir sie bisher kannten, stirbt aus oder ist schon tot“, bilanziert der Experte.

Die neuen Anbieter versuchen daraus Kapital zu schlagen und von der neuen Unübersichtlichkeit zu profitieren, die auch erhebliche Auswirkungen auf die Kostenstruktur nach sich zieht. Die Kunden hätten mehr Klarheit verdient bei der Betriebssystem-Lizenzierung, so Beloussov weiter. „Warum sollte man ein Vielfaches für die gleiche Software zahlen, wenn die Virtualisierung physische Server nicht leistungsstärker und Anwendungen nicht schneller mache.

Im Falle der auf das jeweilige Betriebssystem gemünzten Virtualisierung sollten nach Auffassung des CEO von SWsoft nicht auf einen Schlag mehrere Kopien eines Betriebssystems zum Einsatz kommen, sondern die gleiche Kopie einer Anwendung könnte innerhalb mehrerer Partitionen genutzt werden. Von diesem Trend in der Virtualisierung könnten am Ende auch die Software-Hersteller selbst profitieren.

„Dies erschließt neue Einsatzmöglichkeiten und Möglichkeiten für Lizenzeinnahmen, bei für den Kunden gleichzeitig sinkenden Kosten pro Benutzer“, fasst Beloussov zusammen. Aus Sicht der Anwender bzw. Unternehmen ist dabei vor allem bedeutend, dass die Spielregeln nicht willkürlich von den Software-Herstellern geändert werden. Eine Option wäre deshalb, dass die Software-Hersteller nur für genutzte, messbare Einheiten zahlen, die für den Gebrauch der Software relevant sind.

Dieser Spagat der Zerlegung in messbare kleine Softwareeinheiten könnte nach Auffassung von SWSoft zugleich die große Herausforderung der Lizenzverwaltung in der virtualisierten Welt lösen. Ein anderer Lösungsweg bestehe darin, ein völlig neues und „nutzenbasiertes“ Lizenzmodell zu generieren, so Beloussov weiter. In diesem wählt der Kunde flexibel das beste Modell für seine jeweils eigene Umgebung aus, so wie es etwa bei Datenbank-Lizenzen bereits üblich sei.

Fazit: Lizenzlandschaft wird noch komplexer

Auch die Mehrkern-CPUs stellen eine weitere Herausforderung für die Software-Hersteller dar. Denn die einfache serverbasierte Lizenz passt nun nicht mehr so einfach ins Schema. Im Aufwind befinden sich zudem verstärkt so genannte Hybrid-Lösungen, bei denen ein Teil der Funktionalität OnSite abgewickelt wird, das heißt direkt unter der Herrschaft des Endanwenders, während andere Funktionalitäten OnDemand von einem oder mehreren IT-Herstellern bezogen werden.

Eine ergänzende Schwierigkeit liegt zudem in der Komplexität der Service-orientierten Architekturen (SOA). Welche Modelle sich letztlich durchsetzen, ist derzeit noch unklar. Selbst Microsoft hätte hier alles andere als eine klare Lösungsformel parat, gibt Brian Gammage, Vice President Client Computing Research, bei den Marktforschern von Gartner zu bedenken.

„Bei Großkunden sollten komplexere Preismodelle akzeptabel bleiben, ergänzt Rüdiger Spiess von IDC. Insbesondere das Ringen um neue Wettbewerbsanteile im Mittelstand dürfte künftig aber von einfachen und flexiblen neuen Lizenzmodellen beeinflusst sein. Mittelfristig müssen sich also auch die IT-Spezialisten mit einer zunehmenden Komplexität der Lizenzmodelle auseinandersetzen, wie sie etwa im Bereich der Telefonkommunikation bereits existieren.

Dort gibt es schon heute eine Unzahl von gestaffelten Telefonie-Tarifen für die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle. Experten rechnen zwar nicht unbedingt damit, ein ähnlich gelagertes Chaos künftig im Applikationsbereich der Softwarebranche vorzufinden. „Dennoch gibt die Desktop Virtualisierung einen kleinen Vorgeschmack, mit welchen Problemen sich zukünftige ROI-Kalkulationen und Budgetverantwortliche herumschlagen müssen“, bilanziert Rüdiger Spiess von IDC.

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