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Herausforderung durch Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle Wie Automatisierung die Cloud-Anbindung vereinfacht

Von Dr. Thomas King

Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle stellen viele Unternehmen vor große Herausforderungen, weil IT-Infrastrukturen immer komplexer werden. Aber Automatisierung kann Cloud-Konnektivität einfacher, sicherer, flexibler und kosteneffizienter machen, erläutert Dr. Thomas King, CTO bei DE-CIX.

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Eine intelligente Automatisierung, die interne Systeme und Prozesse mit Cloud-Ressourcen und der passenden Konnektivität verknüpft, bringt Unternehmen entscheidendende Vorteile, sagt Dr. Thomas King von De-CIX.
Eine intelligente Automatisierung, die interne Systeme und Prozesse mit Cloud-Ressourcen und der passenden Konnektivität verknüpft, bringt Unternehmen entscheidendende Vorteile, sagt Dr. Thomas King von De-CIX.
(Bild: Adrian Vidak / DE-CIX)

Nicht zuletzt durch die starke Zunahme von Homeoffice & Co. während der globalen Corona-Pandemie, ist die Cloud immer wichtiger geworden. Von Office-Applikationen bis hin zu IT-Security, all das beziehen Unternehmen heute aus der Cloud – und zwar nicht nur aus einer. Hybrid- und Multi-Cloud-Modelle sind eher die Regel als die Ausnahme.

Es kann sich heute kein Unternehmen mehr leisten, alles „auf eine Karte“ zu setzen, wenn es um die Cloud geht. Multi-Cloud-Strategien ermöglichen es, die besten Services und Applikationen von verschiedenen Cloud-Anbietern zu nutzen und diese optimal auf die Bedürfnisse ihrer Unternehmen abzustimmen. In der Finanzbranche ist eine Multi-Cloud-Strategie sogar für die Finanzdienstleistungsbranche zu einer Compliance-Verpflichtung geworden.

Laut der European Cloud User Coalition (ECUC) [Positions-Papier als PDF] steigt bei einer Cloud-Konzentration – also der Nutzung nur eines Anbieters – das Risiko der Finanzinstabilität. Außerdem sollten Nutzer einer Studie der Technologieanbieter Cloudera und Simudyne [PDF] zufolge auf vertrauenswürdige und auf mehrere Cloud-Anbieter setzen, die auf einer weit verbreiteten Plattform aufbauen. Dadurch sinkt das "settlement risk exposure" – also die Wahrscheinlichkeit, dass eine oder mehrere Parteien bei einer Transaktion ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen.

Effizientere Multi-Cloud Strategie durch Automatisierung

Die gleichzeitige Nutzung von verschieden Cloudanbietern und On-Premises-Ressourcen machen IT-Infrastrukturen von Unternehmen immer differenzierter und komplexer. Denn es müssen nicht nur die richtigen Cloud-Ressourcen gebucht und skaliert werden, diese müssen auch performant in das Unternehmensnetzwerk eingebunden werden. Damit das reibungslos funktioniert, gibt es inzwischen spezielle Angebote zur Cloud-Konnektivität. Dennoch entsteht hier ein enormer Mehraufwand für IT und Netzwerk-Teams, je mehr Cloudanbieter angeschlossen werden müssen. Und: Je komplexer die IT-Infrastruktur, umso höher das Fehlerpotential. Selbst die größten Marktteilnehmer sind vor solchen Risiken nicht sicher, wie bspw. der letzte Ausfall bei Facebook zeigte. Der Social-Media-Riese war aufgrund einer Fehlkonfiguration weltweit mehr als sechs Stunden lang offline.

Eine Lösung, die Arbeitsbelastung der Netzwerk-Experten zu senken ist daher, die Buchung und Skalierung von Cloud-Konnektivität sowie anderer Interconnection-Services so weit wie möglich zu automatisieren und dem von Cloud-Ressourcen bekannten, flexiblen On-Demand-Modell anzupassen.

Flexibilisierung und Automatisierung der Bereitstellung von Interconnection

Cloud-Ressourcen lassen sich schon seit langem flexibel buchen und skalieren. Ähnlich wie die bekannten Hyperscaler, die On-Demand-Dienste mit zeitgenauer Abrechnung anbieten, folgen nun auch die Interconnection-Anbieter diesem Ruf. Flexibilität ist zunehmend gefragt, damit die jeweiligen Bedürfnisse von Unternehmen in Bezug auf Anbindung an bestimmte Clouds und benötigte Bandbreiten dynamisch erfüllt werden können. Statische Langzeitverträge werden bei der Vernetzung ebenso wie das Festhalten an ungenutzten Bandbreiten bald der Vergangenheit angehören.

Ein Beispiel: Ein großer Application-Provider plant in naher Zukunft eine Aktualisierung seiner Anwendung (z.B. Betriebssystem, Büroanwendung oder ein Spiel), die weltweit ausgerollt werden soll. Das führt zu einem neuen, kurzfristigen Bedarf an zusätzlicher Verbindungsbandbreite. Über eine Self-Service Portal oder eine API lässt sich die Bandbreite – ebenso einfach, schnell und flexibel wie von Cloud-Ressourcen gewohnt – nur für den benötigten Zeitraum erhöhen. Sobald die Aktualisierung abgeschlossen ist und alles reibungslos funktioniert, kehrt der Provider zur gewohnten Bandbreite zurück, die für das Tagesgeschäft ausreichend ist. Dies hat zur Folge, dass der Kunde immer nur für die tatsächlich benötigte Bandbreite bezahlen muss.

Automatische Konnektivität via API

Nicht alle Anpassungen lassen sich vorausplanen wie in unserem Beispiel. Immer öfter müssen Unternehmen auf plötzliche Nachfragespitzen reagieren oder außergewöhnliche Situationen erfordern plötzliche Anpassung in bisher ungekanntem Ausmaß – wie der massenhafte Wechsel von Arbeitskräften ins Homeoffice zu Beginn der Corona-Pandemie im Jahr 2020. In diesen Fällen reicht eine Anpassung in einem Self-Service-Portal eventuell nicht aus, sondern es muss noch schneller und vor allem automatisch reagiert werden können.

Hier greifen Unternehmen auf APIs zurück, mit denen sie externe Dienste in ihre eigenen Systeme einbinden. So lassen sich bei intern gemessenen Leistungsspitzen automatisch Cloud- oder eben auch Interconnection-Bandbreiten anpassen. Damit das auch für Interconnection reibungslos funktioniert, haben führende Unternehmen der Interconnection-Branche – darunter auch DE-CIX – den Industriestandard IX-API entwickelt. Er ermöglicht die schnelle Programmierbarkeit von teilnehmenden Internet Exchanges (IXs).

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So können beispielsweise Peering, Point to Point Verbindungen, Cloud-Verbindungen und vieles mehr über diese einheitliche Schnittstelle konfiguriert werden. Das Ziel von IX-API ist es, IX-Kunden und IXs eine gemeinsame Schnittstelle für die Bereitstellung von Services an mehreren Internet Exchanges zur Verfügung zu stellen. Dadurch ergibt sich eine einheitliche Automatisierungs-Plattform, die für Kunden leichter zu bedienen ist und eine bessere Anbindung ermöglicht.

Durch die Bereitstellung einer Standard-API-Language für mehrere Exchanges können zudem die Implementierungskosten für Kunden drastisch gesenkt werden. Auch DE-CIX nutzt eine auf der IX-API basierende Schnittstelle und ermöglicht darüber die flexible und bedarfsgerechte Bereitstellung und Nutzung von Interconnection-Diensten in nur wenigen Augenblicken. Neben der Möglichkeit, die Bandbreite von Verbindungen automatisiert zu erhöhen oder zu verringern, ermöglicht die DE-CIX API auch die Einrichtung dedizierter Direktverbindungen zu verschiedenen Cloudanbietern. Das ist ideal für geschäftskritische Anwendungen wie die Verwaltung von Transaktionsdaten, IoT- und KI-Anwendungsfälle sowie für latenzempfindliche Anwendungen, die aus der Cloud bezogen werden, wie etwa Virtual-Desktop-Lösungen und Videokonferenzen.

Patch-Roboter im Einsatz beim Internetknoten DE-CIX in Frankfurt am Main.
Patch-Roboter im Einsatz beim Internetknoten DE-CIX in Frankfurt am Main.
(Bild: De-CIX)

Robotereinsatz im Rechenzentrum

Die Infrastruktur moderner IXs ist heutzutage zum größten Teil virtualisiert und die Zusammenschaltung erfolgt softwareseitig und ebenfalls automatisiert. Sollte eine neue physische Verbindung notwendig sein, kann das auch ein Patch-Roboter erledigen. Der DE-CIX Internetknoten in Frankfurt betreibt beispielsweise drei solcher Patch-Roboter: Patchy McPatchbot, Sir Patchalot und Margaret Patcher. Diese Roboter können bei Bedarf neue Glasfaser-Verbindungen zu jeder Tages- und Nachtzeit herstellen und somit neue Kunden-Ports anschließen, aufrüsten und Bandbreiten anpassen. Ein solcher Prozess dauert nur wenige Minuten und wird lediglich remote von Technikern überwacht.

Fazit

Die Vernetzung über Netzwerkgrenzen hinweg sowie die flexible Kombination von Cloud- und On-Premises-Ressourcen ist der entscheidende nächste Schritt in der Digitalisierung von Industrie und Wirtschaft. Die daraus resultierende zunehmende Komplexität erfordert allerdings eine reibungslose Integration von IT-Diensten in das Unternehmensnetzwerk und die Unternehmensprozesse.

Dr. Thomas King.
Dr. Thomas King.
(Bild: Adrian Vidak / DE-CIX)

In zunehmend volatilen Zeiten können sich Unternehmen weder Fehler noch Verzögerungen leisten. Eine intelligente Automatisierung, die interne Systeme und Prozesse mit Cloud-Ressourcen und der passenden Konnektivität verknüpft, bringt Unternehmen einen entscheidenden Vorteil – sowohl zeitlich als auch was Resilienz gegenüber Sicherheitsvorfällen angeht. Zudem macht Automatisierung Cloud-Konnektivität flexibler und effizienter, weil die Ressourcen dem aktuellen Bedarf entsprechend gebucht und Kosten reduziert werden können.

Über den Autor

Dr. Thomas King ist Chief Technology Officer (CTO) bei DE-CIX.

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