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Netzwerk-Grundlagen – Windows Essential Server Solutions, Teil 1 WESS – Serverpakete für kleine und mittlere Unternehmen

Autor / Redakteur: Markus Widl / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

In vielen kleinen Unternehmen stellt heute schon ein Microsoft Small Business Server den Mittelpunkt der Netzwerklandschaft dar. Mit einer bereits vorbereiteten Konfiguration der wesentlichen Komponenten, wie Active Directory und Exchange Server, ist damit die Administration weniger komplex als bei Einzelprodukten. Mit dem Essential Business Server bietet Microsoft nun auch für mittlere Unternehmensgrößen ein vorkonfiguriertes Serverpaket an. IP-Insider.de widmet dem Small Business Server 2008 und dem Essential Business Server 2008 eine Artikelserie.

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Windows Essential Server Solutions (WESS) fasst SBS und EBS zusammen
Windows Essential Server Solutions (WESS) fasst SBS und EBS zusammen
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Produkte Microsoft Small Business Server 2008 (SBS) und Microsoft Essential Business Server 2008 (EBS) werden unter dem neuen Begriff Windows Essential Server Solutions (WESS) zusammengefasst. Hiermit sollen kleine und mittelgroße Unternehmen mit bis zu 300 PCs mit der soliden Basis wichtiger Server-Komponenten bedient werden. Dabei lässt Microsoft nicht außer Acht, dass in kleinen Unternehmen häufig kein eigenes IT-Personal vorhanden ist, sondern die Administration von einem Mitarbeiter oder gar dem Geschäftsführer nebenbei betrieben wird.

In Unternehmen mittlerer Größe ist zwar meist eigenes IT-Personal vorhanden, doch sind für diese die Aufgabenfelder extrem breit. Während in Großunternehmen Spezialisten für einzelne Produkte vorhanden sind, müssen hier alle Komponenten wie Verzeichnisdienst, Mail, Firewall, VPN, Softwareverteilung, Updates, Anwendungen, etc. von dem oder den selben Mitarbeitern betreut werden.

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SBS mit einfacher Administrationsoberfläche

Das „kleinere“ Produkt, der SBS, ist für Unternehmen bis maximal 75 PCs konzipiert worden. Diese Grenze wird auch strikt durchgesetzt, denn mehr als diese Anzahl an Zugriffslizenzen werden nicht unterstützt. Doch dazu später noch mehr.

Der SBS ist speziell für den Betrieb ohne spezielles IT-Personal gedacht und bringt deshalb an vielen Stellen Assistenten mit, mit denen die Administration auch ohne Expertenkennnisse möglich sein soll. Der EBS dagegen ist für maximal 300 PCs ausgelegt und erfordert für den sinnvollen Betrieb eigenes IT-Personal. Vereinfachende Assistenten sind hier nicht anzutreffen, jedoch eine spezielle Administrationskonsole, mit der an zentraler Stelle Informationen zusammengefasst und von wo aus Alltagsaufgaben durchgeführt werden können.

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Zwei Editionen für unterschiedliche Anforderungen

Der SBS wird in zwei Editionen angeboten. Die Standard-Edition besteht aus folgenden Komponenten:

  • Windows Server 2008 Standard
  • Exchange Server 2007 Standard als Mailsystem
  • ForeFront Security for Exchange Server, Small Business Edition zum Schutz des Mailsystems vor Viren und Spam, allerdings nur als 120 Tage-Version
  • Windows SharePoint Services 3.0 zur zentralen Dokumentenablage und Zusammenarbeit
  • Windows Server Update Services 3.0 zur Verteilung von Microsoft-Updates
  • Windows Live OneCare for Server, einem dateibasierten Virenschutz für den Server, ebenfalls nur als 120 Tage-Version

Im Vergleich zur Vorversion fällt auf, dass keine Firewall mehr enthalten ist (von der Windows-eigenen Firewall einmal abgesehen). Der Einsatz einer separaten Firewall ist deshalb obligatorisch.

Alle Komponenten werden bei der Installation auf einer Server-Instanz eingerichtet. Eine Verteilung auf unterschiedliche Server ist nicht vorgesehen.

Neben der Standard-Edition wird die Premium-Edition angeboten, die eine weitere Windows Server 2008 Standard-Lizenz und außerdem eine SQL Server 2008 Standard-Lizenz mitbringt, womit ein zweiter Server bestückt werden kann. Theoretisch kann der SQL-Server aber auch auf dem primären Server mit installiert werden, allerdings dann nur ohne die Verwaltungstools, welche auf einem anderen Computer eingerichtet werden müssen.

weiter mit: Einschränkungen beim Einsatz

Einschränkungen beim Einsatz

Der SBS kann nicht in jedem Netzwerk eingerichtet werden, denn es gibt einige Beschränkungen. So darf es in der Domäne nur einen einzigen SBS geben. Active Directory-Vertrauensstellungen sind nicht erlaubt und der SBS muss auch die FSMO-Rolle sowie den Global Catalog beherbergen.

Weitere Domänencontroller und Mitgliedsserver können aber durchaus zum Einsatz kommen. Der SBS überprüft die Voraussetzungen regelmäßig, nicht nur bei der Installation.

CALs für Benutzer und Geräte

Für jeden Benutzer beziehungsweise für jedes Gerät ist eine Client Access License (CAL) erforderlich. Es wird dabei zwischen der SBS CAL Suite und der SBS CAL Suite Premium unterschieden, wobei letztere nur dann für einen Benutzer erforderlich ist, wenn dieser auf den SQL-Server der Premium-Edition zugreifen muss. Eine Mischung der CALs ist möglich und hilft Kosten sparen.

EBS mit mindestens drei Servern

Auch der EBS wird mit einer vorgefertigten Basiskonfiguration ausgeliefert. Das gesamte System wird hier jedoch nicht auf einer einzelnen Server-Instanz installiert, sondern in der Standard-Edition auf drei:

Verwaltungsserver:

  • Windows Server 2008 Standard für Netzwerkdienste, Active Directory, Datei- und Druckdienste
  • Microsoft System Center Essentials zum Monitoring, zur Software- und Update-Verteilung und zur Hard- und Softwareinventarisierung

Nachrichtenserver

  • Windows Server 2008 Standard für Active Directory
  • Exchange Server 2007 Standard
  • Forefront Security for Exchange Server mit einer Laufzeit von einem Jahr

Sicherheitsserver

  • Windows Server 2008 Standard
  • Exchange Server 2007 Edge Transport Role
  • Forefront Threat Management Gateway (TMG), Medium Business Edition, dem Nachfolger des ISA-Servers, der als Firewall fungiert

Wie der SBS ist auch der EBS in einer Premium-Edition erhältlich, die wiederum eine zusätzliche Windows Server 2008-Lizenz und den SQL Server enthält.

Obwohl hier mindestens drei Server zum Einsatz kommen, ist die Administration über weite Strecken mit Hilfe einer zentralen Verwaltungskonsole vom Verwaltungsserver aus möglich.

Vorteile gegenüber SBS und Einzelprodukten

Die Vorteile des EBS gegenüber dem SBS sind die Unterstützung einer höheren Anzahl von PCs, dem Einsatz einer Firewall und die höhere Zuverlässigkeit durch mehrere Server und die teilweise redundante Verteilung der Rollen auf diese.

Doch auch im Vergleich zu den Einzelprodukten bietet der EBS Vorteile. So ist der Setupprozess selbst über die verschiedenen Server einheitlich durch Assistenten komfortabel durchzuführen. Der Implementierungsaufwand der gesamten EBS-Struktur liegt damit weit unter dem der Einzelprodukte.

Die Lizenzierung von Benutzern und Geräten erfolgt wie beim SBS, es gibt also Standard- und Premium-CALs.

Der nächste Teil dieser Artikelserie zum Thema WESS wird die Installation des SBS in neue und bestehende Umgebungen beleuchtet.

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