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Vernetzte Fahrzeuge Wenn sich das FBI über Wi-Fi in das Fahrzeug hackt

Autor / Redakteur: Hendrik Härter / Dipl.-Ing. (FH) Andreas Donner

Moderne Fahrzeuge bieten ihren Insassen nicht nur Komfort, sondern lassen sich auch ausspionieren. Die US-Bundesbehörde FBI nutzt beispielsweise eine umstrittene Technik, mit der sich das Wi-Fi-System des Fahrzeugs auslesen lässt.

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Vernetzte Autos: Sie bieten Fahrer und Insassen viel Komfort und tauschen sich mit ihrer Umgebung aus. Doch lassen sich die sensible Bewegungsdaten auch auslesen.
Vernetzte Autos: Sie bieten Fahrer und Insassen viel Komfort und tauschen sich mit ihrer Umgebung aus. Doch lassen sich die sensible Bewegungsdaten auch auslesen.
(Bild: Bosch)

Bis zum Jahr 2025 beträgt der prognostizierte Anteil vernetzter Fahrzeuge in den USA 72 Prozent. Zum Vergleich die EU mit 50 Prozent. Bis zum Jahr 2030 wächst der Wert in den USA auf 96 Prozent und in der EU auf 78 Prozent. Dazu gehört auch das bordeigene Wi-Fi im Fahrzeug.

Mobile Geräte der Passagiere können sich mit dem drahtlosen Netzwerk verbinden und auch das Fahrzeug selbst kann sich mit anderen Fahrzeugen oder Dingen verbinden. Das Stichwort lautet V2X-Kommunikation (Vehicle to Everything). Sie wird speziell durch die dedizierte Wi-Fi-basierte Lösung IEEE 802.11p/bd abgewickelt, die längerfristig mit Cellular-V2X (C-V2X) kombiniert werden könnte.

Doch die vernetzten Fahrzeuge sind auch angreifbar. Das hat das US-Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlicht. Laut einem Bericht spioniert das FBI das bordeigene Wi-Fi aus. Dazu greift man auf eine umstrittene Technologie zurück, die traditionell zur Ortung von Smartphones verwendet wird.

IMSI des Fahrzeugs wird abgegriffen

Das als Stingray oder Cell-Site-Simulator bekannte Tool tarnt sich als Mobilfunkmast. Es zwingt alle Geräte in einem bestimmten Umkreis, sich mit ihm zu verbinden. Bei Stingray handelt es sich um einen Markenname für einen IMSI-Abgreifer, den das Unternehmen Harris Corporaton in Florida entwickelt hat. IMSI, was für Internationale Mobilfunk-Teilnehmerkennung steht, ist die individuelle Nummer, die einmalig für jede SIM-Karte auf der Welt vergeben wird und einem einzelnen Nutzer zugeordnet wird.

Die Agenten des FBI können dann die Nummer auswählen, an der sie interessiert sind, und das Gerät lokalisieren. Normalerweise wäre das ein Mobiltelefon. Allerdings hat Forbes eine Anwendung für Durchsuchungsbefehle entdeckt, um Fahrzeuge aufzufinden, wenn sie über Onboard-Wi-Fi verfügen. Wi-Fi im im Auto funktioniert wie ein Telefon. Das Auto verbindet sich mit einem Mobilfunknetz, um Daten zu erhalten.

So konnten die Behörden in den USA anhand der gewonnenen Daten den Standort des Fahrzeugs zu ermitteln, einschließlich der Fahrmuster und der Gebiete, in denen verdächtige Personen möglicherweise wohnen oder sich häufig aufhalten.

Allerdings gelten seit 2015 strenge Vorgaben zu Stingray: Es ist ein richterlicher Beschluss notwendig und die Behörden müssen explizit erwähnen, dass sie Stingray verwenden.

Mehr Komfort mit sensiblen Daten

Anzahl der vernetzten Fahrzeuge in EU, USA und China bis 2035.
Anzahl der vernetzten Fahrzeuge in EU, USA und China bis 2035.
(Bild: Statista)

Moderne Fahrzeuge sind nicht mehr einfach nur Autos, sondern echte Netzwerke auf Rädern. Das weckt auch Begehrlichkeiten. Mit den Daten können Regierungsbehörden für sie nützliche Daten sammeln. So lassen sich unter anderem Standortdaten vom Airbag-System oder vom Bremslichtmodul eines Autos erhalten.

Die ganzen vernetzten Funktionen im Fahrzeug bieten den Insassen vor allem eines: Komfort und Effizienz. Vergessen sollte man allerdings nicht, dass die Fahrzeuge auch sensible Daten generieren bis hin zu kompletten Bewegungsprofilen. Ein starker Schutz der Privatsphäre ist für diese Art von Fahrzeuginformationen wichtig, genauso für Informationen, die wir mit unseren Smartphones und Laptops generieren.

Dieser Beitrag stammt von unserem Schwesterportal Elektronikpraxis.

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