Weil der Preis für die Letzte Meile sinkt, steht der Breitbandausbau in Frage

Weniger TAL-Gebühren – Telekom entsetzt, Konkurrenz erfreut

03.04.2009 | Redakteur: Ulrike Ostler

Kein Anschluss unter dieser Nummer! – der Preis geringer TAL-Gebühren? Bild: Pixelio/J. Bredehorn
Kein Anschluss unter dieser Nummer! – der Preis geringer TAL-Gebühren? Bild: Pixelio/J. Bredehorn

Die Bundesnetzagentur senkt den Preis für Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) um 0,30 Euro auf 10,20 Euro pro Monat. Während der Bundesverband Glasfaseranschluss diese TAL-Entgelt-Entscheidung begrüßt, kündigt die Deutsche Telekom eine Überprüfung ihrer Investitionen für den Breitband-Ausbau an. Damit könnten die Budget-Kürzungen die Unterversorgung auf dem Land verlängern.

Wie die Deutsche Telekom mitteilt, würden angesichts der von der Bundesnetzagentur bekannt gegebenen Entscheidung zur Absenkung des Preises für die letzte Meile die eignen Investitionen für den Breitbandausbau auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft.

Denn dem Konzern entgehe damit ein hoher zweistelliger Millionenbetrag. Basis für diese Berechnung sei der aktuelle Stand von mehr als acht Millionen vermieteten Anschlüssen. Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges sagt: „Die Entscheidung der Behörde ist für uns ein Investitionshemmnis.“

Der Manager fordert von den Wettbewerbern, die sich für eine Senkung stark gemacht haben, eine stärkere Beteiligung am Ausbau als bisher: „In einem liberalisierten Markt kann die Last des Ausbaus nicht von einem Unternehmen allein getragen werden.“

Der Konzern hat im Breitbandsegment einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte die Telekom rund 100 Millionen Euro in den Netzausbau investiert und mehr als 400.000 Haushalte zusätzlich mit einem Breitbandanschluss versorgt. Für dieses Jahr war eine ähnlich hohe Investitionssumme vorgesehen oder gar mehr.

Alles im grünen Bereich, signalisiert Buglas

Derweil spricht der Bundesverband Glasfaseranschluss, kurz Buglas, davon, dass die Bundesnetzagentur mit dem TAL-Entscheid einen wichtigen Eckpfeiler gesetzt habe, der dem dringend erforderlichen Breitband-Infrastrukturausbau die notwendige Planungssicherheit verleihe. Der Verband, dem NetCologne (Köln), M-net (München), Wilhelm.tel (Norderstedt), Willy.tel (Hamburg), Stadtwerke Schwerte (Schwerte), Heli Net (Hamm), Accom (Aachen), VSE NET (Saarbrücken) und HL Komm (Leipzig) angehören, begrüßt insbesondere, dass der TAL-Preis „nur unwesentlich gesenkt“ werde.

Mit „einer gewissen Zurückhaltung“ indes akzeptiert Buglas die Laufzeit der neuen TAL-Entgelt-Festsetzung von zwei Jahren. Insgesamt jedoch sehe der Verband seine Forderungen „hinsichtlich einer verlässlichen und langfristig stabilen Preisfestsetzung“ im Wesentlichen erfüllt. Die Mitgliedsfirmen planen bis 2012 über eine Million Haushalte mit Glasfaseranschlüssen zu versorgen.

Buglas-Präsident Hans Konle äußert sich wie folgt: „Die Bundesnetzagentur hat bei der Festsetzung der neuen TAL-Entgelte nicht nur Augenmaß bewiesen. Der geplanten Investitionssumme in Höhe von mehreren 100 Millionen Euro der Buglas-Mitgliedsunternehmen wurde mit dem heutigen Tag eine langfristige Perspektive gegeben.“

Lob für die Umsicht

Zwar hätten die Verbandsmitglieder auf einen kurzfristigen Zeithorizont hin von niedrigeren TAL-Entgelten profitiert. Der daraus resultierende Trend zur Entwertung von Telekommunikationsinfrastruktur hätte aber fatale Folgen für die Investitionsbereitschaft in neue Netze mit sich gebracht.

„Die zuständige Beschlusskammer der Bundesnetzagentur hat mit ihrer ausgewogenen und weitsichtigen Entscheidung nicht nur dem vehementen Preissenkungsdruck anderer Interessensverbände und deren durchsichtigen Argumentationen sondern auch den überzogenen Forderungen der Deutschen Telekom nach drastischen Preiserhöhungen standgehalten. Die Kontinuität der Entgeltfestsetzungen für Telekommunikationsinfrastruktur wird auch in Zukunft die Investitionsbereitschaft in moderne Glasfasernetze prägen“, so Konle.

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