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Neue Kommunikationsinstrumente erobern den Mittelstand Wendepunkt für Multimedia erreicht

| Redakteur: Ulrike Ostler

Der professionelle, effiziente und konsolidierte Einsatz von Kommunikationsinstrumenten wird auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen immer wichtiger, sagt die Experton Group. Doch die Adaption der verschiedenen Angebote variiert stark.

Frank Schmeiler, Research Director, Experton Group
Frank Schmeiler, Research Director, Experton Group
( Archiv: Vogel Business Media )

Zwar würden von den mittelständischen Unternehmen auch zukünftig Voice- und Telekonferenzsysteme noch am häufigsten eingesetzt. Doch verzeichneten „innovativere“ Kommunikationslösungen die deutlich höheren Wachstumsraten, erläutert Frank Schmeiler, Research Director bei dem Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Experton Group AG.

Am stärksten lege in den kommenden zwei Jahren der Einsatz von Videokonferenzsystemen und Multimediaanwendungen zu. So werde der Einsatzgrad von Videokonferenzlösungen auf rund 10 Prozent und der von Multimediananwendungen auf etwa 7 Prozent ansteigen. Gegenwärtig setzten rund 4 Prozent (Videokonferenzen) beziehungsweise 3 Prozent (Multimedia) der Unternehmen entsprechende Lösungen ein.

Auch die Adaption von DSL-Anschlüssen steige nach wie vor enorm. Waren im Jahr 2006 noch rund 350.000 direkte DSL-Anschlüsse in Unternehmen mit zehn bis 499 Mitarbeitern geschaltet, seien es im Jahr 2007 bereits etwa 405.000 Anschlüsse. „In der betrachteten Größenklasse haben wir einen DSL-Einsatzgrad von 62 Prozent“, führt Schmeiler aus. „Bis zum Jahr 2009 wird der Anteil auf über 90 Prozent ansteigen.“

Einsatzmöglichkeiten

Doch die Kommunikations-Tools schlagen nach Ansicht der Experton-Analysten nicht nur in unterschiedlichem Umfang bei den Unternehmen auf, auch ihre Verwendung und in welcher Form sie eingebettet werden, differiere. Wie letztlich mit Chat- und Messaging-Systemen, Videokonferenzen und Unified Communication umgegangen werde, hänge letztlich von den Unternehmensstrukturen ab, aber auch wie sich die Werkzeuge beispielsweise in die Kommunikation mit Kunden und Partnern sowie in die Lieferketten einbinden ließen.

Grundsätzlich sei jedoch erkennbar, dass sowohl Bedarfsweckung als auch die konzeptionellen Anforderungen aus den operativen Fachabteilungen der Anwenderunternehmen stammten. Bedingt würden diese Tendenzen durch die steigende Dynamik innerhalb der nationalen oder globalen Prozessketten.

Die strukturelle Veränderung bei der Wahl der Kommunikationsmittel wird laut Schmeiler durch drei wesentliche Faktoren bedingt:

Die Zunahme an ausgereiften Applikationen.

Sowohl die Anzahl der implementierten Lösungen als auch die technische Reife der angebotenen Applikationen steige stetig. Entsprechende Case-Studies über erfolgreiche und bereichsübergreifende Implementierungen ermöglichten den Entscheidern Rückschlüsse auf die zentralen Erfolgsfaktoren innerhalb der Umsetzung sowie auf die tatsächlichen Kostenstrukturen.

Die Verbreitung von breitbandigen Internet-Lösungen

Das zunehmende Angebot an breitbandigen Internet-Lösungen, verbunden mit einer stark steigenden Adaption, ist die grundlegende Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung einer Kommunikationslösung. Hierbei ist wichtig, dass alle Unternehmen (Partner, Lieferanten und Kunden) innerhalb der Wertschöpfungskette entsprechende Ressourcen vorhalten.

Schmeiler führt aus: „Im Allgemeinen sind heutige DSL-Bandbreiten auch in den nächsten zwei bis drei Jahren für mindestens 75 Prozent der vom Markt adaptierten Lösungen völlig ausreichend. Spätestens mit einer flächendeckenden Verbreitung von VDSL können die Bedarfe nahezu aller Unternehmen im betrachteten Marktsegment zufrieden gestellt werden“.

Steigendes Marketingverständnis, verbunden mit dem Ziel einer höheren Kundennähe und -bindung

Die Verschärfung des Wettbewerbs sowie die gestiegenen Ansprüche der Kunden führen zu einem zunehmenden Druck auf die Anwenderunternehmen. So rücken immer mehr die Zufriedenheit und die Bindung der Kunden in den Fokus der unternehmensweiten Betrachtungen.

Die neuen Kommunikationsinstrumente ermöglichen den Unternehmen, Reaktionszeiten zu verkürzen und mit den Kunden auf die durch sie präferierte Art zu kommunizieren. Gute Beispiele sind VoIP-basierte „Call-Back“-Funktionalitäten auf der Internet-Präsenz oder Messaging-Lösungen zwischen Kunden und Kundenservice.

„Die Organisation und die Nutzung von Kommunikationsinstrumenten sind an einem Wendepunkt angekommen“, fasst Schmeiler zusammen. Auch wenn die hohen Zuwachsraten für Videokonferenz-Systeme oder Multimedia-Lösungen derzeit noch auf einer vergleichbar geringen Basis erfolgten, würden bereits jetzt die Weichen für die zukünftigen integrierten Kommunikationsinfrastrukturen und -standards gesetzt.

Jetzt handeln

Damit stehen IT- und TK-Verantwortliche vor der Herausforderung, die Kommunikationslösungen bereichsübergreifend in die noch immer stark fragmentierten Applikationslandschaften der Anwenderunternehmen implementieren beziehungsweise integrieren zu müssen. Denn nur diejenigen Unternehmen könnten aus einer Implementierung der neuen Kommunikationswege einen Vorteil ziehen, die frühzeitig technische und betriebswirtschaftliche Ressourcen bündelten und sie als strategisches Instrument der internen und externen Unternehmensprozesse verstünden, betont Schmeiler.

Die Unternehmen, die eine erfolgreiche Konsolidierung der Kommunikationswege wie Voice, Mail und Web vollzogen haben, könnten durch die konsequente Umsetzung der unternehmensweiten Kommunikationsphilosophie gegenüber ihren Wettbewerbern entscheidende Vorteile generieren. Diese Vorteile erwüchsen etwa durch die Reduktion von Kosten. Der Hauptnutzen liege jedoch in einer optimierten Betreuung aller Stakeholder die in erhöhten monetären und nicht-monetären Rückflüssen mündet, so der Experton-Analyst.

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