Drahtlose Transatlantik-Mikrowellen-Verbindungen

Was taugen Funkstrecken via Ballons

| Autor / Redakteur: Hugh Cumberland / Andreas Donner

Können Ballon-gestützte Richtfunkstrecken Mikrowellenfunkverbindungen auch über den Atlantik ermöglichen?
Können Ballon-gestützte Richtfunkstrecken Mikrowellenfunkverbindungen auch über den Atlantik ermöglichen? (Bild: VIT)

Im Kampf um immer schnellere Übertragungswege, etwa für Bereiche wie den Hochfrequenzhandel in der Finanzindustrie, erforschen derzeit einige Unternehmen den Einsatz von Gasballons. Colt wirft einen Blick auf die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit dieser Idee.

Mikrowellenfunkverbindungen sind aktuell der ultimative Übertragungsweg für zeitkritische Daten. Diese werden schließlich doppelt so schnell transportiert wie über Glasfaserverbindungen, selbst wenn die Bandbreiten derzeit noch limitiert sind.

Schon heute werden Daten über feste Sendemasten zwischen den wichtigsten Handelsstandorten der Welt mithilfe von Mikrowellenfunk übertragen. Colts eigenes Mikrowellenfunknetz zum Beispiel verbindet Frankfurt mit London.

Transatlantikverbindung via Mikrowellenfunk

Interkontinentale Routen, etwa die Verbindung von London nach New York, stellen die Netzwerk-Anbieter bislang noch vor einige logistische Herausforderungen. Einer der neusten Trends ist daher der Einsatz von Gasballons. Mit Hilfe eines Netzes aus Ballons, die mit Helium gefüllt sein könnten, soll die Mikrowellenfunktechnologie noch weiter ausgereizt werden.

Diese Idee mag zunächst abenteuerlich erscheinen. Aber auch die Mikrowellenfunktechnologie wurde anfangs von vielen Experten als abstruse Spielerei abgetan. Heute müssen dieselben Experten betreten zusehen, wie so manches Unternehmen mit der besonderen Fähigkeit von Mikrowellen, Daten auf kürzestem Wege zwischen zwei Punkten zu übertragen, einen handfesten Mehrwert generiert. Bei allen bisherigen Erfolgen mit dieser Art der Datenübertragung stellt sich aber die Frage, ob auch ein Netz aus Gasballons physikalisch in der Lage wäre, Daten genauso stabil zu übertragen wie feste Sendemasten.

Zahlreiche technische Hürden

Selbst wenn sich eine Lösung für die schwierige Wartung der technischen Ausrüstung findet, was bezweifelt werden kann, gibt es weitere physikalische Aspekte, die den transatlantischen Datenverkehr beeinflussen können. Dazu gehören die Erdkrümmung, Signalreflexionen über ausgedehnten Wasserflächen, Störungen durch Flugzeuge sowie andere Ballon- oder Satellitensysteme. Zwar würden sich die Ballons in einem wesentlich höher gelegenen Luftraum als die zivile Luftfahrt befinden, sodass direkte Zusammenstöße ausgeschlossen werden können. Für mögliche Störungen der Signalübertragung kann dies allerdings nicht behauptet werden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind meteorologische Einflüsse. Diese sind wegen ihres Einflusses sowohl auf die Mikrowellenfunkübertragung als auch auf die Energiezufuhr zu berücksichtigen, falls die Ballons via Solarzelle mit Strom versorgt werden.

Ein konkreter Bedarf an dieser Art der Datenübertragung besteht dennoch, auch wenn es derzeit unmöglich ist, Mikrowellenfunksignale auf direktem Wege über den Atlantik zu senden. Zudem ist der Einsatz von Ballons zur Datenübertragung nicht gänzlich neu. Der Gradmesser für die Machbarkeit einer solchen Idee ist vor allem der technologische Aufwand, den man dafür betreiben müsste. Geht man davon aus, dass die Signale in Sprüngen zu je 50 Kilometern übertragen werden können, bräuchte man für eine Transatlantikverbindung ca. 80 Ballons. Das ist ein stattlicher Technologiepark, der installiert, betrieben, gemanagt und gewartet werden will.

Ohne Frage wären die erforderlichen Investitionen beträchtlich. Damit Unternehmen davon profitieren, sind die Service-Provider erst einmal gefordert, überzeugende Geschäftsszenarien zu präsentieren, die zudem spätestens nach 12 bis 18 Monaten einen Mehrwert erkennen lassen. Denn nur so werden sie die nötigen Investitionen erhalten.

Der Markt treibt den Fortschritt

Abgesehen von den technischen Hürden ist die Entwicklung eines passenden Modells allerdings eher eine Frage der Zeit als der Machbarkeit, schließlich streben Unternehmen weiterhin nach noch schnelleren Übertragungswegen und interkontinentalen Verbindungen. Ob die Gewinnchancen allerdings hoch genug sind, damit Technologieanbieter ihr Geld in eine noch wenig erprobte Ballontechnologie investieren, wird sich zeigen müssen.

Im Grunde genommen ist die Technologie fast schon zweitrangig. Während heute noch über Ballons geredet wird, können es morgen schon solarbetriebene Flugzeuge, Drohnen oder Satelliten mit niedriger Umlaufbahn, so genannte LEO-Satelliten, sein. Egal was es ist, sobald sich neue Möglichkeiten für schnellere Datenwege über den Atlantik ergeben, die allen Beteiligten einen vernünftigen Mehrwert bieten, werden Anbieter wie Colt sich damit befassen und darin investieren. Und wie der Erfolg des Mikrowellenfunks gezeigt hat, sollte keine Technologie ausgeschlossen werden, bevor nicht ihr Potential intensiv geprüft wurde.

Über den Autor

Hugh Cumberland, Solution Manager Financial Services bei Colt.

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