Software-Defined Networking in der Praxis

Was Sie vor dem Einsatz von SDN bedenken sollten

| Autor / Redakteur: Oliver Burgstaller / Andreas Donner

Software-Definierte Netzwerkarchitekturen helfen, händische Eingriffe zu reduzieren und beschleunigen damit die Bereitstellung und Konfiguration.
Software-Definierte Netzwerkarchitekturen helfen, händische Eingriffe zu reduzieren und beschleunigen damit die Bereitstellung und Konfiguration. ( © Lulu Berlu - Fotolia)

Software-Defined Networking wird das Netzwerk revolutionieren. Doch der Umstieg auf SDN braucht Zeit und kann meist nur über den Weg einer temporaär hybriden Infrastruktur erreicht werden. Auf jeden Fall aber sollten Unternehmen vier grundsätzliche Punkte beachten, bevor sie zu SDN wechseln.

Oft wird übersehen, dass hinter neuen Schlagwörtern, wie Cloud Computing, Mobility oder BYOD (Bring Your Own Device) bedeutende Trends stecken, die unsere IT-Infrastruktur grundlegend verändern. Besonders die Unternehmensnetzwerke haben im Laufe des letzten Jahrzehnts entscheidende Veränderungen durchlebt.

Im Mittelpunkt vieler Diskussionen steht dabei Software-Defined Networking (SDN). In SDN sehen viele das „Next big Thing“ und womöglich eine neue und bessere Möglichkeit, um die Verteilung von Informationen in modernen Unternehmen zu dirigieren. SDNs sind virtualisierte Netzwerke, die sich schnell und dynamisch in Echtzeit anpassen lassen – mit minimalem Aufwand. Verständlicherweise verbirgt sich für viele IT-Teams dahinter der Traum einer einfacheren und spezialisierten Administration. Doch ist dieser Traum realistisch?

Obwohl SDNs immer beliebter werden, ist es doch unwahrscheinlich, dass sie traditionelle Netzwerke von heute auf morgen ersetzen. Stattdessen wird es wohl zu einem Anstieg an hybriden Netzwerken kommen, die traditionelle und SDN-Technologien vereinen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, wie Unternehmen eine solche Kombination aus SDN Controllern und bereits getesteten, bewährten Ausstattungen verwalten können. Und zudem müssen Unternehmen auch überlegen, wie sie unter den veränderten Bedingungen zum Bespiel nach einem Notfall auf zeitsparende Taktiken zurückgreifen können, um Daten wiederherzustellen.

Eine kurze Geschichte der virtualisierten Netzwerke

Ein Beispiel für die Bedeutung von SDN gibt ein typischer Programmierer, der denkt, er arbeite an einem Entwicklungssystem. Eine falsche Konfiguration führt ihn jedoch ohne sein Wissen in das Produktionssystem, in dem alle Änderungen sofort in Echtzeit übertragen werden. Ein falscher Druck auf der Tastatur kann jetzt das komplette Produktionssystem außer Gefecht setzen– und damit dem ganzen Unternehmen schaden.

Mit SDNs können isolierte Entwicklungssysteme geschaffen werden, die nach dem Testlauf sofort in ein Live-Produktionssystem umgewandelt werden. Kurz gesagt: die Möglichkeit, das Netzwerk auf Nachfrage besonders schnell anpassen zu können, ist die wichtigste Eigenschaft des SDN. Aus High-Level-Sicht trennt ein abstraktes SDN das virtuelle Netzwerk vom physischen Netzwerk. Es ist außerdem durch Services in der oberen Schicht identisch zum physischen Netzwerk und erlaubt wichtige Vorgänge wie die Server-Virtualisierung. Zum Schluss ermöglicht SDN auch die nötige Kontrolle um die Netzwerk- und Anwendungs-Performance zu maximieren.

Warum SDN?

SDN ist der nächste Schritt für alle Unternehmen, die ihre Flexibilität und Agilität vergrößern möchten. Aber wie kommt es durch Virtualisierung des Netzwerkes dazu? Zum einen hilft ein Vergleich von traditionellen physischen Computern mit einer virtuellen Maschine: der physische Computer ist immer an die Spezifikationen gebunden, die in der „Box“ stecken. Um den Prozessor zu beschleunigen oder die Festplatte zu erweitern, müssen Unternehmen einzelne Komponenten ersetzen oder den ganzen Computer austauschen. Eine virtuelle Maschine dagegen verwendet Software, die den Betrieb eines physischen Computers simuliert. Dadurch ist sie deutlich flexibler. Sie kann sich den wechselnden Anforderungen und Ansprüchen von Anwendungen anpassen und alle dafür notwendigen Modifizierungen lassen sich leicht über die Software-Oberfläche umsetzen – ganz ohne den Austausch einzelner Hardware-Komponenten.

Ähnlich dazu leiden physische Netzwerke unter bestimmten Einschränkungen, die ihr gesamtes Potential reduzieren, besonders in der heutigen Ära von Mobility und On-Demand-Computing. Die einzelnen Teile des physischen Netzwerkes bestehen im Grunde aus Hardware-Geräten in bestimmten Größen und mit bestimmten Fähigkeiten, die statisch über Kabel verbunden sind. Eine On-Demand-Umverteilung der Netzwerkressourcen in einer solchen Hardware-Umgebung ist fast unmöglich. Deshalb kommt es oft dazu, dass Anwendungen angepasst werden – und nicht das Netzwerk. Das Ergebnis ist dann auf keinen Fall optimal für die Nutzer und führt auch zu Herausforderungen für IT-Abteilungen.

Angesichts dieser Umstände sollten Unternehmen vier Überlegungen anstellen, bevor sie zu SDN wechseln:

  • 1. Derzeitige Konfigurationen überwachen: Wie oben angemerkt, werden die meisten Unternehmen, die derzeit ein physisches Netzwerk verwenden, auf Dauer ein hybrides Netzwerk aus SDN und traditionellen Technologien einsetzen. Bevor jedoch SDN wirklich eingesetzt wird, sollten alle derzeitigen Konfigurationen noch einmal überprüft werden. So stellen Unternehmen sicher, dass die Netzwerkkonfiguration konsistent ist – vor und nach der Umstellung.
  • 2. Vorgeschlagenen Pläne genau abschätzen: Bevor Unternehmen SDN-Technologien in ihrem Netzwerk einsetzen, sollten sie genau abschätzen, wie dieser Prozess sich auf die Netzwerk- und Anwendungs-Performance auswirkt – besonders für Endnutzer. So können alle möglichen Konsequenzen genau abgeschätzt und mögliche Probleme schon gelöst werden, bevor sie entstehen.
  • 3. Einen Kontroll- und Verwaltungsprozess aufsetzen: Leider gibt es derzeit keine Tools, mit denen sich hybride Netzwerke kontrollieren und verwalten lassen. Am besten ist es daher, wenn Unternehmen bereits existierende Tools mit guten Frameworks verwenden, um die Kombination aus SDN und traditionellen Technologien abzudecken.
  • 4. In die Zukunft schauen: Unternehmen müssen genau planen, wie Tools, Lösungen und Taktiken eingesetzt werden, damit diese an ihre Bedürfnisse angepasst werden und mit ihnen wachsen können.

Die Zukunft des SDN

Genauso wie auch die Cloud und Big Data erst „erwachsen” werden mussten, um Teil von IT-Strategien zu werden, wird auch SDN erst über die kommenden Jahre das Business-Netzwerk definieren. Wenn Unternehmen die oben genannten vier Punkte berücksichtigen, sind sie auf den Einsatz von SDN gut vorbereitet, denn mit ihnen können sie die Herausforderungen des Übergangprozesseses besser kontrollieren und auch operationale Probleme in Rechenzentren werden damit viel einfacher.

Oliver Burgstaller
Oliver Burgstaller (Bild: Riverbed)

In der hybriden Umgebung müssen Unternehmen aufgrund sinkender IT-Budgets und wechselnder Technologien Wege finden, um operationale Kosten zu senken und agiler zu werden. Unternehmen, die Software-Definierte Umgebungen erfolgreich einsetzen, erhalten dabei völlig neue Möglichkeiten. Dafür müssen sie auch keine Early Adopter sein – aber ein Blick nach vorne lohnt sich schon jetzt, um mit den Vorbereitungen für den Einsatz von SDN zu beginnen.

Über den Autor

Oliver Burgstaller ist Senior Solutions Architect bei Riverbed.

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