Interview mit Filip Polsakiewicz, Director Enterprise Relations der snom technology AG

Was leistet die Internet-Telefonie aus der Cloud?

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Welche Branchen, Gruppen und Größenordnungen treiben bei den Anwendern die Entwicklung besonders voran?

Polsakiewicz:Von der Cloud-Telefonie profitieren kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern am meisten, weil die monatlichen Gebühren in solchen Fällen sehr niedrig sind. Für Firmen, die zwischen 20 und 200 Mitarbeiter haben, ist wiederum eine IP-PBX sehr lukrativ. Ganz anders sieht es bei Unternehmen mit über 200 Beschäftigten aus: da viele bereits eine Microsoft-basierte Server-Infrastruktur betreiben, ist Lync eine Option, über die sich ernsthaft nachzudenken lohnt. Der Implementierungs- und Verwaltungsaufwand bleibt für größere Unternehmen im Rahmen: Neue Nutzer lassen sich zum Beispiel einfach über das Outlook Active Directory anlegen.

Wie verknüpft man stationäre und mobile Telefonie in der Cloud möglichst effizient miteinander?

Polsakiewicz:Ob und wie man für eine solche Verknüpfung sorgt, hat nichts mit der Cloud zu tun. Es geht eher um Fixed Mobile Convergence. Prinzipiell kann jeder Internettelefonie-Anbieter auch mobile Endgeräte einbinden. Eine nahtlose Integration von Mobiltelefonie und VoIP ist allerdings nur den großen Netzbetreibern beziehungsweise MVNOs möglich.

Einige Anbieter wie nfon werben für ihre neuen Anlagen mit einer (fast generellen) Kostenersparnis von bis zu 50 Prozent. Das scheint mir ziemlich hoch gegriffen. Unter welchen Voraussetzungen kann diese Marketingformel überhaupt greifen?

Polsakiewicz:Dass sich mit der Cloud-Telefonie bis zu 50 Prozent der Kosten einsparen lassen, ist eine Aussage, die man nicht verallgemeinern kann. Unternehmen sparen möglicherweise einen Administrator, wenn sie ihre Telefonie in die Cloud verlagern, müssen dann aber höhere Verbindungspreise bezahlen. Ob und in welcher Höhe sich Kosten einsparen lassen, ist immer auch abhängig vom Telefonievolumen. Unternehmen, in denen sehr viel telefoniert wird, fahren eventuell mit einer vor Ort installierten PBX samt Festnetz-Flatrate günstiger.

Gibt es ggfs. Case Studies oder Praxisbeispiele bei snom, an denen sich der praktische Nutzwert aus Anwendersicht gut dokumentieren lässt?

Polsakiewicz:Alle vier großen Internettelefonie-Anbieter setzen auf die IP-Telefone von snom: während nfon und Sipgate neben den snom Geräten auch noch Telefone einiger anderer Anbieter im Angebot haben, arbeiten Vodafone und die Deutsche Telekom bislang ausschließlich mit den Endgeräten von snom.

Ausblick: Wie ändert sich die Business-Telefonie in den kommenden Jahren?

Polsakiewicz:Es ist davon auszugehen, dass immer mehr Unternehmen ihre Telefonie in die Cloud auslagern, sofern ihre Bedenken hinsichtlich Datensicherheit ausgeräumt sind. Einer der Gründe für den Technologiewechsel liegt in der Tatsache begründet, dass alte Wartungsverträge für große proprietäre Telefonanlagen vielerorts ausgelaufen sind beziehungsweise in Kürze auslaufen. Darum wird es in den kommenden Jahren eine gesunde Verteilung zwischen cloudbasierten und vor Ort installierten Telefonanlagen geben.

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