Interview mit Filip Polsakiewicz, Director Enterprise Relations der snom technology AG

Was leistet die Internet-Telefonie aus der Cloud?

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Heute ist der ganze Prozess von Planung über Implementierung bis hin zur nachgelagerten Betreuung aufgrund der vielen Kanäle noch ungleich komplexer, zwischen stationären, mobilen und internetbasierten Lösungskonzepten. Wie bringt man hier aus Anwendersicht Licht in den Dschungel, damit Projekte nicht scheitern, sondern erfolgreich sind?

Filip Polsakiewicz, Director Enterprise Relations der Snom Technology AG.
Filip Polsakiewicz, Director Enterprise Relations der Snom Technology AG.
(Bild: Snom Technology)

Polsakiewicz: Entscheidet man sich für eine Cloud-Lösung, braucht man kein ausgeklügeltes Implementierungskonzept. Der Administrator richtet die Nebenstellen über das Web-Interface ein, das Telefon konfiguriert sich selbst, sobald es angeschlossen ist, und die Anwender können sofort telefonieren. Bei einer Telefonanlage hingegen, die man On-Premise betreibt, ist es neben Testläufen oftmals auch erforderlich, dass man Gateways zum analogen Telefonnetz einrichtet oder Faxgeräte anschließt. Es kann aber vorkommen, dass ein Administrator mit diesen anlagenspezifischen Aufgaben überfordert ist. Für diesen Fall stellen viele IP-PBX-Anbieter ihren Kunden einen IT-Experten zur Verfügung, der die Installation der Telefonanlage vor Ort vornimmt. Die Anwender selbst möchten auch mit einer IP-PBX oder mit einer IP-Centrex wie gewohnt telefonieren. 80 Prozent der Nutzer wollen Funktionen so nutzen können wie zuvor, das heißt Anrufe weiterleiten, Anrufe halten, Telefonkonferenzen einleiten etc. Nur 20 Prozent der Anwender legen Wert auf zusätzliche Features, wie etwa eine Anbindung an das CRM-System, um Arbeitsprozesse im Vertrieb zu beschleunigen.

Schließlich geht es für kleinere wie größere Unternehmen darum, die Investitionen einschließlich der Migrationsstrategie möglichst zielsicher in die Computerwolke einzusteuern. Welchen Mehrwert können hier cloudbasierte Telefonielösungen bieten?

Polsakiewicz: Die Investitionen in eine Cloud-Lösung sind sehr gering. Für Unternehmen fällt lediglich eine Einrichtungsgebühr an, und auch die Betriebskosten sind überschaubar: was man zu bezahlen hat, ist eine monatliche, nutzerabhängige Gebühr. Das heißt: weniger Nutzer, weniger Kosten. Die Migration kostet prinzipiell immer dasselbe: es muss sichergestellt sein, dass das interne Netzwerk und die Telefone reibungslos funktionieren. Eine proprietäre Telefonanlage hingegen kostet mehrere Tausend Euro. Auch ist es im Nachhinein nicht möglich, eine einmal angeschaffte Telefonanlage an den tatsächlichen Bedarf anzupassen. Umfasst sie beispielsweise 100 Nebenstellen, kann ein Unternehmen die Anzahl der Nebenstellen nicht reduzieren, wenn es Mitarbeiter entlässt. Bei einer Cloud-Lösung hingegen könnte es die Extensions einfach zum Monatsende kündigen.

Welche geschäftlichen Treiber forcieren den Schwenk der Internettelefonie in die Wolke?

Polsakiewicz:Der Umgang mit Krisen ist immer ein heikles Thema. Unternehmen neigen dazu, in wirtschaftlich unsicheren Zeiten eher die operativen Kosten zu erhöhen, anstatt zu investieren. So ist weniger Geld fest gebunden, und Firmen können flexibler auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren. Das spricht für eine IP-Centrex – zumal eine Cloud-Lösung weniger Administrationsbedarf verursacht und Unternehmen so die Personalkosten in diesem Bereich senken können. Vorteile, die eine vor Ort installierte Telefonanlage nicht bietet.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, welche Branchen, Gruppen und Größenordnungen die Entwicklung besonders vorantreiben.

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