Betreiber, Pragmatiker und Puristen zum Thema SDN

Was genau ist Software-Defined Networking?

| Autor / Redakteur: Eugen Gebhard / Andreas Donner

Auf SDN gibt es viele Sichtweisen – drei lassen sich jedoch allen anderen überordnen.
Auf SDN gibt es viele Sichtweisen – drei lassen sich jedoch allen anderen überordnen. (Bild: Kadmy - Fotolia.com)

Der Begriff „Software-Defined Networking“ ist schwer zu fassen. Nahezu jeder versteht zumindest im Detail etwas anderes unter SDN und damit fällt mittlerweile fast alles unter den Begriff, was Software zur Wertverbesserung eines Netzwerks tun kann. Doch drei Sichtweisen auf SDN stechen besonders hervor.

Software Defined Networking (SDN) begann als Idee, dass die Datenebene und die Kontrollebene im Netzwerk klar getrennt sein sollten. Im Wesentlichen würde damit die Hardware von der Software getrennt und das traditionelle Modell der herstellerspezifischen Plattformen und proprietären Kontrollebenen-Implementierungen aufgegeben.

Mit der Realisierung einer solchen Architektur würden bessere Programmierbarkeit, Innovation und Agilität im Netzwerk erreicht, und letztlich bestünde die Aussicht auf niedrigere Kosten durch Hardware- und Architekturvereinfachung sowie betriebliche Einsparungen durch gemeinschaftliche Kontrolle.

Heute ist die Definition von SDN allerdings nicht mehr ganz so einfach. Der Begriff „SDN“ wurde so umfassend interpretiert, dass jetzt „fast alles darunter fällt, was Software zur Wertverbesserung eines Netzwerks tun kann“, und es ist ein Aufruf zur allgemeinen Veränderung von Netzwerken daraus geworden: vom Zugangspunkt zum Kern, vom Nutzer zum Rechenzentrum, von Mobilfunk- zu Festnetzen und durch praktisch alle Schichten des OSI-Modells. Wegen dieser ziemlich unterschiedlichen Ideale ist es immer schwieriger geworden, über SDN ganz allgemein zu sprechen und dabei sicher zu sein, dass alle dieselbe Sprache sprechen.

Aber das Fehlen einer klaren, einheitlichen Definition von SDN ist nicht so problematisch wie es sich vielleicht anhört, weil sich einige allgemeine Themen erkennen lassen. In einer weiteren Analyse können wir sie in drei allgemeine Kategorien, „Fraktionen“, einteilen: Betreiber, Pragmatiker oder Puristen.

Die Betreiber-Fraktion

Betreiber wollen die uralten Herausforderungen lösen, vor denen die Branche seit vielen Jahren auf betrieblicher Seite und im Multi-Vendor-Management steht.

Dieses Lager konzentriert sich auf die Netzbetreiberseite und bemüht sich um die Lösung des klassischen Problems des Multi-Vendor-Managements und der Service Assurance. Die Betreiber erkennen häufig den wachsenden Trend zur „Offenheit“ und sehen ihn als Möglichkeit, auf vorhandenen Lösungen aufzubauen. Letztendlich sind sie der Ansicht, dass SDN das Versprechen von echtem Multi-Vendor-Management mit verbesserter Service Assurance hält.

Die Pragmatiker-Fraktion

Die Vorteile von SDN sprechen die Pragmatiker an, sie schreiben aber keine Methode für deren Erreichung vor.

Die Pragmatiker sind hybride Wesen: Sie glauben, dass die Zeit für Veränderungen gekommen ist, sind sich dabei aber der Bedeutung potenzieller Auswirkungen auf bestehende Lösungen bewusst. Ihrer Ansicht nach haben bewährte – oder in einigen Fällen neue „offene“ – Schnittstellen, die mit bestehenden verteilten Kontrollebenen kommunizieren, immer noch ihren Platz im Netzwerk. Und das verstärkt ihren Wunsch, durch richtige Abstraktion und Änderungen an Northbound-Schnittstellen ein blühendes Ökosystem von Mehrwert-Softwareanwendungen zu schaffen.

Die Puristen-Fraktion

Die Puristen bleiben der ursprünglichen Definition von SDN treu. Das Lager der Puristen ist im Allgemeinen von der strikten Trennung der Datenebene von der Kontrollebene überzeugt und implementiert dazu OpenFlow als offenes Southbound-Protokoll. Bei einer vollständigen und korrekten Implementierung bedeutet SDN nach der Definition der Puristen die echte Revolution im Netzwerk – ein entscheidender Moment in der Geschichte des Networking, wenn dies tatsächlich erreicht werden kann.

Letztlich bedeutet SDN all dies und noch viel mehr. Es gibt eindeutig noch andere Fraktionen, Überzeugungen und Ideale, die sich in viele Kategorien einordnen lassen. Aber diese ganz allgemeinen Klassifizierungen decken die gängigsten der heute auf dem Markt vertretenen Meinungen ab.

Fazit

Im Grunde ist eine genaue Definition von SDN nicht unbedingt so wichtig wie ein eindeutiges Verständnis der Probleme, die man lösen möchte, und die negativen oder positiven Faktoren, die der Betreiber zu akzeptieren bereit ist. Eine umfassend definierte SDN-Lösung kann alle diese Themen abdecken und sollte es dem Anwender ermöglichen, ganz nach seinen geschäftlichen Anforderungen von einer Lösung zur anderen zu migrieren.

Eugen Gebhard
Eugen Gebhard (Bild: Ciena)

Was ist SDN nun eigentlich? Es ist sowohl eine Idee, als auch eine Ideologie; und ein sehr wichtiger Wendepunkt in der Networking-Branche – dabei ist es ganz anders als alles, was wir bisher erlebt haben.

Über den Autor

Eugen Gebhard ist Regional Director Germany & Pan-European Carrier Accounts Director bei Ciena.

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