Kolumne

Was du morgen kannst besorgen...

| Autor / Redakteur: Rebecca Siwon / Andreas Donner

Rebecca Siwon studiert Psychologie an der Universität Wien. Neben ihrem Studium ist sie als Freiberuflerin u.a. an Forschungsprojekten der Universität Wien beteiligt. In diesem Zusammenhang befasste sie sich ausführlich mit dem Thema Prokrastination.
Rebecca Siwon studiert Psychologie an der Universität Wien. Neben ihrem Studium ist sie als Freiberuflerin u.a. an Forschungsprojekten der Universität Wien beteiligt. In diesem Zusammenhang befasste sie sich ausführlich mit dem Thema Prokrastination. (Bild: foto art Elisabeth Wiesner)

Erwischt! Welchen Aufgaben entgehen Sie gerade, indem Sie diesen Artikel lesen? Wie wir uns das Leben oft unnötig schwer machen, indem wir Aufgaben irrational aufschieben, welche Folgen das für uns haben kann und wie wir dem entgegen wirken können, erfahren Sie hier.

Menschen verhalten sich nicht so rational, wie es Entscheidungs- und Spieltheoretiker oft annehmen. Wir verhalten uns nicht einmal so rational wie wir es von uns selbst glauben. Einer der vielen Wege, wie wir uns selbst beschummeln ist das, was Experten Prokrastination nennen. Der Begriff beschreibt das irrationale Aufschieben einer geplanten Tätigkeit. Es gibt keine äußeren Umstände, die uns von der Aufgabe abhalten.

Prokrastination hat auch keinen funktionalen Aspekt, wie das Warten auf neue Ressourcen oder das gezielte Nehmen von Auszeiten, um den Kopf für die bevorstehende Aufgabe frei zu haben. Wer prokrastiniert, hat die Mittel und Möglichkeit, eine Aufgabe zu beginnen, aber schiebt sie dennoch vor sich her, bekommt ein schlechtes Gewissen und fühlt sich damit unwohl. Hinzu kommt die Sorge, die Aufgabe nicht (mehr) bewältigen zu können. Studien ergaben, dass Angst und Sorge eng mit Prokrastination zusammenhängen. Auch ein erhöhter psychischer Leidensdruck und gesteigertes Stresserleben, sowie Burnout und Depression stehen in Zusammenhang mit Prokrastination.

Warum prokrastinieren wir eigentlich?

Ein Grund ist, dass manche Personen gerne unter dem Druck der sich nähernden Deadline stehen. So erhalten sie einen „Kick“ durch das Risiko oder sie können es schaffen, „Flow“-Zustände von äußerster Produktivität und Konzentration zu erreichen, die Glücksgefühle und Zufriedenheit auslösen. Allerdings ist das Eintreten der Flow-Erlebnisse nicht immer gegeben. Schnell wachsen Aufgaben über den Kopf, es kommen unerwartete Zusatzaufgaben hinzu, oder der Arbeitsaufwand wird unterschätzt.

Wird der Druck zu groß, macht es das immer schwerer, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren. Eine weitere Ursache für Prokrastination ist, wie schon im Beispiel erwähnt, die Angst zu scheitern. Diese sorgt dafür, dass man oft erst gar nicht beginnt. Wir leben oft in dem Glauben, dass es besser ist, gar nichts zu tun. So schützt man sich vor Fehlern. Handeln bedeutet außerdem, auch Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen.

Die Angst zu scheitern ist, einer Umfrage bei Studenten zufolge, vor allem bei Frauen ein häufiger Grund für Prokrastination. Männliche Studenten beschrieben eher Rebellion gegen Kontrolle und Risikosuche als Gründe. Insgesamt neigen Männer eher zu Prokrastination als Frauen, außerdem betrifft das Phänomen vor allem „white-collar worker“.

Der typische Prokrastinierer ist eher jung, ledig, männlich und lebt in einem Land, in dem Selbstdisziplin von geringer Bedeutung ist. Zudem ist Prokrastination als Persönlichkeitseigenschaft unter anderem eng mit Gewissenhaftigkeit, Selbstvertrauen, Impulsivität und Perfektionismus verbunden. Nun muss ich allerdings diejenigen, die ihre Gene oder die ihrer Mitarbeiter als Ausrede benutzen möchten, enttäuschen. Persönlichkeit ist nur einer von vielen Faktoren, die Prokrastination bedingen. Es ist möglich, Aufgaben so zu gestalten, dass sie entweder Prokrastination oder Produktivität fördern.

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