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Zersplitterte LTE-Netze machen Kunden unzufrieden

Warum LTE-Roaming scheitert

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LTE-Roaming fast unmöglich

Neben den Kosten führt die Willkür der Frequenzbandverteilung zu einer totalen Zersplitterung der LTE-Weltkarte in nationale und subnationale Netze. Nicht einmal die unterschiedlichen Netzbetreiber desselben Landes nutzen das gleiche Spektrum!

In den USA etwa sind die LTE-Netze von Verizon und AT&T nicht miteinander kompatibel. Zwischen den Anbietern herrscht aggressive Stimmung, eine internationale Vereinbarung fehlt.

Der Verband der Netzbetreiber GSMA schätzt, dass mindestens 38 unterschiedliche Kombinationen an Funkfrequenzen genutzt werden. Der unbedingte Wille der Netzbetreiber zur Kundenbindung kombiniert mit der schieren Masse an inkompatiblen Netzen führt am Ende dazu, dass Roaming in LTE quasi unmöglich wird.

Multiband war auch bei 2G und 3G die Lösung

Bei den Vorgängern, 2G und 3G, war Roaming bereits fest verankert – jedoch nicht von Anfang an. Zu Beginn hatten beide Standards ähnliche Probleme wie LTE heute. Drei Faktoren lösten damals dieses Problem: Multiband-Geräte ermöglichten erstens die Nutzung von mehr als einem Frequenzbereich; zweitens fand man zu einer besseren internationalen Koordination; und drittens unterschieden sich die Frequenzbänder schlichtweg weniger voneinander, sodass Roaming auch ohne zusätzliche Empfänger möglich war.

Heute leidet LTE sowohl unter geringerer Kooperation der Betreiber, als auch unter mehr und unterschiedlichen Frequenzen. Die wahrscheinlichste Lösung für dieses Dilemma ist dreiteilig:

  • Erstens sollten sich die Netzbetreiber auf die sechs bis acht meistgenutzten LTE-Hauptbänder einigen.
  • Zweitens unterstützen Geräte mit modernen Chipsätzen bald bis zu zehn Frequenzbänder und entsprechen damit der Multiband-Lösung aus 3G-Tagen.
  • Drittens schaffen Kooperationen mehr Übergänge zwischen den Netzen, wie es heute schon der US-amerikanische Anbieter Verizon mit ausländischen Carrier-Partnerschaften vormacht.

Frustrierte Kunden fordern Harmonisierung

Leslie Ferry
Leslie Ferry
(Bild: Broadsoft)
Noch ist die Fragmentierung der LTE-Netze nicht spürbar geworden, die kritische Masse an Nutzern noch nicht erreicht. Während sich LTE weiter verbreitet, gewöhnen sich die Kunden an hohe Geschwindigkeiten und die neuen, datenintensiven Dienste. Die alten Netze können diese wachsenden Lasten nicht mehr tragen während die neuen Netze Nutzer an ihr Heimatnetz fesseln.

Auf lange Sicht müssen sich alle Beteiligten am LTE-Markt daher um eine Harmonisierung bemühen. Im mobilen Umfeld würde davon jeder profitieren: von OEMs, die nur noch ein Gerät für die unterschiedlichen Regionen herstellen müssten, über Konsumenten, die in den Genuss von LTE-Roaming-Diensten kämen, bis hin zu den Netzbetreibern, die auf zufriedenere Kunden und zusätzliche Erlöse aus ihren Roaming-Partnerschaften blicken könnten.

Leslie Ferry ist Vice President Marketing beim VoIP- und Unified-Communications-Anbieter BroadSoft.

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