Stabiler Datenzugriff trotz geringer Bandbreite

WAN-Optimierung in Osteuropa in der Praxis

| Autor / Redakteur: Philipp Wilhelm / Andreas Donner

Gerade in Osteuropa, wo Bandbreite noch rar und teuer ist, lohnt sich der Einsatz von WAN-Optimierung.
Gerade in Osteuropa, wo Bandbreite noch rar und teuer ist, lohnt sich der Einsatz von WAN-Optimierung. (Bild: © momius - stock.adobe.com)

Lebensmittelketten halten ihre Datenbanken zentral in Rechenzentren vor. Damit beispielsweise die Warenwirtschaftssysteme in den einzelnen Supermärkten wie gewünscht performen, müssen Verbindungen mit ausreichend Bandbreite zur Verfügung stehen. In Ost- und Südosteuropa hat es sich bewährt, Daten mithilfe von Beschleunigern über Wide Area Networks (WAN) zu übertragen.

Im Einzelhandel werden ständig Waren ein- und ausgebucht, Zahlen laufen zwischen den Standorten und einem Rechenzentrum hin und her. Die Filialen benötigen Zugriff auf Datenbanken, Systeme und Software, die eine Handelsgruppe in der Regel zentral an einem Ort oder in zwei, drei Datacentern hostet.

Ein Handelskonzern, den Axians als Kunden betreut, hat fast 700 Supermärkte an die zentrale IT angeschlossen. Darüber hinaus betreibt die Lebensmittelkette über 500 Märkte in Ost- und Südosteuropa, die sich auf sechs Länder verteilen. Dort ist Bandbreite jedoch teuer, weshalb der Konzern WAN-Beschleuniger (oder auch WAN-Optimierer) einsetzt. Darüber hinaus hat die bestehende Infrastruktur ihre vorgesehene Betriebszeit absolviert, wodurch das Störungs- und Ausfallrisiko steigt. Daher möchte der Lebensmittelhändler die bisher eingesetzten Geräte für die WAN-Optimierung nun austauschen.

Trotz immer größerer Bandbreiten ist Datenübertragung in und nach Osteuropa immer noch teuer. Mit WAN-Optimierern lassen sich die vorhandenen Kapazitäten besser nutzen. Das Prinzip: Eine große Appliance in der Zentrale unterhält sich mit einem kleinen Gerät in einer Filiale, die sich zum Beispiel in Warschau befindet. Sequenzen, also eine bestimmte Reihenfolge von Bits und Bytes, die mehrfach vorkommen, werden nicht komplett übertragen.

Die Technologie unterteilt eine Sequenz beispielsweise in Muster A, B und C. Daten werden nicht mehr direkt übermittelt, sondern in Schablonen kodiert. Der Transfer konzentriert sich auf „neue“ Schablonen, was Bandbreite spart. „Es findet sozusagen eine Komprimierung auf der Leitung statt“, erklärt Frank Greisiger, Vertriebsleiter Südwest bei Axians Networks & Solutions. „Das Weniger an Bandbreite geht mit einer ordentlichen Performance einher, um auf die Datenbank zuzugreifen. Insbesondere mit den Appliances von Riverbed Technology gelingt es, Übertragungsdaten zu sparen.“

Austausch von 500 Appliances in sechs Monaten

Hersteller wie Riverbed engagieren bei solchen Projekten Partner, die sich um die Systemintegration kümmern. Axians hatte bereits 2012 – als erstmals veraltete Technik ausgetauscht werden sollte – WAN-Optimierer so vorbereitet und versendet, dass ein Techniker im Supermarkt vor Ort die Hardware mit den aufgespielten Anwendungen schnell installieren konnte. Nach sechs Jahren wollte das Unternehmen die damals installierte Technik erneut durch neue ersetzen.

Im Juli 2018 erhielten die Netzwerkexperten daher wieder den Auftrag, die Riverbed-Technologie, diesmal insgesamt 500 WAN-Optimierer, betriebsbereit an die ost- und südosteuropäischen Supermärkte zu liefern. Nicht nur wegen der guten Erfahrungen von damals war Axians erste Wahl, sondern auch wegen des Servicepakets: „Wir übernehmen das Provisioning und Staging. Das heißt, der Kunde gibt uns eine Liste mit Standorten. Acht bis zehn Mitarbeiter von uns vergeben dann Namen und IP-Adressen, konfigurieren die Geräte, testen, ob jede Schraube richtig sitzt und alle Programme drauf sind. Anschließend machen wir die Boxen versandfertig – pro Gerät dauert dieser Vorgang rund zwei bis drei Stunden“, beschreibt Frank Greisiger. Vor Ort müssen dann bloß die Maschinen getauscht und neu verkabelt werden. Innerhalb von zehn Minuten sind die Geräte installiert und online, wodurch sich die Ausfallzeit auf ein Minimum reduziert.

Axians steuert den Roll-Out von der deutschen Zentrale des Lebensmittelkonzerns aus, testet die neu angeschlossenen Geräte und nimmt diese remote in Betrieb. „Das erforderliche Höchstmaß an Präzision und Geschwindigkeit, 500 WAN-Optimierer in sechs Monaten installationsbereit vorzubereiten, können nur wenige Netzwerkspezialisten leisten. Das Feedback des Kunden fällt bisher sehr positiv aus und bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, zieht Frank Greisiger eine Zwischenbilanz.

Weiterhin großer Bedarf nach WAN-Optimierung

In Deutschland ist Bandbreite über die Jahre wesentlich günstiger geworden, weshalb es sich hierzulande weniger lohnt, die Riverbed-Technologie einzusetzen. Die Investition in die Technik des Marktführers für WAN-Optimierung zahlt sich vor allem für Unternehmen aus, die weltweit aktiv sind. In diesem Fall lösen vor allem Automobilzulieferer oder Einzelhandelsketten die Herausforderung, dass in einigen Regionen von Ost- und Südosteuropa, Asien, Südamerika oder Afrika Bandbreite relativ teuer ist.

Wie sich der Effekt des Schablonenübertragens konkret für die Handelsgruppe einstellt, lässt sich anhand von Word-Dokumenten veranschaulichen: Eine solche Datei wird beim ersten Mal komplett übermittelt – mit Rahmen, Formularen und Inhalt. Ab dem zweiten Mal geht bloß der Text über die Leitung, was wenig Bandbreite benötigt. Der empfangende WAN-Optimierer weiß, dass er das komplette Dokument mit Rahmen und allem anderem zusammenfügen muss. Genauso funktioniert es bei SAP.

„Die WAN-Optimierer verfügen über große Speicher und merken sich die Schablonen ewig. Am Anfang lässt man die Geräte zwei, drei Tage mitlaufen, damit sie viele Muster speichern. Danach wird schon scharf geschaltet, wobei sich relativ schnell eine gute Optimierung einstellt. Dennoch bleibt es natürlich ein ständiger Lernprozess“, hält Frank Geisiger fest. Das Vorhalten häufig abgerufener Informationen im Zwischenspeicher (Caching) oder das Zusammenführen identischen Inhaltes (Deduplizierung) funktioniert fortlaufend immer effizienter. Zudem werden Datenströme auf Übertragung im WAN vorbereitet (Traffic Shaping) und priorisiert. Letzteres erfolgt über das Festlegen der Leistungsklasse (Classes of Service; CoS) und der Dienstgüte (Quality of Service; QoS).

Nächste Stufe: SD-WAN

Die WAN-Optimierer von Riverbed beherrschen auch Software-Defined Networking. Die SD-WAN-Technologie stellt gewissermaßen die nächste Evolutionsstufe dar, um den Datentransfer weiter zu verbessern. Control Plane und Data Plane befinden sich hierbei nicht mehr auf einem Netzknoten, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Steuerungsebene, Control Plane, baut wie üblich die Verbindung auf, überwacht diese und baut sie wieder ab. Auf der Data Plane findet der Datentransfer statt, in dem die nötigen Protokolle abgewickelt werden. Die von der Data Plane entkoppelte Control Plane steuert in einem SD-WAN, wie die Netzknoten die Datenströme weiterleiten sollen. Zudem werden die Daten verschlüsselt.

Derzeit evaluiert der Handelskonzern, ob er die SD-WAN-Technologie freischaltet, um von der zusätzlichen Verbindungsoptimierung und dem Sicherheitsgewinn beim Datentransport zu profitieren.

Über den Autor

Philipp Wilhelm ist freier Fachjournalist aus München.

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